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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
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zu Cöln zu bewegen, die Seelsorge in Styrum zu übernehmen. Schon im Jahre 1750traf als gräflicher Hofkaplan der Jesuitenpater Anton von Sonnenberg in SchloßStyrum ein. Mit dem Eifer, der den Mitgliedern seines Ordens eigen zu sein pflegt,nahm sich Pater v. Sonnenberg der Katholiken an und ermunterte sie zu einemregen religiösen Leben. Vom Jahre 1751 ab nahm er auch in der Schloßkapellealle pfarramtlichen Handlungen vor, wie die Kirchenbücher beweisen, die mit diesemJahre beginnen. Im Jahre 1752 wurde Pater von Sonnenberg aus seinem hiesigenWirkungskreise abberufen, und an seine Stelle trat

Pater Johannes Scheben S. I. Dieser ließ es sich recht angelegen sein,die Gemeinde zu sammeln. Von ihm besitzen wir noch ein namentliches Verzeichnisder 477 Personen, welche sich im Jahre 1754 zum katholischen Glauben bekannten,und zwar in Mülheim 325, Eppinghofen 26, Styrum 36, Mellinghofen 61, Holthausen 19und Alstaden 10. Diese verteilten sich auf 137 Familien, von denen 68 gemischte und69 rein katholische Ehen waren. Von den 229 katholischen Kindern waren 139 im Altervon 6—14 Jahren. Pater Scheben erkannte daher die Notwendigkeit der Errichtungeiner katholischen Schule, welche schon am 12. Dezember 1752 eröffnet und mitJohann Valentin Keim aus Erfeld als Lehrer besetzt wurde. Dieser, der auch gleichzeitigden Küster- und Organistendienst zu versehen hatte, mußte unter äußerst ärmlichenVerhältnissen seines schwierigen Amtes walten, da weder ein Schullokal noch eineGehaltsfundation vorhanden war. Die erste Sorge galt daher dem Bau einer Schuleund einer Wohnung für den Geistlichen und den Lehrer. Den Grund und Bodenhierzu schenkte Graf Carl August durch Urkunde vom 13. Januar 1755, indem ereinen Teil des „Maurengutes" nebst Bauholz und 60 Reichstalern der Mission überwies.Auch versprach er den Rest des Maurengutes, sobald die Pachtverhältnisse es zuließen,nebst 4000 Reichstalern zur Fundierung der Mission zu schenken. Schule undWohnhaus waren 1757 vollendet und wurden sofort bezogen. Die Zunahme derkatholischen Bevölkerung und die mit der ausschließlichen Benutzung der Schloßkapellefür die Herrschaft und die Gemeinde verbundenen Unzuträglichkeiten ließen dasBedürfnis nach einem Gotteshause in Mülheim immer dringender erscheinen. Daaber Pater Scheben ohne alle Mittel war, richtete er das Schulhaus zu einer Notkircheein, und so konnte nach fast 200jähriger Unterbrechung am 23. November 1763 inMülheim zum ersten Male wieder das Opfer der heiligen Messe gefeiert werden.Sollte das einmal begonnene Werk nicht mehr untergehen, so mußte Pater Schebenauf die finanzielle Fundierung der neuen Gemeinde sinnen, und dafür fand er indem Grafen Philipp Ferdinand, wie früher in dessen Bruder Carl August, eine kräftigeStütze. Die Kirchengemeinde Mülheim verdankte in der vorreformatorischen Zeitmanche kirchliche Stiftung der hochherzigen und gläubigen Gesinnung der StyrumerGrafenfamilie. Weil jedoch die Fonds und Güter dieser Stiftungen dem Kirchen-vermögen einverleibt worden waren, fielen sie durch den Religionsrezeß von 1672der reformierten Gemeinde zu und wurden damit den stiftungsmäßigen Zweckenentzogen. Nur eine Stiftung aus dem 14. Jahrhundert, welche durch Urkunde vom13. Juni 1422 erneuert worden, war diesem Verhängnis entgangen, weil die genannteUrkunde bestimmte, daß die Stiftsgüter nicht der Kirche als Eigentum übertragen,sondern von der gräflichen Rentei verwaltet werden sollten, welche dafür dem zeitigenRektor eine ausreichende Subsistenz zu sichern hatte. Es betraf diese Stiftung dieFundation des Altares der allerseligsten Jungfrau Maria. Der oben angeführtenKlausel und dem Umstände, daß die gräfliche Familie dem katholischen Bekenntnistreu blieb und daher die Wiederherstellung der Stiftung als Gewissenspflicht erachtete,

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