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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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feierte die Gemeinde und Stadt die Einweihung des schönen, geräumigen Gottes-hauses, das auch äußerlich für die Stadt eine Zierde geworden ist. Der Turm,etwa 150 Fuß hoch, erhebt sich in vier verschieden gestalteten, durchbrochenenStockwerken bis zu dem Helm, der mit Schiefer gedeckt, ein mächtiges, eisernesKreuz auf der Spitze trägt. Das Geläute bestand zunächst aus 2 neuen Glockenim Gewicht von 7 und 12 Zentnern, zu denen als dritte 1885 die größte mit 24 Zentnerdank einer besonderen Stiftung von Witwe Gütz hinzukam, die mit den ersterenden Dreiklang a, fis und d bildet. Zum Guß der kleinsten Glocke (von GlockengießerRinker in Sinn bei Herborn) wurden die zwei alten Glocken sowie 600 Pfund altesgeschenktes Metall mit verwandt, worauf die Inschrift dieser Glocke hinweist:

Aus den Broicher Grafenglocken,

Aus des alten Deutschlands Münzen,

Aus Gerät von Mülheims Häusern,

Künd' ich nun in Eins gegossen,

Neuen Zeiten: alte Liebe,

Friede, Trost und Gottes Ehre!Der Pfarrhausbau, schon 1879 mit beschlossen, kam erst 1882—83 zur Aus-führung, nachdem 4 Jahre lang das alte frei gewordene Pfarrhaus der großen reformiertenGemeinde an der Delle neben der Kirche gemietet worden war. Für die Vollendung desKirchbaues war 1881 eine zweite Verloosung (50000 Loose ä 1 Mark) für dieRegierungsbezirke Düsseldorf und Arnsberg bewilligt worden, die den Reinertragvon 15000 Mk. ergab. Für den Rest der Kirchbauschuld und für den Pfarrhausbauwar 1883 und 84 eine Hauskollekte im Regierungsbezirk Düsseldorf genehmigtworden, die hauptsächlich von den beiden Pfarrern persönlich abgehalten wurde,und die noch gegen 9—10000 Mark lieferte. So kam nach langjährigen Mühen dasschöne Gotteshaus nebst Pastorat für die verhältnismäßig bescheidene Summe von150000 Mark zustande, und war die Gemeinde damit in den Stand gesetzt, mitebenbürtiger Kraft nunmehr in die Unionsverhandlungen mit der Schwestergemeindeeinzutreten. Im Herbst 1885 folgte Pfarrer Achilles einem Rufe an die Patronats-gemeinde Brunn bei Neu-Ruppin, und sollte die nun eintretende Vakanz der zweitenPfarrstelle die äußere Veranlassung zu der definitiven Vereinigung der beidenGemeinden werden, über welche schon oben das nähere berichtet worden ist.

V. Die vereinigten evangelischen Gemeinden.

Die Stadtgemeinde fand sich am schnellsten in die neuen Verhältnisse; diedrei sonntäglichen Gottesdienste fanden um 7 bezw. im Winter um 5 Uhr abendsund um 9 Uhr in der reformierten, um 10 Uhr in der lutherischen Kirche statt;die Bibelstunden wurden noch in den 4 Landschulen zu Eppinghoferbruch, Melling-hofen, Holthausen und Menden abwechselnd sonntäglich gehalten.

Um ihre finanzielle Lage zu heben, begann die Gemeinde mit dem Verkaufverschiedener Ländereien; denn durch die Abzweigungen hatte sie doch einschließlichdes Baues der drei Landkirchen ein Opfer von etwa 300000 Mark bringen müssen.Trotzdem bewilligte die Vertretung im Frühjahr 1889 die Anstellung eines Hülfs-predigers für Mellinghofen und Eppinghoferbruch, wo seitdem sonntäglich Gottesdienstein der Schule an der Nordstraße stattfinden. 1890 wurde die Hülfspredigerstelle ineine fünfte Pfarrstelle umgewandelt und dem im Sommer gewählten Kandidaten

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