abwechselnd in der lutherischen und reformierten Kirche, wobei die alten Sesselim früheren herrschaftlichen Stuhle benutzt wurden.
Über die folgenden Kriegszeiten bis zu den Freiheitskriegen ist nichts vonBedeutung in kirchlicher Beziehung in den Akten zu finden. Die Sieges- undFriedensfeste wurden dankbar im Gotteshause mitgefeiert; mit Freude trat dieHerrschaft Broich mit dem Herzogtum Berg 1814 unter das preußische Szepter.Namen und Denkmünzen der in den Freiheitskriegen mitkämpfenden und gefallenenMülheimer erinnern noch heute auf den alten Kriegertafeln an jene schwere unddoch so glorreiche Zeit gewaltiger Taten. Die Gemeinde war im 18. Jahrhundert nurlangsam gewachsen, indem sie 1650 etwa 200, 1750 etwa 400, 1820 beim Antrittdes Pfarrers Vogt etwa 800 Seelen zählte. De Groote's Nachfolger wurde
16. Karl LudwigVogt (1820—71), von demdamaligen Patron GeorgKarl, Landgraf von Hessen,1820 auf Vorschlag derGemeindevertreter ernannt.Zu seiner Abholung warenüber 1000 r. bergisch in derkleinen, aber opferwilligenGemeinde gesammelt wor-den. 3 Tage lang dauertedie Reise über Bochum undEssen. In Styrum empfingenihn seine Gemeinde unddie reformierten Kollegen,unter ihnen sein Studien-freund Schulz, der be- Die „Mausefalle"').
sonders auf Vogt vorher aufmerksam gemacht hatte; hoch zu Roß ritt der jugend-lich schöne Prediger mit wallenden Locken in Mülheim ein. Von 1842—48 warer Superintendent der Kreissynode Düsseldorf. Vorgebildet in Weilburg undGöttingen, war er ein tüchtiger, strebsamer und begabter Theologe, ein gewandterPrediger, ein echt preußischer Patriot. Der Union treu ergeben, hielt er stets Friedenmit der reformierten Schwestergemeinde. Sein Anfangsgehalt betrug in Zinsen,Renten, Kohlen und Zahlung für Naturalien zusammen 330 r. bergisch von derHerrschaft, außerdem noch Naturalleistungen von 6 Höfen, Kuhweide, ein Schuld-schwein jährlich und die fünfmalige Kirchenkollekte bei Abendmahlsfeiern.
1835 wurde mit Einführung der rheinisch-westfälischen Kirchenordnung undder preußischen Agende im Anschluß an die letztere zu Ostern der erste liturgischeGottesdienst unter großer Teilnahme gehalten; auch wurden zum erstenmalePresbyterium und Repräsentation gewählt. 1852 mußte die Zahl der Kirchenvertreterbei Zunahme der Gemeinde auf über 2000 Seelen entsprechend erhöht werden. Inden 50er Jahren zogen nämlich gegen 1000 junge lutherische Bergleute aus demMinden-Ravensbergischen in unsere Gemeinde, infolgedessen die Kräfte des alterndenPfarrers nicht mehr genügten. Es wurde daher eine Hülfspredigerstelle gegründet.
J ) Hier wurde die Landgräfin mit ihren Enkelinnen beim Kirchgange von den Geistlichenempfangen.
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