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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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Reihe von Schriftstücken, gräflichen Erlassen, Strafmandaten, Gemeindebeschwerden,Supplikationen des Pfarrers geben ein trauriges Bild ihrer Lage. Da Otto von Biele-feld die ältere Gräfin als die Rechtsnachfolgerin im Patronat ansieht, so entlädt sichder Zorn der jüngeren auf dem Schlosse Broich wohnhaften Gräfin auf den ver-'meintlich unbotmäßigen und „meyneydigen" Pastor.

Ein besonderer Kirchhof an der lutherischen Kirche in der Delle wurdegegen 1675 eingerichtet, da sich bei Beerdigungen auf dem reformierten KirchhofSchwierigkeiten ergeben hatten.

Das Pfarrgehalt setzte sich fast nur aus Naturallieferungen oder dem Erlösderselben seitens der Herrschaft Broich und verschiedener, der Herrschaft zu Natural-lieferungen, Zehnten und Renten verpflichteten Höfe und Landleute zusammen. Vonden letzteren werden genannt: Gert uff der Borg, Neres Jörgen zu Winkhausen,Sandhardt und Buschmann im Stift zu Essen, Sauerwinters Gut, Möllen-breckers Gut, Wyrich Heymann in Speidorf, Kerst Schultens Wittibe zuStyrum, Jan Poppe zu Speidorf, Jacob Holtzgräve Rötgers (wohnt im Vikarien-hause auf der Dimbeck). Die Rentei gab: 8 Malter Roggen, 8 Malter Gerste, 5 MalterHafer, 28 r., 1 Schuldschwein, 2 Kuhweiden, 8 Fuder Holz, statt eines zweitenSchuldschweines 3 r., Hühner 9 Stück, 1 Kuh frei zu weiden; aus den Weidegeldernvon Niederwörth 24 Gulden.

Auf Otto von Bielefeld folgte

9. Johann Eberhard Lehnemann (1701—1718), von der Gemeinde gewähltund der Patronin Gräfin Johanna Magdalena von Leiningen-Dagsburg, Witwe des1699 im frühen Alter von 37 Jahren verstorbenen Grafen Johann Karl August,bestätigt, obschon derselbe, wie es in der Bestallungsurkunde heißt, „zwar dem Unßzustehenden Juri patronatus zuwider und gar zu früh erwählt worden sei". Sie habezwar Ursache, die Wahl zu annullieren, doch wolle sie wegen der guten Zeugnisseüber Lehre und Leben und wegen der Einstimmigkeit der Wahl dieselbe für dies-mal bestätigen. Wir sehen, wie der nicht ganz klare Passus in der Stiftungsurkundevon 1658 schon bald Veranlassung zu Auseinandersetzungen zwischen Patron undGemeinde gab, die diesmal noch friedlich ausgeglichen wurde. Um der durchmancherlei Verluste schwer geschädigten lutherischen Gemeinde wieder in etwaaufzuhelfen — die Pastoratgefälle waren größtenteils durch die Reformierten entzogen,der langwierige Prozeß hat viel gekostet, die Gemeinde ist außerstande, den Pastoraus eigenen Mitteln zu erhalten — bewilligte die Gräfin während ihrer Vormundschaft4 Fuder Holz aus der Saarner und Speldorfer Mark, ferner vom Schultenhof inNienhausen 2 Scheffel Roggen, 6 Scheffel Gerste, den Rott- und Wildzehnten undein Dritteil des Pachtschweines, endlich bei Müllhoff in Menden und Hormann inHolthausen je Dreiviertel Roggen und Dreiviertel Gerste.

1707 empfiehlt auch die Gräfin eine Kollekte zum Besten der Gemeinde,da zwar das Kirchlein gebaut, doch die Gemeinde durch verschiedene Unglücksfälle(Verlust eines Hauptstücks ihrer Renten und Prozesskosten unter der reformiertenHerrschaft 1682—1702) ruiniert und noch mit Schulden behaftet war, so daß selbstdie nötigen Reparaturen bisher unterbleiben mußten. Wohltuend und erfreulichist im Gegensatz zu dem früheren unwürdigen Konflikte das freundliche Verhältniszwischen Herrschaft und Gemeinde, zwischen Patron und Pastor, wie es von nunan, abgesehen von einigen späteren Zwischenfällen, zum innern und äußern Segenund Wachstum der Gemeinde ungetrübt erhalten blieb. 1717 trat an Lehnemann's Stelle

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