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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
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duch die noch im Gebrauch befindlichen Abendmahlsgeräte, Kanne mit dem Pelikan,der seine Jungen mit dem Herzblute nährt, Kelch und Patene, sind eine Schenkung desPatrons und mit dem gräflich Broich'schen Wappen und den Initialen W. W. $ (WilhelmWirich) versehen. — Noch drei Pfarrbesetzungen fanden unter Wilhelm Wirich statt:

6. Johann von Suntheim (1665—71). In seiner Bestallungsurkunde heißtes u. a.: „Zum dritten soll Er sich aber auf der Cantzel alles ehrnehmens undLesterns enthalten, Keinen, welcher Religion Er auch seye, Verdammen, Vernichtigennoch Vergeringeren, — Sondern vielmehr das gebett vor Sie sprechen, Undt sonstenbei dem text bleiben, Undt waß zur straff und Stärkung frommer Gewissen dienlich,fleißig lehren und der Gemeine einbilden". Aus seiner Amtszeit findet sich eingräfliches Reskript vom 6. August 1670 betr. die Genehmigung zum Beginn desKirchbaues, nachdem schon über 12 Jahre kollektiert worden war. „Wilhelm Wyrichvon den Augspurgischen Confessions Verwanten der Herrlichkeit Bruch" wird darinum gnädigen Konsens zur Erbauung eines geistlichen Gebäudes im „Dorff Möllern"ersucht und erteilt denselben 1 ).

7. Johann Nicolaus Köhler (1671—79). Eine Urkunde vom 26. Juli 1673berichtet, daß die Gemeinde seit ungefähr 12 Jahren die Kollektensumme von 1240 r.für den Kirchbau nach und nach dem Grafen übergeben, wofür er 24 Malter hartesKorn jährlich aus der Rentmeisterei angewiesen. Als Pastor und Kirchenmeisterwegen allerlei Ungelegenheit bei der Zahlung um ein sicheres Unterpfand bitten,bewilligt ihnen der Graf statt des Kornes „unsern Sommerhof in unserm Dorf Mülheimgelegen als unser Allodial- und durchschlechtig Gut." Die Ablösung soll aber ihmund seinen Nachkommen jederzeit freistehen.

8. Als letzter und tatkräftigster Pfarrer des 17. Jahrhunderts folgte Ottovon Bielefeld (1679—1701) von Essen. Während dessen Amtsführung begannenlangdauernde, bedauerliche Schwierigkeiten zwischen Patron und Gemeinde, sowiedadurch auch zwischen der reformierten und lutherischen Gemeinde, wodurchdas gegenseitige Vertrauen und das kirchliche Leben auf lange schwer geschädigtwurde. Am 22. August 1682 war nach langer, segensreicher Regierung GrafWilhelm Wirich von Broich Dhaun von Falkenstein entschlafen. Da seineinziger Sohn Karl Alexander schon lange vorher (8. Oktober 1659) vondem eifersüchtigen Nachbarn des Grafen, Moritz von Styrum, heimtückischermordet worden war, entstand zwischen den beiden ältesten Grafentöchtern AnnaElisabeth (zuerst verheiratet mit einem Grafen v. Leiningen Heidesheim, dannmit einem Rheingrafen v. Kirn) und Charlotte Auguste, verheiratet mit GrafEmin Christian v. Leiningen-Dagsburg, ein längerer Rechtsstreit über die Herr-schaft Broich und das Patronat, wodurch die lutherische Gemeinde und ihr Pfarrerin die peinlichste und unleidlichste Mitleidenschaft gezogen wurden 2 ). Eine grosse

x ) Auch wird durch gräfliches Schreiben, Bürgel, 11. Oktober 1668 Bau und Errichtungeiner lutherischen Schule gestattet. Im August 1670 werden 5 Artikel betr. die lutherische Gemeindefestgestellt: Der lutherische Gottesdienst bleibt; auf andere Konfessionen darf nicht gescholtenwerden, und die Lutherischen dürfen ihre Kinder taufen und ihre Gemeindeglieder von jetzt an inihrer Gemeinde proklamieren, kopulieren und beerdigen lassen.

2 ) Über die Namen und Fata der Dhaunschen Töchter herrscht Verwirrung. Göbel II.316 Anm., auch pag. 319, hat die Namen anders. Vergl. daselbst die Quäkerei etc. zu Broich undMülheim. — Pfarrer Siebel, der mit Karoline Louise verheiratet gewesen sein soll, während Göbel316 ausdrücklich Charlotte Auguste zur Frau Pastorin macht, starb in Cleve 1698. Wenn KarolineLouise verwitwete Gräfin von Leiningen war, müßte also die Wittib Siebel den Grafen Leiningenin zweiter Ehe geheiratet, diesen Mann aber nach kurzer Ehe durch den Tod wieder verloren haben.Sehr wahrscheinlich ist dies nicht; jedenfalls bedarf die Genealogie etc. der Geschwister noch einererneuten Untersuchung.

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