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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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Alte lutherische Kirche. (1672-1879.)

wurde, schenkte Graf Wilhelm Wirich von Dhaun und Falkenstein, Herr zuBroich etc. laut Fundationsbrief vom 30. September 1658 denselben ein ihmzugehöriges Haus nebst Platz an der Delle in Mülheim 1 ), um hier Kirche undPfarrhaus zu errichten, überwies dem anzustellenden Pfarrer den Titel und die Rentenseines bisherigen Hofpredigers, trug zu den übrigen Kosten des außerdem aus

freiwilligen Beiträgen und Leistungen derGemeindeglieder und durch auswärtigeKollekten bestrittenenKirchenbaues reichlichbei, reservierte sich aber das jus patronatusund superioritatis, die Ernennung desPredigers und die Wahrnehmung desGottesdienstes und der übrigen pfarr-amtlichen Handlungen auf seinem SchlosseBroich. Auch bestimmte er, daß dasReligions - Exerzitium daselbst nach derAugsburgischen Konfession und derFalken-steinschen Kirchenordnung solle gehaltenwerden. Die Nachkommen und Erbenhaben seitdem noch mehreres zur Dotierungder Kirche und Pfarre beigetragen.

Schon unter dem 31. März 1658 wirddem Baumeister Joh. Springmann be-fohlen, die nötigen Steine zum Kirchbau aus der sog. Steinkuhle 1659 zu holen;einen Einspruch der Reformierten gegen den lutherischen Kirchbau, als ob er keinBedürfnis sei und die reformierte Gemeinde schädige, wird vom Grafen alsunberechtigt und grundlos zurückgewiesen. Der vorerwähnte Fundationsbriefvom 30. September 1658 wird noch im Original auf Pergament geschrieben ineiner Kapsel im Gemeinde-Archiv aufbewahrt.

Einen höchst interessanten Einblick in die damaligen kirchlichen Verhältnisse,in den Druck der Zeit und die Not der Gemeinde, wie auch in die große Opferwilligkeitder Glaubensgenossen von nah und fern gewähren die sieben noch gut erhaltenenKollektenbücher (in gepreßtem Leder und Goldschnitt in Quartform gebunden) ausder Anfangszeit der Gemeinde von 1657—92. Aus ihnen erfahren wir u. a., daßmit dem eigentlichen Kirchbau erst 1672 begonnen wurde, daß derselbe aber in denKriegsunruhen dieser Jahre (es war der erste Raubkrieg Ludwigs XIV. gegen Holland,der auch den Niederrhein in schwere Mitleidenschaft zog) nicht vollendet werdenkonnte, daß der Turm noch fehlte, Pfarr- und Schulhaus dem Verfall nahe waren, bis erstim Anfange des 18. Jahrhunderts die Baulichkeiten in dauerhaften Stand gesetzt wurden.Sämtliche Bücher sind durch ein eigenes längeres Anschreiben mit warmer Empfehlungdes Grafen Wilhelm Wirich versehen, worauf dann jedesmal als erste Gaben seineverschiedenen Schenkungen außer Platz, Haus und Garten: 300 r., ferner einejährliche Rente zum Hofpredigergehalt, Turmuhr, die viertel und ganze Stundenschlägt, die beiden Glocken etc. mit eigener Namensunterschrift verzeichnet stehen.

J ) Es war dies das bis September 1879 neben der alten Kirche stehende lutherische Pastorat,das mit derselben abgebrochen wurde; es war ursprünglich zu einem Armenhause bestimmt gewesen,soll aber, da sich keine Insassen fanden, eine Zeitlang leer stehend von den Grafen zu Broichgelegentlich ihrer Jagden zu einem Schankhause benutzt worden sein, bis es durch obige Urkunde1658 seinem ursprünglichen christlichen Zwecke, wenn auch in anderer Weise, zurückgegeben wurde.

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