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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
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vier Geistlichen in beiden Kirchen unter großer Teilnahme jahrelang gehalten wurden,und gab dazu eine Sammlung von Missionsliedern heraus. Schulz war ein begabter,hervorragender Prediger. Mit tiefer Wärme verband er lebendige, oft poetischeDarstellung und Ausführung biblischer Gedanken. Als bleibende Denkmäler seinerlangen, reichgesegneten Tätigkeit stehen seit 1850 das von ihm gegründeteevangelische Kranken- und Versorgungshaus in unserer Gemeinde. In den fünfzigerJahren bekleidete Schulz die Superintendenturwürde der Kreissynode Düsseldorfund legte nach 56jähriger, unermüdlicher Wirksamkeit sein Amt nieder. Nachkurzer, wohlverdienter Feierabendruhe starb er am 17. November 1880 an Entkräftungin dem ersten Pfarrhause, welches die Gemeinde ihm in dankbarer Anhänglichkeitbis zu seinem Lebensende gelassen hatte. Schulz hat infolge seiner fast zweiMenschenalter dauernden Wirksamkeit und seiner bedeutenden Gaben als Predigerund Seelsorger der Gemeinde in diesem Jahrhundert sein besonderes Geprägeaufgedrückt. Doch traten ihm in seinem reifen Alter noch weitere hervorragendegeistliche Kräfte zur Seite. An Stelle des 1842 gestorbenen Pfarrers Wolf wurdenämlich — die Gemeinde war 1840 auf 14000 Seelen in Stadt und Land angewachsen —zunächst als dritter Pfarrer:

28. Karl Keller (1842—1873) (geb. 1798 in Orsoy) gewählt. Im Unterschiedevon Schulz'feuriger Beredsamkeit und lebhaftem Naturell eignete Keller eine ruhige,klare, nüchterne Schriftforschung, sowie ein praktischer, verständiger Blick für alleLebensverhältnisse, besonders auch für das Schulwesen. Wie er in Erkrath eineneue Kirche gebaut, so errichtete er in Mülheim eine geräumige Kleinkinderschuleund förderte segensreiche Vereine: so den Gustav-Adolf-, Armen- und Gefängnisverein.1848—54 war er Superintendent der Düsseldorfer Kreissynode; auch wählte ihn dasVertrauen seiner Mitbürger in den 50 er Jahren zum Abgeordnetenhause, in demer der konservativen Partei beitrat. Besonders in den Jahren politischer Gährungund Kämpfe 1840—60 zeichnete er sich durch große Ruhe und Klarheit, sowie durchMilde und Gerechtigkeit in Versammlungen und Vereinen auf und unter der Kanzelaus. Er war wie Schulz ein Patriot von echtem Schrot und Korn; auch er wurdewie Schulz durch den roten Adlerorden von seinem König geehrt. Alles Phrasen-wesen, alles separatistische und sektiererische Wesen war ihm fremd und zuwider;er sah nicht auf die Form, nur auf das Wesen und den Kern. Die Selbständigkeitder Kirche war sein Ideal, aber der mit dem Staat organisch und freundlichverbundenen Kirche. Er starb am 10. Juli 1873, nachdem er 31 Jahre lang derGemeinde treu gedient. Bald nach seinem Amtsantritt trat als dritter Kollege anStelle des verstorbenen Pfarrers Engels im Jahre 1845 der Sohn des früherenPfarrers Wolf,

29. Hermann Wolf (1845—1876), hier geb. 1810. Er stand 31 Jahre mitLiebe und Milde in der Gemeinde'. Eine tiefe Erschütterung und bedeutsameUmgestaltung erfuhren die Gemeinde und das kirchliche Leben durch die Begründungeiner vierten Pfarrstelle, die nach langen Verhandlungen und Kämpfen — die einePartei wünschte statt derselben zwei geistliche Hülfskräfte für die Landbezirke —beschlossen und durch

30. Paul Wilh. Stursberg (1858—1881), geb. 1816 in Kaiserswerth, 1858besetzt wurde. Er gründete 1858 die kirchliche Wochenschrift der Sabbathklänge,ferner 1860 das stattliche Vereinshaus an der Friedrichstrasse. Hauptsächlich aufseine Veranlassung fand der würdige Umbau der grossen Kirche nach innen undaussen 1871—72 statt, bei welchem nur der alte Chor und der Turm stehen blieben.

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