Druckschrift 
Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
Seite
123
Einzelbild herunterladen
 

großartig angelegte Augenheilanstalt, eine Lesehalle, einen Spielplatz und ein Terrainnebst einem darauf zu erbauenden- Bismarckturm zugewendet haben; dazu kommtdie Schenkung der Herren Augustund JosephThyssen,deren Erträgnissezur Unterhaltung einer Badeanstaltund zum Betrieb'einer Haushaltungs-schule für schulentlassene Mädchenund von Kleinkinderschulen Verwen-dung finden sollen. Während diezuletzt erwähnten Einrichtungen nochder Ausführung harren, ist die Augen-heilanstalt inzwischen am 5. Juli 1907dem Betrieb übergeben worden; ihrein selten vollkommener Weise durch-geführten Einrichtungen haben inden Kreisen aller Sachverständigen Augenheiianstait.

uneingeschränkte Anerkennung gefunden. Auch die Lesehalle und der Spielplatz sindbereits einige Zeit in Benutzung genommen; ihre rege Inanspruchnahme zeigt, daß sieeinem Bedürfnis entsprechen. Sodann ist der Stadt ein Schenkungskapital der HerrenGustav und Leo Stinnes zugeflossen, dessen Erträgnisse zu Weihnachten jeden Jahresan unterstützungsbedürftige Personen verteilt werden sollen. Ferner ist außer diesemKapital und den vorerwähnten Einrichtungen, welche sämtlich nach näherer Maßgabeder Schenkungsurkunden in die Unterhaltung der Stadt übergehen, die segensreicheStiftung der Frau Hugo Stinnes zu nennen, durch welche auf einem am Biesenbachgelegenen Grundstücke ein Heim für solche Kinder, welchen durch schwereErkrankung oder den Tod von Vater und Mutter oder sonstige Verhältnisse vorüber-gehend oder dauernd die Häuslichkeit verloren gegangen ist, erbaut und gemäßden Satzungen der Stiftung, welche die juristische Persönlichkeit erhalten hat, inBetrieb genommen ist. Schließlich mögen aus der allerjüngsten Zeit die der Stadtgemachten Zuwendungen nicht unerwähnt bleiben, mit Hilfe deren die von der Stadt-verordnetenversammlungbeschlossene Einrichtung einer Milchküche zur Verminderungder Säuglingssterblichkeit erfolgen soll. Schon vorher waren durch mildtätige Gabendie Mittel zur Speisung armer Schulkinder im Winter zur Verfügung gestellt worden.

Die städt. Körperschaften haben mit um so größeren Danke diese bedeutenden,dem gemeinnützigen Bürgersinne entsprungenen Zuwendungen entgegen genommen,als, wie schon die obige Darstellung zeigte, auf fast allen Gebieten des städtischenLebens grosse mit erheblichen Opfern verknüpfte Bedürfnisse sich geltend machten.

Verfolgt man die Reihe der in den städtischen Haushaltsplänen aufgeführtenHauptabschnitte der Kommunalwirtschaft, aus welchen diese Bedürfnisse ersichtlichsind, so bleiben als bisher nicht berührte Gebiete diejenigen des städtischen Armen-und städtischen Polizeiwesens übrig. Während auf dem Gebiete des Armenwesensdank der günstigen Geschäftslage in den in Betracht kommenden Jahren eineSteigerung der Ausgaben nicht einzutreten brauchte, haben sich die Ausgaben derPolizei nicht unerheblich vermehrt. Dies hat seinen Grund vor allem in der not-wendigen Verstärkung des Personals an Exekutiv- und Kriminalbeamten; jedochkommen hierbei außerdem vermehrte Aufwendungen für Desinfektionen, Kranken-transportwagen, Lebensmitteluntersuchung und andere Gebiete der Sanitätspolizei,sowie auch für die Feuerwehr in Betracht.

123

16*