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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
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Erst von jetzt ab kam die 1847 ausgesprochene Trennung auch allmählich zupraktisch fühlbarerem Ausdruck.

Die von dem Bürgermeister Mentz bis 1903 verwaltete BürgermeistereiBroich, die 1878 8934 Seelen zählte, hat sich in den folgenden Jahren (ihre Einwohner-zahl stieg auf 20602 im Jahre 1902) günstig entwickelt. Insbesondere die GemeindeBroich hatte einen erheblichen Aufschwung genommen dank der in ihr immer kräftigerblühenden Industrie, hauptsächlich der Lederindustrie. 1885 wurde das neue Rathaus inBroich bezogen. Die rege Privatbautätigkeit nötigte die Gemeinde Broich 1887, dieGemeinde Speidorf 1888 und die infolge der 1862 erfolgten Verlegung der KöniglichenGewehrfabrik nach Erfurt zunächst etwas zurückgegangene Gemeinde Saarn 1895zur Aufstellung von Bebauungsplänen und ein geregeltes Bauen gewährleistenderOrtsstatute. 1887 wurde dem Bedürfnis nach einer Wasserleitung durch den Anschlußan die Mülheimer Wasserleitung genügt; auch Gas wurde zunächst aus der MülheimerGasanstalt bezogen. Im Jahre 1894 entschloß sich die Bürgermeisterei zum Baueiner eigenen Gasanstalt. 1887 gelang es, die allgemeine Lokal- und Straßenbahn-gesellschaft in Berlin zu veranlassen, ihr Schienennetz, das bis dahin nur die StädteRuhrort und Duisburg verband, bis nach Broich zu verlängern. Später wurde dieProvinzialstraße in Broich und Speidorf in ihrer ganzen Länge gepflastert. DieÜbernahme der Sozietätsschulen schuf die Möglichkeit, auch die Forensen, derenGrundbesitz im Bürgermeistereibezirk sehr erheblich war, zur Tragung der Schul-lasten mit heranzuziehen. Ferner trug die Entwicklung der staatlichen Eisenbahn-werkstätte und deren steigende Steuerleistung dazu bei, daß die Kommunalabgabenin mäßigen Grenzen gehalten werden konnten.

Die Entwicklung der Bürgermeisterei Styrum bietet nicht das gleichgünstige Bild. Bei der vornehmlich aus Fabrikarbeitern und Bergleuten bestehendenBevölkerung blieb für das Wohl und Wehe dieser Bürgermeisterei die jeweiligeKonjunktur in der Eisen- und Kohlenindustrie maßgebend. Deren dauernder Auf-schwung hatte zur Folge, daß die Einwohnerzahl der Bürgermeisterei, die 1878 14503und 1890 21679 Seelen zählte, 1897 bereits auf 30153 gestiegen war und in denfolgenden 5'Jahren einen weiteren Zuwachs von fast 10000 erhielt. Die zerstreuteBebauung der Bürgermeisterei und die durch die Mülheimer elektrische Straßenbahnnoch näher gerückte Nachbarschaft der beiden Städte Mülheim und Oberhausenwaren einer selbständigen Entwicklung nicht gerade förderlich. Mit der rapidenBevölkerungszunahme vermochte der Ausbau der Kommunaleinrichtungen nichtgleichen Schritt zu halten. Erst gegen Ende des Jahrhunderts trat man der Aufstellungvon Bebauungsplänen, der Herstellung geordneter Straßenzüge (für die bei derbisherigen Einteilung der Gemeinden in Sektionen erst Straßenbenennungen gefundenwerden mußten), dem Bau einer Gasanstalt, der Aufstellung von Entwässerungs-projekten und einer Verbesserung der im Argen liegenden Schulverhältnisse näher.Auch Bürgermeister Branscheid, der als Nachfolger Tschoepke's seit 1898 die ineinem prächtigen, aber schon bald unzulänglich gewordenen Rathausneubau unter-gebrachte Verwaltung führte, vermochte in den kurzen Jahren seiner Amtstätigkeitnicht völlig Wandel zu schaffen. Es waren noch unfertige Verhältnisse, unter welchenam 1. Januar 1904 die größte der drei Gemeinden, Styrum, mit Mülheim vereinigt,und die beiden andern Gemeinden Alstaden und Dümpten zu selbständigen Land-bürgermeistereien erhoben wurden.

Die dritte aus der Teilung hervorgegangene Bürgermeisterei, die Land-bürgermeisterei Mülheim a. d. Ruhr, erhielt mit dem Augenblick, als der

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