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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
Seite
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Zu bemerken ist, daß namentlich in der Zeit nach 1895 im Innern der Stadtin fast allen Straßen erhebliche Erweiterungen dadurch stattfanden, daß viele alteGebäude niedergelegt und die Ersatzbauten in die festgestellte Baufluchtliniezurückgezogen wurden. Auf diese Weise haben die Geschäftsstraßen im Innern derStadt, Bachstraße, Kohlenkamp, Kurzestraße, Leineweberstraße, Notweg, Löhberg,obere Delle u. a. an Ansehen erheblich gewonnen.

Die Unterhaltung der Straßen konnte gegen die früheren Jahre erheblichwirksamer betrieben werden, da es möglich war, entsprechend höhere Beträge inden Haushaltsplan einzusetzen. Hierbei mag noch erwähnt werden, daß die im Jahre1895 erfolgte Verlegung der Geleise für die elektrische Straßenbahn in den davondurchzogenen Straßen eine Umgestaltung des Querprofils erforderlich machte, unddaß im übrigen auch durch die fortgesetzt notwendigen Neuverlegungen von Gas-,Wasser- und elektrischen Leitungen etc. die Unterhaltung der Straßen einen weitgrößeren Umfang angenommen hat.

Die Entwässerung des städtischen Straßengeländes sowohl als der anschließendenPrivatgrundstücke geschah bis in die 90 er Jahre hinein derart, daß die Schmutz-undMeteorwässer oberirdisch durch die Straßenrinnen den die Stadt durchziehendenBächen, Stollen etc. zugeleitet wurden.

In den Jahren 1895—99 wurde durch den Stadtbaumeister Linnemann einProjekt zu einer umfassenden unterirdischen Entwässerungsanlage aufgestellt, welchesim Jahre 1902 die Genehmigung der Regierung mit der Maßgabe erhielt, daß dieAbwässer, ehe sie zur Ruhr abgeleitet würden, einer gründlichen mechanisch-biologischen Klärung zu unterziehen seien.

Nach diesem Projekt ist das ganze Gebiet der Altstadt nunmehr kanalisiert;die vorgeschriebene Kläranlage befindet sich seit Dezember 1903 in Betrieb. DerErfolg der Kanalisation zeigt sich besonders darin, daß seit der Einführung eineganz erhebliche Abnahme der Infektionskrankheiten, wie Thyphus, Ruhr etc.stattgefunden hat. Das ganze Kanalnetz der Altstadt besteht aus ca. 8400 lfdn. mgemauerten und ca. 30000 lfdn. m Rohrkanälen.

Die Bautätigkeit auf dem Gebiete des Hochbauwesens sowohl für privateals auch für öffentliche Zwecke hielt sich bis in die 90 er Jahre in mäßigen Grenzen,während dieselbe von da ab einen gewaltigen Aufschwung nahm. Beispielsweisewurden in dem Jahrzehnt von 1880—90 284 Wohn- und 33 Fabrikgebäude, 1890—1900962 Wohn- und 104 Fabrikgebäude errichtet. An städtischen Hochbauten kamenhauptsächlich neue Schulgebäude zur Ausführung. Dieser, sowie der weiter nocherrichteten Gebäude, wie Kaserne, Volksbrausebad, Gemeindegasthaus, Friedhofs-gebäude, Schlachthaus etc. ist an anderen Stellen Erwähnung getan.

Für die Verschönerung der Stadt wurde in früheren Jahren teils aus Interesse-losigkeit, teils auch wegen des Fehlens von Geldmitteln wenig getan. Zwar wurdebereits im Jahre 1856 der Erwerb des sogenannten Gänseplatzes an der Stelle derjetzigen Ruhranlagen zum Zwecke der Anlegung von Promenaden daselbst ins Augegefaßt. Aber erst am 16. Dezember 1874 wurde der Platz zum Kaufpreise von2004 Thlr. erworben und auf Veranlassung des Verschönerungsvereins, der sichinzwischen gebildet hatte, durch den Gartenarchitekten Rosorius zu einer wirkungsvollenAnlage umgewandelt. Im Jahre 1887 wurde dann das Kahlenberggelände angekauftund mit zweckmäßigen Wegeanlagen versehen. Der daselbst vorhandene Steinbruchwurde einplaniert, und auf der so gewonnenen Terrasse im Jahre 1889/1890 dasRestaurationsgebäude errichtet. Im Anschlüsse an die Kahlenberganlagen wurde im

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