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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
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Gasbeleuchtung durch 78 Gaslaternen. 1867 verursachten die vorhandenen 133 Gas-laternen über 1360 Thlr. Kosten. Als diese Kosten 1877 gar auf 9527 Mark gestiegenwaren, half man sich bedauerlicherweise mit Einschränkung der Beleuchtung durchVerkürzung der Brenndauer. Die im Jahre 1886 bei Übergang der Gasanstaltauf die Stadt vorhandenen 245 Laternen waren 1890 bis auf 322 vermehrt, und1903 betrug ihre Zahl 765 (davon 244 Nachtlaternen), für welche der Etat35200 Mark vorsah.

Der Feuerschutz lag bei Beginn unserer Periode ziemlich im Argen. ImJahre 1853 wurde das Mülheimer Feuerpolizeireglement erlassen; die beabsichtigteOrganisation einer freiwilligen Feuerwehr mißlang. Man half sich durch Bestellungeiner besoldeten Mannschaft von 32 Mann, die allerdings außer etwaigen Ver-gütungen bei Bränden nur je 2 Thlr. jährlich erhielten; diese Jahresbesoldungbrachten die in Mülheim vertretenen Versicherungsgesellschaften auf. 1865 wurdedann vom Turnverein die Turnerfeuerwehr ins Leben gerufen, 1866 bildete sich einefreiwillige Bürgerfeuerwehr. Beiden wurden von der Stadt die erforderlichen Aus-rüstungsstücke zur Verfügung gestellt; die der ersteren Wehr waren beim WirtHollenberg auf der Bach, die der anderen in den Eisenbahnbogen der RheinischenEisenbahngesellschaft untergebracht. Lange Jahre arbeiteten die beiden Wehren zu-sammen, ohne daß es gelang, die seit 1879 schwebenden Reorganisationsverhandlungenzum Abschluß zu bringen. Endlich im Jahre 1887 lösten sich die beiden Wehrenauf und bildeten fortan zusammen die städtische freiwillige Feuerwehr, die 1891einen neuen Steigerturm auf der städtischen Bleiche erhielt. Das schrecklicheBrandunglück im Hause Bachstraße 38 am 18. Juli 1899, bei dem 3 Menschenlebenzu Grunde gingen, führte zur Gründung der Feuerlöschkommission, auf derenAnregung eine größere Anzahl neuer Geräte, darunter auch ein Mannschaftswagen,beschafft, sowie die elektrische Feuermelde- und Alarmeinrichtung mit einemKostenaufwand von annähernd 11000 Mark hergestellt wurden.

Ist die Stadt glücklicherweise von umfangreicheren Feuersbrünsten in dieserPeriode verschont geblieben, so versetzte andererseits die sonst so friedliche Ruhrsie mehrfach in schwere Wassersnöte. Um auf Hochwasser in etwa sich vorbereitenzu können, ist ein telegraphischer Nachrichtendienst eingeführt. Das Bürgermeister-amt Herdecke übermittelt uns den dortigen Hochwasserstand, und die Erfahrung hatgelehrt, daß die Flutwelle in etwa 14 Stunden von Herdecke hierher gelangt, unddas Wasser dann hier um etwa' 90 cm höher steht als in Herdecke. Das schlimmsteHochwasser brachte der 25. November 1890 mit einer Pegelhöhe von 6,69 m; einderartiger Hochwasserstand war bei den vorhergehenden Überschwemmungen derJahre 1844, 1880 und 1888 auch nicht annähernd erreicht worden, nicht einmal beider bis dahin größten Katastrophe von 1808. Die Verheerungen und Verwüstungen,die das entfesselte Element in den niedriggelegenen Stadtteilen — Delle, Notweg,Froschenteich, Rathausmarkt standen unter Wasser und wurden mit Kähnenbefahren — anrichtete, waren denn auch bedeutend. Noch während des Hoch-wassers trat plötzlich Frost ein, der ununterbrochen 2 Monate in zeitweilig ganzungewöhnlicher Strenge anhielt. Als am 24. Januar 1891 dann ebenso plötzlich Tauwetterkam, trat — ein bislang gleichfalls noch nicht dagewesenes Ereignis — der Ruhmbachaus seinen Ufern und überschwemmte Dickswall, Bachstraße, Kohlenkamp undLöhberg vollständig, drang sogar bis zum Notweg vor.

Auf dem Gebiete der Fremdenpolizei verdient die Gründung der Natural-verpflegungsstation am 1. Oktober 1884 Erwähnung. Sie erwies sich als wirksames

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