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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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verwaltete Waisenhaus erhielt einen eigenen Vorstand und führte seit 1868 einenbesonderen Etat, der 1874 an Zuschüssen aus der Kommunalkasse die Summe von12528,20 Mk. verlangte. Ende August 1875 wurde es aufgehoben. Der Umstand,daß an den allgemeinen Ziehtagen regelmäßig verschiedene Familien obdachloswaren, regte bereits in den 80 er Jahren die Erbauung eines städtischen Armen-hauses an, bis endlich am 1. Mai 1897 das auf dem früheren Kolkman'schen Gutemit einem Gesamtaufwande von 120091,— Mk. errichtete Gemeindegasthauseröffnet wurde.

Die Armenausgaben haben sich in dem halben Jahrhundert fast verachtfacht,während die Bevölkerung in demselben Zeitraum sich nicht einmal vervierfacht hat.Um einige Daten zu nennen, hatten 1859 die Armenausgaben (ohne Waisenhauskosten)6985 Thaler 16 Sgr. 2 Pfg., 1860 8412 Thaler 20 Sgr. 10 Pfg. betragen. Als nun 1861gar der Betrag von 9726 Thaler 13 Sgr. 1 Pfg. erreicht wurde, wies der Bürgermeisteröffentlich darauf hin, daßdasArmenbudget in derbedenklichsten Weise gewachsen sei,ohnedaß der Notstand in gleichem Verhältnis zugenommen habe, und daß Geben und NehmenSache der Gewohnheit werden könne. Gleichzeitig verpflichtete er Armenkommissareund Bezirksvorsteher, nur nach gründlicher Untersuchung und persönlicher Überzeugungvon der vorhandenen Not Unterstützungen zu beantragen, und nahm die Leitung derArmenverwaltung — Hammacher war gestorben — persönlich in die Hand. DieFolge war, daß sich die Armenausgaben sofort 1862 auf 9087 Thaler 2 Sgr. 4 Pfg.verminderten und bis 1865 kaum stiegen. Eine erhebliche Steigung brachte dasUnglücksjahr 1866 mit 11833 Thalern 11 Sgr. 11 Pfg. Armenausgaben (immer ohneWaisenhauskosten), eine Summe, die während der nächsten 10 Jahre niemals wieder,selbst 1870/71 nicht, erreicht wurde. Der wirtschaftliche Aufschwung Anfang der70er Jahre machte sich auch im städtischen Armenetat bemerkbar; erst nach derEingemeindung von Eppinghofen und Mellinghofen überschritten die Gesamtausgabenfür Armenzwecke, die 1871 45032 Mk. 38 Pfg. betragen hatten, die Summe von50000 Mk. Dann stiegen allerdings 1880 die Armenkosten über 60000, 1883 über70000 und 1885 über 80000 Mk. Während der Jahre 1892—96 mußten je über100000 Mk. jährlich für Armenzwecke verausgabt werden, 1899 gingen die Armenkostendann allerdings wieder unter diese Summe zurück. In den ersten Jahren des neuenJahrhunderts stiegen sie dagegen wieder rapide auf 112280,33 Mk. und schließlichgar auf 144128,66 Mk. Nach dem Durchschnitt der letzten Jahrzehnte vor 1903fielen auf den Kopf der Bevölkerung jährlich 2,68 Mk. Armenkosten zur Last derStadtkasse. Weit über den Durchschnitt kamen die Jahre 1885, 1886, 1891,1892, 1893;am stärksten war die Armenpflege in Anspruch genommen 1892 mit 3,42 Mk. aufden Kopf der Bevölkerung. Im Jahre 1902 wurden dauernd unterstützt 214 Personenbezw. Familien, und vorübergehend 934 Personen; 95 Waisen bezw. Pflegekinderwaren teilweise im hiesigen katholischen Waisenhause und dem G. und A. Schmits'schenWaisenstift untergebracht; 587 Personen wurden auf Kosten der städtischen Armenkasseim hiesigen evangelischen und katholischen Krankenhaus, im evangelischen undkatholischen Versorgungshaus, im evangelischen Kinderheim und in sonstigen Anstaltenverpflegt; im Gemeindegasthaus waren im Ganzen 65 Personen untergebracht mit13613 Pflegetagen.

Die behördliche Armenpflege finden wir allzeit tätig unterstützt durch dieprivate Wohltätigkeit. Werktätige Menschenliebe, reger Bürgersinn und opferfreudigeWohltätigkeit wird Mülheims Bürgern nicht umsonst nachgerühmt. Davon gebenZeugnis die mannigfachen in Verwaltung der Stadt befindlichen Stiftungen aus der

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