militärische Einquartierung; eine Bürgerwehr wurde organisiert und militärischbewaffnet. Die Tätigkeit der Stadtverordneten wurde in der nächsten Zeit, abgesehenvon der Bereitstellung außergewöhnlicher Mittel für Wegebauten zwecks Beseitigungdes durch die Arbeitslosigkeit herbeigeführten Notstandes, hauptsächlich ausgefülltdurch Beschlußfassung über Adressen und Proteste an den König, die Parlamente undMinister, über Entsendung von Delegierten und ähnliche politische Angelegenheiten;unerschütterlich wurde stets die Fahne der konstitutionellen Monarchie hochgehalten.So beschloß man in der Sitzung vom 29. März, zur Frankfurter Volksversammlungzwei Delegierte mit dem Auftrage zu entsenden, Jür das Prinzip der konstitutionellenMonarchie und der Bekämpfung aller republikanischen und kommunistischenTendenzen zu wirken. Diese Sitzung mußte infolge tumultuarischer Auftritte aufdem Marktplatz aufgehoben werden. Im Jahre 1849, nachdem Friedrich Wilhelm IV.die ihm von der Nationalversammlung zu Frankfurt a. M. angetragene Kaiserkroneabgelehnt hatte, fand in Köln eine Zusammenkunft sämtlicher Gemeindevertretungender Rheinprovinz statt, die sehr aufgeregt verlief und extreme Maßnahmen gegendie Staatsregierung beschloß. Die Mülheimer Delegierten suchten vergeblich durchmotivierte Anträge die Verhandlungen in gemäßigte Bahnen zu leiten und lehntenauch die Vollziehung der Beschlüsse ab. Dieselbe patriotische Gesinnung sehen wirmehrfach in der Folgezeit die städtischen Behörden betätigen. Im Januar 1863beschlossen die Stadtverordneten, veranlaßt durch die 50 jährige Gedenkfeier derErhebung des deutschen Volkes zur Befreiung des Vaterlandes im Jahre 1813, jedemder in der Stadt Mülheim lebenden bedürftigen alten Krieger aus jener Zeit einejährliche Unterstützung von 10 Talern zu gewähren; es waren 14 solche Kriegervorhanden, die in den Genuss der Ehrengabe gelangten.
Von ihrer unerschütterlichen Königstreue Zeugnis abzulegen gaben die großenEreignisse der Jahre 1866 und 1870/71 der Mülheimer Bürgerschaft reichlich Gelegenheit.Die Mobilmachung des Jahres 1866 rief aus unserer Stadt 374 Mannschaften derReserve und Landwehr I. Aufgebots zur Fahne, von denen fünf den Heldentod auf demSchlachtfelde fanden. Die Ungunst dieses Jahres, das außer einem zweimonatlichenSchifferstreik, dem Brand der Schmachtenberg'schen Tuchfabrik, der Liquidation derLuisenthaler Aktiengesellschaft noch Pocken und Cholera brachte, konnte es nichthindern, daß eine rege freiwillige Liebestätigkeit ganz außerordentliche Aufwendungenfür die Kriegsteilnehmer und ihre Angehörigen zur Verfügung stellte. Als 1870 dasgesamte deutsche Vaterland sich einmütig erhob, um die französischen Übergriffegebührend zurückzuweisen, folgten aus Mülheim rund 700 Reservisten nnd Landwehr-leute freudig dem Rufe ihres Königs. Magistrat und Stadtverordnete sandten eineAdresse an den König, in der sie ihm für die Festigkeit dankten, mit der er diedemütigenden Zumutungen Frankreichs zurückgewiesen, und die treueste Hingebungversicherten. Diese Versicherung wurde in vollem Maße erfüllt. Die Stadtverordnetenbeschlossen,
den zur Fahne eingezogenen Kommunalbeamten und Lehrern das Gehaltfortzuzahlen,
die an die Familien der eingezogenen Landwehrleute und Reservisten zuzahlende Kreisunterstützung in Notfällen bis zu 50% aus städtischenMitteln zu erhöhen,
in zur Verfügung gestellten Fabrikräumen ein Lazarett für schwer Verwundetemit 50 Betten auf Kosten der Stadt einzurichten und zu unterhalten,
das Schulgeld der die städtischen Elementarschulen besuchenden Kinder
92