Mülheim a. d. Ruhr sowie die Stadt Oberhausen, die am 1. April 1901, nachdem auch sieeine Einwohnerzahl von über 40000 erreicht hatte, aus dem Kreisverbande ausschied.
Die am 1. Juli 1888 erfolgte Einführung der neuen Verwaltungsgesetzgebungänderte auch die Vertretung Mülheims auf dem Kreistag und im Provinzial-Landtag.Bisher wählte die Stadt nur 2 Vertreter zum Kreistag, nach Einführung der neuenKreisordnung 10 Kreistagsabgeordnete. In den Provinzial-Landtag konnte Mülheimnach der alten Stände-Verfassung im Verein mit 17 anderen niederrheinischen Städtennur einen Vertreter entsenden. Nach der neuen Provinzialordnung ist der KreisMülheim a. d. Ruhr auf dem Provinzial-Landtag durch 3 Abgeordnete vertreten.
Das in der Verwaltung beschäftigte Bureaupersonal ist in dem halben Jahrhundertganz erheblich gewachsen. Mitte des Jahrhunderts arbeitete der Bürgermeister,abgesehen von dem Kassenrendanten, mit einem Verwaltungssekretär, der noch dazudie Stelle eines Handelskammersekretärs gleichzeitig versah; seit 1853 trat einzweiter Bureaugehülfe hinzu. 1903 waren, abgesehen von den technischen undpolizeilichen Beamten und den Angestellten der städtischen Betriebe, vorhanden:1 Stadtsekretär, 15 Verwaltungssekretäre, 5 Bureauassistenten, 5 Kanzleigehülfen,1 Stadtrentmeister mit 3 Kassenassistenten, 1 Kassengehülfe und 3 Vollziehungs-beamten, 1 besonderer Standesbeamter sowie 2 Rathausdiener und 3 Boten. DieVerwaltung war 1903 gegliedert in die Abteilungen I (Verwaltungssachen), Ia (Armen-,Steuer- und Meldesachen), II (Polizeisachen), IIa (Kollegialischer Gemeindevorstand— Wirtschaftssachen), IIb (Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung), III (Bau-sachen), III a (Kollegialischer Gemeindevorstand — gewerbliche Anlagen); dazu tratals Abteilung IV die Verwaltung des Gas- und Wasserwerks, als Abteilung V die derStraßenbahn. Von dem Rathause benutzt die städtische Verwaltung seit 1847 nurnoch die unteren Räume rechts des Eingangs, während links die Geschäftsräumeder Landbürgermeisterei untergebracht wurden und oben der Bürgermeister derLandbürgermeisterei, Weuste, wohnte. Diese gemeinschaftliche Benutzung des Rat-hauses hörte erst am 1. Juli 1877 auf; seitdem verblieb es der Stadt, erwies sichaber recht bald schon als unzulänglich. Mehrere bauliche Veränderungen vermochtendem durch die Vermehrung des Buieaupersonals sehr fühlbar werdenden Raum-mangel nicht abzuhelfen. 1898 wurde das vom Fiskus zum Preise von 91500 Mk.erworbene alte Postgebäude, nachdem es im Innern vollständig umgebaut worden,in Benutzung genommen; im Vordergebäude wurden Stadtbauami, Stadtkasse undSparkasse, im Hintergebäude Meldeamt, Steuerbureau und Armenverwaltung unter-gebracht. Dem anfänglich mit in die alte Post verlegten Standesamt wurde schon baldeine neue Unterkunft in dem alten Schulgebäude in der Jackenstraße geschaffen.
Die mannigfachen und so überaus bedeutungsvollen politischen Ereignisse,die in diesen Zeitabschnitt der Stadtgeschichte fallen, gingen auch an Mülheim nichtspurlos vorüber. Zu Beginn unserer Periode kamen die bekannten politischenEreignisse im März 1848; die revolutionäre Bewegung schlug auch nach Mülheimihre Wellen, konnte sich aber bei der königstreuen Gesinnung der Bürger nichtdurchsetzen. Am 23. März sahen sich Magistrat und Stadtverordnete veranlaßt,zur Beruhigung der Bevölkerung eine Proklamation zu erlassen, insbesondere denSchiffern nicht nur die mit den Kohlenhändlern vereinbarten höheren Löhnezuzusichern, sondern auch noch weitere Lohnsteigerungen in Aussicht zu stellen.Gleichzeitig beschlossen die Stadtverordneten sich „zur Beratung über die in derjetzigen hochwichtigen Zeit zu treffenden Maßnahmen" täglich zu außerordentlichenSitzungen einzufinden. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung erhielt die Stadt
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