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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
Seite
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3. Karl Obertüschen (1857—1873).

Ein Kind unserer Stadt, übernahm Obertüschen als 29 jähriger Gerichtsassessordie Leitung der Verwaltung von Mülheim, das sich unter ihm während dieser fürdie politische Geschichte unseres Vaterlandes so überaus bedeutsamen Zeit inruhiger steter Weise entwickelte bis zu seinem Anfang Mai 1873 erfolgendenplötzlichen Tode.

Es folgten in der jetzt bureaukratischen Verwaltung die Bürgermeister:1. Heinrich Bang (1873—1878).

Bang war am 9. April 1838 zu Schlüchtern in Hessen geboren, 1866 Garnison-auditeur in Hofgeismar und nach der Annektierung Kurhessens dem Komandantur-gericht in Wesel zugewiesen, in welcher Stadt er im Juni 1870 die Bürgermeister-stelle übernahm. Zum Bürgermeister von Mülheim gewählt, wirkte er anfangs imbesten Einvernehmen mit der Bürgerschaft und den Stadtverordneten. Späterentstanden tiefgreifende Differenzen, die Bang veranlaßten, am 15. November 1878gegen eine Entschädigung von 10000 Mark sein Amt niederzulegen; er ließ sichals Rechtsanwalt in Ruhrort nieder.

2. Karl von Bock und Polach (1879—1902).

Am 28. Oktober 1840 zu Mainz geboren, hatte er sich zunächst dem mili-tärischen Berufe gewidmet, trat 1859 als Offizier in die Armee ein und machte dieFeldzüge von 1864 und 66 mit. Nachdem er 1868 seinen Abschied genommenhatte, wandte er sich der Verwaltung zu und wurde 1869 von der Regierung mitder kommissarischen Verwaltung der Bürgermeisterstelle in Laasphe im KreiseWittgenstein betraut. Nachdem er am Feldzug 1870 und 1871 als Landwehr-kompagnieführer teilgenommen, wurde er nach kurzer Beschäftigung als Volontairbei der Regierung in Arnsberg im August 1871 zum Amtmann des Amtes Langerfeld(Kreis Hagen) ernannt und Februar 1877 Amtmann in Herne. Auf den ver-schiedensten Gebieten des kommunalen Lebens hat während seiner fast 23 jährigenAmtsführung sein tätiger Einfluß sich fördernd geltend gemacht. Erwähnt seien:die Verbesserung der Straßen und Verschönerung der Stadt, der Bau des Wasser-werkes, die Übernahme des Gaswerkes, der Bau der Straßenbahn, die Förderungder Straßenverhältnisse, die Garnisonierung eines Infanterieregiments, der Bau einesneuen Gerichts- und Gefängnisgebäudes. Durch Kabinettsordre vom 7. Januar 1895erhielt er den Titel Oberbürgermeister. Am 29. Januar 1902 verschied er nachschwerem Leiden.

Als Beigeordnete sahen wir unter der Herrschaft der Gemeindeordnung von1850 Heinrich Brink, ihm folgte unter der Herrschaft der rheinischen Städteordnung1857 Christian Coupienne. Nach Einführung der bureaukratischen Verwaltung anStelle des Magistrats wurden dem Bürgermeister zwei unbesoldete Beigeordnetebeigegeben. Als solche fungierten Rechtsanwalt Westermann und Heinrich Erdmann.1878 trat an des ersteren Stelle Hüttendirektor Joseph Zerwes, 1880 an StelleErdmanns der Rentner Adolf Fellinger. 1888 war infolge der Einführung der neuenVerwaltungsgesetzgebung die Anstellung von zwei weiteren unbesoldeten Beige-ordneten nötig geworden. Als dritter und vierter Beigeordneter wurden HeinrichErdmann und Wilhelm Zeppenfeld bestellt. Nach dem Tode Erdmanns 1890 rückteZeppenfeld in seine Stelle ein und wurde als vierter Beigeordneter Max Itzenplitzgewählt. Itzenplitz wurde 1894 nach dem Ausscheiden Zeppenfelds dritter Beige-ordneter und Zeppenfelds Stelle erhielt der neu erwählte vierte BeigeordneteHermann Helmich. Nach des zweiten Beigeordneten Fellinger's Tode 1899 wurde

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