der Stadtverordnetenvorlagen gerade so gut in die im Voraus zu bildenden städtischenKommissionen verlegt werden könne, und es unbestreitbare Vorteile biete, wennder Bürgermeister als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung in dieser seineAnträge selbst begründen und vertreten, sowie seine Stimme für dieselben in dieWagschale werfen könne. So trat in Mülheim 1873 die noch heute bestehendeForm der Organisation der städtischen Behörde ein: fortan steht an der Spitze derVerwaltung unserer Stadt, wie in fast allen rheinischen Städten, der Bürgermeister,nicht mehr ein kollegialischer Magistrat.
Verfolgen wir noch einmal den Wechsel in den grundlegenden Gemeinde-verfassungsgesetzen in Mülheim: Die Herbst 1847 durchgeführte Verfassung nachder revidierten Städteordnung von 1831 (Magistrat und Stadtverordnetenversammlung)wurde verdrängt durch die am 8. Januar 1851 durchgeführte Organisation nach derGemeindeordnung von 1850 (Gemeindevorstand und Gemeinderat), um ihrerseits1856 zu weichen der Verfassung nach der rheinischen Städteordnung vom 15. Mai1856 mit der durch Titel VIII daselbst vorgesehenen Modifikation (Magistrat undStadtverordnetenversammlung). Bei der ersten Änderung, der von 1851, wechselten diebeiden städtischen Kollegien nur ihren Namen (Magistrat wurde Gemeindevorstand,Stadtverordnetenversammlung wurde Gemeinderat), bei der zweiten wurde der alteZustand wieder hergestellt. Trotz mehrfachen Wechsels der Grundgesetze bliebalso in Wirklichkeit eine Stabilität des Organismus, und die Gleichförmigkeit desEntwicklungsganges im Gemeindeleben Mülheim's war durch den Gesetzwechselnicht gestört. Wesentlicher als diese Abänderungen war die 1873 beschlosseneEinführung der von der rheinischen Städteordnung als Regelfall gedachten bureau-kratischen Verfassung an Stelle der bis dahin herrschenden Magistratsverwaltung.
Bürgermeister waren in der Zeit der Magistratsverfassung:
1. Fritsch (1847—51.).
Er schied am 1. Februar 1851 infolge seiner Ernennung zum Regierungsassessorbei der Kgl. Regierung in Arnsberg aus.
2. Wilhelm Oechelhäuser (1852—1856),
Geboren am 26. August 1820 in Siegen, kaufmännisch und volkswirtschaftlichgebildet, besuchte er nach ausgedehnten Reisen 1844/45 in staatlichem AuftrageEngland und Frankreich zum Studium der Papier- und Maschinenfabrikation, wardann als Ministerialbeamter in das Reichshandelsministerium in Frankfurt am Maingetreten und 1851 Mitglied der zollvereinsländischen Berichterstattungskommissionzur Industrieausstellung in London. Seine kurze Amtszeit zeichnet sich durch einebedeutsame allseitige Belebung des geistigen und wirtschaftlichen Lebens unsererStadt aus; abgesehen von den energischen weitsichtigen Bemühungen zur Ver-besserung der Verkehrsverhältnisse seien angeführt: Der Versuch zur Reorganisationdes Elementarschulwesens, der Ausbau der im Jahre 1851 als Gemeindeinstitutübernommenen 3klassigen Rektoratschule zu einer 6 klassigen höheren Bürgerschule,Organisation der höheren Mädchenschule und der Handwerkerfortbildungschule,Inangriffnahme einer Revision des Bebauungsplanes, Einführung der Gasbeleuchtung.Am 6. November 1856 schied Oechelhäuser aus seinem Amte, um die Stelle desVerwaltungsdirektors der Dessauer Kontinental-Gasgesellschaft zu übernehmen.Geh. Kommerzienrat, eine Zeit lang Mitglied des Reichstages, in Anerkennungseiner hervorragenden Verdienste um die deutsche Shakespeare-Forschung von derUniversität Erlangen zum Ehrendoktor ernannt, verschied dieser bedeutende Mannam 25. September 1902 auf seiner Besitzung in Niederwalluf am Rhein.
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