ihrem Loos gehörigen schweren Arbeiten in und auf den Kohlgruben, auf dem Rheineund der Ruhr — durch Kohlenschieben —, auf den Zimmerhallen, in Steinbrüchen,durch die schweren Holztransporte zu den Schiffbauten pp. mehr als irgendwo dengrössten Gefahren preisgegeben und dabei im allgemeinen arm und um so ärmer ist, alses hier Sitte ist, daß jeder, der nur eben sein Brot verdient, auch Weib und Kinderernähren zu können glaubt und dadurch Armut auf Armut häuft, so ist für diese hiersehr bedeutende Volksklasse die unentgeltliche ärztliche und wundärztliche Bedienungdurchaus erforderlich, indem im Augenblick des Erkrankens einer solchen Familiezugleich der Verdienst aufhört, gleich der Armenpflege anheimfallt und ohnmöglich dieärztliche Hülfe haben, wenn ihnen solche nicht unentgeltlich angedeihen würde."
Der Vorschlag des Gemeinderates fand die Billigung der Regierung; fürärztliche Bedienung der Armen wurde dem Dr. Cremer 1818 — 100 Tlr., 1819 —120 Tlr. gezahlt; im letzteren Jahre erhielt daneben Wundarzt Dubois 80 Tlr.
Im Jahre 1822 war die Organisation der bürgerlichen Armenverwaltung beendigtzur Wahrnehmung der Geschäfte bestand eine Kommission, die sich aus demBürgermeister, den Pfarrgeistlichen und 4 Bürgern zusammensetzte; für die Kassen-geschäfte war ein besonderer Rendant bestellt.
Sehr im argen lagen die Straßen- und Wegeverhältnisse. An Straßenmit städtischer geschlossener Bebauung waren zu Anfang des vorigen Jahrhundertsnur die folgenden vorhanden: Münsterstraße (jetzt Froschenteich und Notweg)Eppinghoferstraße (jetzt Charlottenstraße), Kommunikationsstraße (jetzt Schollenstraßeund Wallstraße), Ruhrsteegstraße (jetzt Kettenbrückstraße), Ruhrstraße, Delle, Teiner-straße, Löhberg, Kohlenkamp, Mühlenstraße (jetzt Bachstraße), Gewaltsbachstraße(jetzt Dickswall), Kettwigerstraße, Werdenerstraße (jetzt Hagdorn und Lohscheid),Marktstraße (jetzt Althofstraße). Der städtische Anbau erstreckte sich in nordsüdlicherRichtung von der jetzigen Karlstraße bis zur Gabelung des Scharpenbergs und derDohne und in west-östlicher Richtung von der Ruhrstraße bis zur Einmündung derAlthofstraße in den Dickswall. Die Unterhaltungsarbeiten wurden durch die zuHand- und Spanndiensten verpflichteten Bürger ausgeführt. Bei der Etatsberatungfür 1819 beschloß der Bürgermeistereirat, für die Unterhaltung der Wege 200 Tlr.vorzusehen, und motivierte dies folgendermaßen: „Es wäre fernerhin unmöglichund habe es die Erfahrung bei den Wegearbeiten im letzten Sommer bewährt, daßnicht alle Arbeiten an den Polizei- und Kommunikationswegen durch gewöhnlichesAufgebot ausgeführt werden könnten, und dabei durchaus die Aufsicht eines mitdiesen Geschäften kundigen Mannes nötig sei, der nach technischen Kenntnissen dieArt der Arbeiten angeben, Pläne fertigen, die nötigen Vermessungen vornehmenkönnte, und eine solche Hülfe wäre unentgeltlich nicht zu verlangen." Der Beschluß fandnicht die Genehmigung der Regierung; erst 1824 gestattete diese die Anstellung einesWegewärters für die Bürgermeisterei Mülheim gegen ein jährliches Gehalt von 80 Talern.
Sodann ist aus dieser Zeit die Erweiterung des sog^ Alten Marktes zuerwähnen, die in das Jahr 1816 fällt. Die Stadt besaß damals an freien Plätzen nurdiesen und zwar in einer Größe von ca. 10 Quadratruten, die den gesteigertenBedürfnissen des Wochenmarktverkehrs keineswegs genügte, wie denn auch keinPlatz vorhanden war für die „Aufstellung durchziehender Kriegstruppen". Nacheinem mit der katholischen Kirchengemeinde abgeschlossenen Vertrage verpflichtetesich diese, gegen eine jährliche Pacht von 50 Rtlr. aus dem Pfarrgrundstücke eineFläche anschließend an den Kirchplatz der reformierten Kirche der Stadt zur Verfügung
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