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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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Der hiesige Einwohner vergißt seine Abstammung von den Germanen nichtund liebt der alten Sitte seiner Ahnen treu allerdings sein Gläschen, allein nichtmehr und nicht weniger als seine Nachbarn. Das weibliche Geschlecht putzt sichgern, wie anderswo auch; es giebt Spieler, aber anderswo auch. Kurz! ich sehe hieralle Leidenschaften wie an anderen Orten und daraus schließe ich, daß die Einwohnerkeinen hervorstechenden, dem hiesigen Amte eigentümlichen moralischen Hang haben."

Den Hauptnahrungszweig der Bevölkerung bildete die Schiffahrt und Fischerei;der Wasserstand der Ruhr stellte den untrüglichen Anzeiger der Finanzen desgemeinen Mannes dar. Der Kohlenbergbau hatte nur sehr geringe Bedeutung, da dieleichter zu gewinnenden Vorräte erschöpft waren; man begann mit der Anlegungvon Dampfmaschinen, durch die man das der Förderung hinderliche Grundwasserzu beseitigen und den Bergbau wieder in Flor zu bringen hoffte.Die Zeit wirdüber den Erfolg entscheiden", bemerkt skeptisch hierzu Maire Voerster. Dieweitaus bedeutendste Fabrik der Stadt war die BaumwollspinnereiLouisental" vonJ. C. Troost & Comp. Sie verarbeitete ihre Gespinste zum Teil selbst, betrieb eineDruckerei und eine Weberei und beschäftigte 300 Personen. Außer ihr und einerTuchscheerenfabrik der Gebr. Vogt gab es vor allem Korn-, Papier-, Öl-, Schnupf-tabaks-, Farbstoff-, Gerst- und Grützmühlen. Der Ackerbau ernährte seinen Mann;doch klagte man besonders auf der linken Ruhrseite über den Mangel an geeignetemAckerland. Die Grundbesitzer in Saarn und Speidorf hätten gerne ihre Waldungenin Äcker umgewandelt, doch stand dem der Umstand entgegen, daß die meistenWaldungen in der Wildbahn lagen und zur Ätzung des Wildes bestehen bleibenmußten. Immerhin war der größte Teil der Grundfläche Ackerland, wie sich bei derfür die Grundsteuerveranlagung im Jahre 1808 vorgenommenen speziellen Aufnahmeergab. Diese Aufnahme erfolgte an der Hand von Vermessungen und nach Angabender Eigentümer, denen im Falle einer Verschweigung von Grundbesitz die Konfiskationdes verschwiegenen angedroht war; sie ermittelte nach Mülheimer Morgen (zu46,58 ar) folgende Flächen:

Häuser, Höfe, Gärten und Baumgärten . . . 700 Morgen

Ackerland ................ 9363

Wiesen ................. 735

Weiden ................. 256

Hochwald ................ 1105

Schlagholz ................ 2316

Bruch .................. 6

Heide .................. 733

Nicht kultivierbar.......... . . 1428

Zusammen 16742 MorgenDer mittlere Ertrag eines Morgens Ackerland wurde zu 10 Rtlr. angenommen.Hier seien noch einige weitere statistische Notizen aus dem Jahre 1809 angeführt;sie beziehen sich auf die ganze Munizipalität (also das ganze Gebiet der ehemaligenHerrschaft Broich oder des heutigen Stadt- und Landkreises). Die Zahl der Feuerstellenbetrug 2164; die Zahl der männlichen Einwohner 6107, die der weiblichen 5996,zusammen 12103 Einwohner. Darunter befanden sich Kinder unter 12 Jahren:männlichen Geschlechts 1907, weiblichen Geschlechts 1853, zusammen 3760. Vonden 12103 Einwohnern waren Reformierte 9073, Katholiken 1941, Lutheraner 903,Juden 185, Sektirer 1. An Armen waren 805 Köpfe vorhanden. An staatlichen

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