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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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abhängig und werden wohl gar niedrig behandelt. Viele Kinder laufen aus einerSchule in die andere, wenn die Lehrer es auf irgend eine Art nicht nach ihremSinne machen (Luth. Schule ebd.). In einem Falle hat auch der Einfluß eineskatholischen Pfarrers im Gegensatz zu einer gerade an die Pfarrer gerichtetengegenteiligen Aufforderung des Präfekten vom 5. Juni 1810 (P. 218) in Mülheimverderblich gewirkt. Er bemüht sich nur, niederzureißen, was der Lehrer mit großerMühe aufgebaut hat.Statt die Kinder, wie es doch heilige Pflicht von ihm wäre,zur Schule anzuhalten, . . . hält er sie vielmehr davon ab", besonders wenn ersieht, daß sie Fortschritte machen. Er nimmt die Eltern gegen den Schulbesuchüberhaupt ein. Die Folge ist dann, daß 2 / s der Katholiken überhaupt nicht zurSchule gehen und daß dieHerren" Protestanten dafür eintreten. Auch in Epping-hofen, in den beiden Schulen zu Saarn, in Holthausen, Broich und Mülheim wirdauf den unzulänglichen Schulbesuch hingewiesen.

Auch sonst sind die Berichte der Lehrer von allerlei Klagen durchzogen.Sie wünschen vielfach, daß die Regierung dem Mangel an geeigneten Lehrmittelnabzuhelfen versuche, so die Eppinghofener und die Saarner. Was sie selbst überdie von ihnen benutzten Lehrbücher berichten, zeigt eine erfreuliche Reichhaltigkeit.Von Interesse für die praktische Gestaltung des Unterrichts sind besonders die Mit-teilungen aus Holthausen. Es werden hier neben Bibel und Gesangbuch, die natürlichauch sonst überall die Grundlage bilden, auch gebundene Zeitungsblätter, ferner einemit Schreibschrift gedruckte Anleitung zum Brief schreiben und zur Orthographie benutzt.In Menden leistet neben Rauschenbusch's Biblischen Historien auch Rochows Kinder-freund gute Dienste. Von französischer Beeinflussung, von einer Verwertung etwader maßvolleren Gedanken Rousseaus findet sich hier ebensowenig eine Spur, wieam linken Rheinufer. Trotzdem aber haben verschiedene Lehrer ein lebhaftes Gefühlfür die Verpflichtung, dem allgemeinen geistigen Aufschwung der Zeit gerechtjzuwerden. Auf diesem gemeinsamen Boden haben sich die Lehrer aller drei Konfessionenin Mülheim in beachtenswerten dem Berichte des lutherischen Lehrers beigefügtenVerbesserungsvorschlägen zusammengefunden. Hier stellen sie den Satz auf:Esist Pflicht mit dem Zeitalter fortzuschreiten nnd nicht stehen zu bleiben". Nebenverständigen, materiellen Besserungsplänen J ) wird die Forderung gestellt, die Lehrersoweit vom Unterricht zu entlasten, daß sje ihrer eigenen Weiterausbildung größereAufmerksamkeit schenken können 2 ). In welcher Richtung diese Weiterausbildungzu geschehen habe, darüber lassen sie keinen Zweifel. Kein Wort der Empfehlungfür die Pädagogik der neuen Herren, sondern allein ein rühmender Hinweis auf diemusterhaften Verhältnisse in der Grafschaft Mark und im Anschluß daran der Wunsch,nach preußischem Muster alle Mülheimer Schulen zu einer Bürgerschule zu vereinigen 3 ).Es verdient Beachtung, daß der Präfekt des Rheindepartements eine Schulvisitationin Duisburg gemeinsam mit dem preußischen Minister von Massow unternommen hat 4 ).Jedenfalls findet man bei den Lehrern der Mülheimer Maire das Bestreben aus-gesprochen, über daß bloße Einpauken der Elementaria hinauszukommen. Der

x ) Die Lehrer wollen nicht mehr vom Schulgelde leben, sondern festes Gehalt bekommen.

-) Ähnlich der Lehrer der reformierten Mädchenschule in Mülheim. Vgl. die Verordnungüber den jährlich in Düsseldorf abzuhaltenden Lehrerbildungskursus vom 16. Januar 1810 (P. 26).Aus Mülheim wird am 30. Mai der Kandidat Mescher einberufen (P. 210).

3 ) Man verweist auf das Vorbild des Oberpräfekten von Remberg in Unna. Vgl. überden preußischen Einfluß auch Ch. Schmidt S. 266.

4 ) Bericht des lutherischen Lehrers Joh. Qotfr. Martin 1811 April 26. D. C. 233.

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