„Viele zu hiesigem Schulbezirk gehörige Interessenten haben sich nun zwey Jahrelang geweigert, weder zum Gehalt, noch Reparation, noch Brand vor die Schuleetwas mehr beizutragen, weil sie bei Veränderung der Steuerbezirke vorgeben,nicht mehr dazu verbunden, noch angehalten werden können." Es ist kein Wunder,daß die Lehrer selbst trotz ihrer bedrängten Lage da vielfach zur Selbsthilfe greifen.So hat ein Mülheimer für 30 Rthlr. aus seinem „sauer verdienten Schweise" sogarneue Pulte herstellen lassen, weil Tische und Bänke unbrauchbar geworden waren„und keine Hülfe weder von der Gemeinde, (denn sie ist zu arm), noch von unsermHerrn Pastor haben konnte. Ja, ich muß jedes Jahr noch einige Rthlr. anlegen,weil sich keiner um die Schule bekümmert, sondern ich mir allein überlassen bin,aber ich muß bald für meine Gesundheit bangen, weil es gleichsam nicht mehrauszuhalten ist wegen der Eingeschränktheit des Raumes". Der Präfekt habe sichja schon selbst bei einer früheren Anwesenheit in Mülheim von der Notwendigkeiteiner Reform überzeugt. Der Lehrer verspricht sich Besserung u. a. von der An-stellung zweier besonderer Schuldeputierten, die mit den nötigen Reparaturen undder Einsammlung des Schulgeldes zu betrauen wären. In der katholischen x ) Schulezu Saarn haben die Verhältnisse ganz ähnlich gelegen. „Es hat mir zwar" erzähltder Lehrer, „der Herr Maire vor zwei Monaten bedeutet, daß ihm zu Erbauung(eines neuen Schulhauses) ... die allerstrengste Verfügung zugegangen wäre. Daaber seit dem Jahre 1805 ungeachtet der so häufigen strengsten Befehlen dieSchuldeputationen noch immer den Bau vereitelt haben, auch bis hiehin vom HerrnMaire noch nicht in Ausübung gebracht worden", so wird der Präfekt gebeten,doch endlich die Absicht des Maires in eine Tat zu verwandeln. Auch in derlutherischen Schule in Mülheim haben sich die Räumlichkeiten als zu klein erwiesen.Überall verhindert die materielle Not eine wirksamere Ausgestaltung des Unterrichts.Gelegentlich eingehender Reformverhandlungen, die unter den Maires des Arron-dissements vom 14.—18. Sept. stattgefunden haben' 2 ), wird die Erklärung abgegeben,daß überall wegen des gänzlichen Mangels an Fonds unbesiegbare Hindernisse sichder Besserung entgegenstellten. Nach all diesen Nachrichten wird man schon dieäußere Lage der Schullokale in der Mairie durchaus nicht mehr als befriedigendbezeichnen können.
Dazu kommt nun aber ferner, daß auch der innere Unterrichtsbetrieb untermancherlei Schwierigkeiten zu leiden hat. Darauf deutet vor allem die vielfacherhobene Klage über den mangelhaften Schulbesuch, die am 26. Februar und5. Juni 1810 (P. 79 f.) und am 6. April 1812 (P. 146) vom Präfekten auch fürseinen ganzen Verwaltungsbezirk ausgesprochen wird. Vielfach müssen die Kinder,anstatt in die Schule zu gehen, das Vieh hüten. Oder die Eltern nehmen ihreKinder selbst heraus „aus Privataffekten oder wegen einer vorgekommenen kleinenStrafe" 3 ). „Das freie Wirken des Lehrers wird sehr beschränkt durch seine Ab-hängigkeit von den Eltern . . . , welche die Freiheit haben, ihre Kinder seinerSchule zu entziehen . . . , wenn er sie nicht nach ihrem Willen behandelt". DasAnsehen der Lehrer werde dadurch gemindert (Reformierte Mädchenschule inMülheim). Trotz der ärmlichen Bezahlung sind die hiesigen Lehrer von den Eltern
*) Sie nimmt als kath. Konfessionsschule in der Mairie eine Ausnahmestellung ein.
2 ) Die beiden gleichlautenden, umfänglichen, erst nachträglich redigierten Protokolles. D. C. 766. Hier auch eine Übersicht über die vielen baufälligen Lokale.
:i ) Bericht des kath. Lehrers in Saarn Nr. 733. Er fühlt sich deshalb zu einer längerenDarlegung über das Strafrecht des Lehrers veranlaßt.
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