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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
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Speldorfer Lehrer sagt von seinen Schülern :Ich suche auch ihren Verstand zuüben und auf ihr Herz zu wirken, um sie zu nützlichen Bürgern des Staates undguten Menschen zu bilden." Ähnlich lautet eine Angabe des Mendener Lehrers.Der katholische Lehrer Jacob Block in Mülheim, ein ehemaliger Duisburger Minorit,hat eine besonders hohe Auffassung von seinem Berufe. Obwohl er mit den größtenSchwierigkeiten zu kämpfen hat und sich jämmerlich behelfen muß, so hat ihn dochder beseligende Gedanke, dem Staate als nützlicher Bürger gedient zu haben, immerwieder angefeuert, das angefangene Werk mutig fortzusetzen. Seine Mühe ist auchbelohnt worden. Denn die Zahl der Schüler, die sich 1806 nur auf 25 beläuft, hatsich bald auf 100 und 150 vermehrt. Er ist auch ferner entschlossen, rastlos weiterzu arbeiten, da er schon in seinem Innern genug Belohnung für seine Mühe findet.

Dieser idealistische Mülheimer Volksschullehrer aus den Tagen der Fremd-herrschaft ist ein echter Jünger der um hohen Preis ringenden deutschen Aufklärung.Er gehört zu der unabsehbaren Schar rheinischer Klosterinsassen, für die diefranzösische Herrschaft das große Befreiungswort gesprochen hat. Nun tritt erhinaus auf das freiere Feld weltlicher Betätigung im Dienste des Staates und derHumanität. Gewiß verdankt er den Fremdlingen die neue Richtung seines Lebens.Aber die Wurzeln seiner Bildung werden zurückgereicht haben in die Vergangenheitder deutschen Aufklärung. Die verbotenen Bücher der Freigeister, die er hinterden Klostermauern gelesen haben mag, der großen Pädagogen des innerenDeutschlands, werden ihn auch später nicht verlassen haben.

So kann man von diesen anspruchslosen Darstellungen namenloser Männermanch allgemeineren Schluß ziehen, vor allem für die Beurteilung des französischenEinflusses auf dem Gebiete der geistigen Kultur. Sie sind geeignet, vor allerÜberschätzung äußerer und besonders innerer Einwirkung nachdrücklichst zu warnen.Was wir über die Mülheimer Volksschulen 1811 hören 1 ), deutet zurück in die deutscheVergangenheit. Die Regierung hat gewiß mancherlei beachtenswerte Reformpläneerwogen. Am ausführlichsten ist darüber die Instruktion zur Regulierung derPrimairschulen von 7. Juli 1812 (P. 255262). Aber sie sind, wie so vieles in dieserepisodenhaften Zeit, auf dem Papier geblieben. Die bergischen Schulverhältnissewerden sich vielmehr ähnlich gestaltet haben, wie im benachbarten GroßherzogtumeFrankfurt, wo die einsichtsvolle primatische Regierung Dalbergs im wesentlichenalles auf altem Fuß gelassen hat.

Auch in den kirchlichen Verhältnissen sind, soviel man weiß, keine tiefgreifendenNeuerungen eingetreten 2 ). In einer Beziehung freilich haben die Reformabsichtender Franzosen viel Staub aufgewirbelt. Wie am linken Rheinufer, so soll auch imGroßherzogtum der Grundsatz durchgeführt werden, daß die Pfarreigrenzen im Gegensatzzu den Schulbezirksgrenzen (Instruktion vom 7. Juli 1812, P. 259) überall mit denkommunalen zusammenfallen 3 ). Wir werden aber sehen, daß die für Mülheimverantwortlichen Beamten sich bei Einführung dieser so viele Gefühle verletzendenReform starke Zurückhaltung auferlegt haben, umsomehr, als bei Bildung der Mairiedie alten Grenzen schließlich ziemlich unverschoben geblieben waren 4 ). Der Berichtist noch erhalten, in dem der Essener Unterpräfekt die bestehenden Verhältnisse

*) Wegen des Details verweise ich auf Beilage IX.

2 ) Das säkularisierte Kirchengut hat wohl nur einen geringen Umfang gehabt. Vor allemkommt die Saarner Abtei in Betracht.

3 ) Ch. Schmidt, S. 272.

') Das Nähere darüber im folgenden Abschnitt.

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