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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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bezeichnete Akten 1 ). Während die Schuhmacher Veränderung der Zollgesetzgebungwünschen, verlangen die Schmiede im Gegensatz zu den Absichten der RegierungAufrechterhaltung der bisherigen Zunftverfassung.

Die Inventarisation dieser bescheidenen der Vergangenheit angehörigenHandwerksreliquien hat noch ein kleines Nachspiel, aus dem man sehen kann, wiewenig Verständnis gerade in dieser Zeit verbreitet ist für ältere Dokumente überhaupt.Das Zunftsiegel ist nämlich nach Ansicht des Schmiedemeisters Wilhelm Forstennurden geringen Ertrag des darin befindlichen Messings wert". Was wir einemehrsamen Handwerksmeister verzeihen, erscheint bei dem freiherrlichen Unterpräfektendoch recht auffallend: er hat das am 4. Juli 1812 abgegebene Forsten'sche Votumkritiklos am 12. September an den Präfekten weitergegeben.

Bes ondere Fürsorge haben die Franzosen in der kaiserlichen Zeit im Gegensatzezu den schweren Verfehlungen der Republik dem Forstwesen 2 ) angedeihen lassen.Am 19. Mai 1810 (P. 191 ff.) erscheint eine ausführliche Verordnung über die Waldweidein den Waldungen des Arrondissements Essen. Wir erfahren, daß besonders diesog. Frechtungen in den Waldungen, d. h. die Anstalten, die dem Schutze derForsten gegen das Vieh dienen sollen, verschiedentlich gewaltsam beseitigt wordensind. Auch das gepfändete, weil bei widerrechtlicher Waldweide betroffene Viehist von der Bevölkerung mit Gewalt befreit worden. Es wird hingewiesen auf eineältere bergische Verordnung von 1761 3 ) und auf weitere großherzogliche Erlasseaus dem Jahre 1808, und von neuem der Schutz der Waldungen energisch inErinnerung gebracht im Interesse derPrinzipien einer geläuterten Forstwirtschaft"!diemit dem allgemeinen Besten äußerst genau verbunden sind". Straftabellenfür Broich und Styrum über von Menschen verübte Forstfrevel, die allerdings keinengroßen Umfang haben, besitzen wir für Juli und Dezember 1810 4 ).

Das Kulturleben eines Volkes pflegt sich in der wirtschaftlichen Betätigungnicht zu erschöpfen. Wir haben noch eine Antwort zu suchen auf die Frage,welchen Einfluß das neue Regiment auf die geistige Kultur in der ehemaligenUnterherrschaft ausgeübt hat. Auch hier dürfen wir die Erwartungen nicht zu hochspannen.

Zu den Lieblingswissenschaften des Jahrhunderts gehört die Pädagogik. SeitJahrzehnten sind von einem Ende Deutschlands bis zum andern viele fleißige Federnan der Arbeit gewesen, um der Volkserziehung neue Bahnen zu weisen. FürMülheim kommt der Hoch- und Mittelschulunterricht nicht in betracht. Die Frageist vielmehr nur, wie sich unter der Fremdherrschaft die Lage der Volksschulen inder Mairie gestaltet hat.

Die neue Regierung hat da vor allem eine tiefeinschneidende Neuerung gebracht:die energische staatliche Beeinflussung auch des niederen Bildungswesens rj ). Am23. März 1812 heißt es in einem Präfekturerlaß:Der Staatszweck macht es nothwendig,daß das Gouvernement sich von der Fähigkeit der öffentlichen Jugendlehrer ohneRücksicht, zu welcher Konfession sie gehören, überzeugt . . . Die Synodalprüfungender protestantischen Schullehrer befreyen keineswegs von der vom Gouvernement

*) Auch bei den Schmieden fehlt ein Manual.s ) Ch. Schmidt, S. 310.

3 ) Schon am 17. Okt. 1807 eingeschärft: M. No. 4.

4 ) M. No. 4.

5 ) Vergl. Ch. Schmidt S. 25.

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