Druckschrift 
Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
Seite
46
Einzelbild herunterladen
 

Wenn schon vor diesem Ereignis das Mülheimsche Gebiet Schweres durch-gemacht hatte, so brachen jetzt vollends fürchterliche Drangsale für die unglücklicheBevölkerung an. Im folgenden Jahre wurden die Spanier durch Landgraf Moritzvon Hessen vertrieben, aber erst durch die Holländer wurde schließlich die Bluttatgerächt. Die Söhne des Erschlagenen, Johann Adolf und Wirich, waren damalsnoch minderjährig und hielten sich an der Pariser Universität auf. Sie wurdenbeide am 10. April 1601 provisorisch mit Broich belehnt. Die Verhältnisse warennoch nicht dazu angetan, die furchtbaren Leiden der spanischen Einlagerung vergessenzu lassen. Schon im Jahre 1605 kamen die Spanier unter Spinola wieder an denRhein, und ein kleines Detachement unter Velasco setzte sich im Mülheimschen fest.

Der Schutzbrief des spanischen Gene-ralfeldmarschalls (vom 30. Okt. 1605)konnte wenig helfen, da die Nieder-länder unter Moritz von Oranienheranrückten und hier an der Ruhrdie Spanier in einen Kampf ver-wickelten, der mit großen Verlustenfür beide Teile und infolge desNahens Spinolas mit dem Rückzugder Holländer endete. Zwei Jahrespäter setzte eine neue Schreckenstatder Spanier gegen das von ihnen sogehaßte Dhaunsche Haus die Gemüterin Erregung. Der junge Graf Wirichwurde bei Sterkrade 1 ) von spanischemKriegsvolk nachts erschossen. Vor-läufig mußten die Mülheimer unterdem Druck der spanischen Besatzungdie Faust in der Tasche ballen. Aberbald kam die Zeit, da sie die Er-mordung ihres alten und jungen HerrenDie Höiie. gerächt sahen. 1609 rückte der hollän-

dische General de Marquette mit seinen Reitern an und trieb die Spanier, die denMülheimer Kirchhof besetzt hielten, zu Paaren. 500 Mann wurden damals in derKirche gefangen genommen. Noch heute erinnert man sich bei den Namen Notweg,Hölle, Schänzchen an die blutigen Kämpfe, die damals beim Kirchhofe stattfanden 2 ).Damit waren aber die spanischen Drangsale für Mülheim noch nicht vorbei, dennder jülich-clevische Erbfolgestreit brachte die alten Gegner, Spanier undNiederländer, wieder an den Rhein. Spinola hielt Wesel und Duisburg besetzt undwurde erst 1629 durch die Holländer vertrieben. Die Ereignisse des dreißigjährigenKrieges brachten noch wiederholt fremde Truppen, Spanier, Franzosen und Nieder-länder, Hessen und Schweden, Kaiserliche und Bayern ins Land, und wenige Jahrenach dem westfälischen Frieden, 1651, wurde Broich durch den Kampf des großenKurfürsten gegen Wolfgang Wilhelm in Mitleidenschaft gezogen 3 ). Zahlreichevon den verschiedenen Heerführern ausgestellte Schutzbriefe für die Herrschaft

i) Zschr. d. Berg. Gesch.-Ver. 11 S. 145.

2 ) v. Kamp S. 107. Klanke u. Richter S. 140.

3 ) P. Eschbach, Der Krieg des Kurf. Friedrich Wilhelm etc. S. 11.

46