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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
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zurück mit der Kritik der Regierung, die nach seiner Meinung durch strengeUnparteilichkeit dem Lande viel Not hätte ersparen können. Mit den tatkräftigstenVerfechtern der protestantischen Lehre stand er in reger Verbindung. So war eserklärlich, daß die protestantische Herzogin Marie Eleonore von Preußen ihn als Vertreterihrer speziellen auf die Erbschaft gerichteten Interessen zu gewinnen suchte, ebensoaber auch nicht zu verwundern, daß er den Mitgliedern der katholischen Partei alsdas „caput omnium malorum" galt und schon früh den Haß der Spanier auf sich lenkte.In seiner Herrschaft hatte Wirich schon früh, bereits im Jahre 1572, fürBeschaffung von Kriegswehr in den einzelnen Honnschaften 1 ) gesorgt, und es istanzunehmen, daß er in der schweren Zeit häufiger Durchzüge (seit 1580) das Seinegetan hat, um die Untertanen möglichst zu verteidigen. Aber er vermochte es dochnicht zu hindern, daß seit 1584 wiederholt Verwüstungen seines Gebiets stattfanden,und daß im Januar 1587 die Mülheimer Kirche, in die man allerhand Habseligkeiten,Kassen usw. geflüchtet hatte, von umherstreifendem Kriegsvolk ausgeplündert wurde.Welche Mutlosigkeit damals bei diesen unaufhörlichen Drangsalen sich auch der Bestenbemächtigte, zeigt ein Verschen, das im August 1586 Bertram v. Loe zu Palsterkamp demGrafen zuschickte: „Wer im 86. Jahr nit wird verderben und im 87. Jahr nit sterben undim 88. Jahr nit erschlagen, der soll im 89. Jahr von gutem Glück wissen zu sagen."In jenen Tagen verlor Wirich seine Gemahlin durch den Tod, und bald zogen sichauch über ihn verderbenschwangere Wolken zusammen. Schon im Frühjahr 1587riet ihm Graf Hermann von Manderscheid, sich und die Kinder in Sicherheit zu bringen,da Schenkern Ruhrort eingenommen habe und Uerdingen von den Spaniern besetztsei. Indessen war Wirich nicht der Mann, der Gefahr aus dem Wege zu gehen.Eine neue Warnung für ihn war die spanische Bluttat, der sein Vetter Graf JohannPhilipp von Oberstein (1591) zum Opfer fiel. Je verwirrter die Verhältnisse amDüsseldorfer Hofe wurden, als Herzogin Jakobe mit Marschall Schenkern um die Machtkämpfte, desto schwieriger gestaltete sich auch für Wirich die Lage. Immer deutlichertraten die feindlichen Gesinnungen der Spanier gegen ihn zu Tage, sodaß er deswegenim Januar 1595 bei dem spanischen Oberst de Verdugo Beschwerde führte. Bald solltendie Gesinnungen in Taten übergehen. Ein schwerer Schlag für Wirich war schonseine diplomatische Niederlage durch Schenkern, der mit ihm gegen die Herzoginkonspiriert hatte, nun aber die Macht allein in der Hand behielt. Da geschahSchlimmeres. Auf Befehl Mendozas, der im Auftrag des Erzherzogs Albert mitspanischen und italienischen Truppen an den Niederrhein gerückt war, um von hieraus Moritz von Oranien anzugreifen, zog (Oktober 1598) eine Abteilung Spanier(3000 Mann) vor das Schloß Broich. Es ist kaum zu bezweifeln, daß Mendozanichts andres beabsichtigt hatte, als das Haupt der protestantischen Partei unschädlichzu machen und gleichzeitig diesen wichtigen Platz am Ruhrübergang in die Hand zubekommen. Graf Wirich war genötigt, sich zur Wehr zu setzen 2 ), und da dieBefestigungen den spanischen Geschützen schlecht Stand hielten, schon am folgendenTage zu kapitulieren. Obwohl der Besatzung freier Abzug zugestanden war, wurdesie doch vor den Augen des Grafen zusammengehauen und das Schloß geplündert;wenige Tage später fiel der Graf selbst durch Meuchelmord.

J ) Styrum und Dümpten erhalten von ihm die Erlaubnis zur Verpachtung von Gemeindelandzur Bestreitung der Kosten der Kriegsrüstung. Gleichzeitig (1572 November 29) schließt der Grafeinen Vertrag mit einem Essener Meister wegen Lieferung von 70 Büchsen. (Broich)

2 ) Vgl. über diese Vorgänge das von Crecelius in der Zschr. d. Berg. Gesch. Ver. 23S. 179 ff. zum Abdruck gebrachte Protokoll.

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