Adolf Quade. Daß es nicht an Reibereien mit den Clevischen fehlte, war nichtzu verwundern, da besonders Leute von Saarn und Speidorf den kölnischen Belagerungs-truppen Schaden zugefügt hatten, wofür man sich jetzt durch Wegnahme von Viehrächte. Trotzdem eröffnete Quade dem clevischen Amtmann Goswin Stecke, mandenke nicht daran, Cleve etwas zu nehmen, bevor der Krieg erklärt sei 1 ). DieLöse des Kirchspiels vollzog sich glatt Mitte Januar 1444. Die bergischen Räte,Landdrost Gawin von Swanenberg und Johann Quade, empfingen zu Duisburg am18. Januar von den kölnischen Räten 9461 „gute schwere oberländische RheinischeGulden", die Übergabe an die clevischen Räte und die Rückgabe des Pfandbriefsvom Jahre 1420 erfolgte dann in feierlicher Weise im Beisein einer größeren Zahlbergischer Beamten. Wie die clevischen Räte ihrem Herzog berichteten, hatte esMühe gekostet, dessen Befehl, für 52 alte Schild 82 Gulden zu bekommen, wirklichdurchzusetzen. Da somit jene 6000 Schild bezahlt waren, ist anzunehmen, daß alleim Jahr 1420 verpfändeten Güter wieder bergisch wurden, obwohl darüber kein Wortin diesen Verträgen erwähnt wird.
Durch die am 16. Januar vom Herzog Gerhard ausgestellte Pfandverschreibungging nun Kirchspiel und Dorf Mülheim in kölnischen Besitz über, natürlichunter Wahrung der bergischen Territorialhoheit. Als Lösesumme (Schloß Broicheinbegriffen) wurden 9500 Gulden festgesetzt. Für die Hälfte dieser Summe standes Herzog Gerhard jederzeit frei, die Hälfte des Kirchspiels einzulösen (die Hälfte vonBroich besaß er ja schon), während die Einlösung des Ganzen, wie gleich vom Erz-bischof ausbedungen worden war, erst nach seines Nachfolgers Tod erfolgen konnte.
Inwieweit die bei dieser Gelegenheit genauer bezeichneten Bauten amSchloß in Angriff genommen worden sind, hat sich noch nicht ermitteln lassen.Außer den Wiederherstellungsarbeiten am Schloß und den Gräben war eine Ruhr-brücke auf steinernen Pfeilern geplant mit Turm und Mole, um den Übergang sperrenzu können. Das Notwendigste zur Ausbesserung der durch die Beschießung ver-ursachten Beschädigungen war jedenfalls schon im Herbst 1443 geschehen. Fuhrenvon Kalk, Sand und Holz waren damals gleich von Herzog Gerhard angeordnet worden.
Großen Schaden hatte die Belagerung auch über die ganze Umgebung vonBroich herbeigeführt. Es waren besonders Einwohner von Eppinghoven, Mellinghofen,Saarn und Speidorf, die vor dem Gericht Mülheim ihre Schadenersatzansprüchegeltend machten 2 ).
Die Schrecken des Kriegs drohten auch im Jahre 1444 dem Mülheimer Gebiet.Amtmann Quade hatte Anfang Juli aus sicherer Quelle gehört, der clevische Herzogbeabsichtige Styrum oder das Dorf Mülheim einzunehmen und wolle das Gerichtund Kirchspiel wieder in seinen Besitz bringen, und solle es ihn auch Land undLeute kosten. Jedoch blieb es bei solchen Gerüchten. Die clevische Periode warfür Mülheim endgiltig vorüber 3 ).
Die gemeinsame Verwaltung des Pfandbesitzes dauerte, wie zu erwarten war,nur kurze Zeit. Bereits im Jahre 1446 trat eine Neuregelung der Verhältnisse inBroich-Mülheim ein. Wilhelm von Limburg hat es, wir wissen nicht durch welcheEinflüsse, verstanden, das Vertrauen der beiden beteiligten Fürsten in hohem Maße
1 ) Bericht Steckes vom 10. Okt. 1443 (Cleve-M. Verh. z. Köln. Soester Fehde No. 15). Schondamals lag das Geld zur Löse des Kirchspiels bereit.
2 J Vgl. die von II gen a. a. O. S. 236 angeführte Urkunde.
3 ) Es ist immerhin bemerkenswert, daß Cleve 1464 nochmals den Gedanken erwog, das Kirch-spiel als Pfand von Kurköln einzulösen. (Cleve-M. III A 2V2O
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