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Denkschrift zur Hundertjahrfeier der Stadt Mülheim an der Ruhr 1908
Entstehung
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Vogteigütern ausdrücklich die des Mülheimer Gerichts genannt werden 1 ). Zu dem-selben Ergebnis führen andere Zeugnisse, die schon auf die territoriale Zugehörigkeithinweisen. Einmal die Besiegelung der oben erwähnten Urkunde von 1246 überHaarzopf durch die Gräfin von Berg. Ferner die Urkunde des Grafen Adolf von Bergvom 7. Januar 1280 über die Schenkung der Güter des Hermann von Roßkothen andie" Abtei Saarn. Besonders bezeichnend aber ist folgendes: 1289 Juni 20 schlichtete GrafAdolf von Berg durch seine Räte (darunter befindet sich der Amtmann von Ratingen) unddurch die Mülheimer Schöffen einen Streit um Güter der Abtei Saarn, die vondem Vorbesitzer vor dem Gericht Mülheim gekauft worden waren. Aus diesem Anlaßbegaben sich die Mülheimer Schöffen nach Saarn, um hier die Äbtissin, Prior undSubprior zu vereidigen, und stellten dann in Mülheim einen neuen Schöffenbrief aus 2 )-

Spricht schon dieser Vorgang deutlich für die nahe Beziehung des bergischenGrafen zum Gericht Mülheim, so läßt eine Urkunde von 1326 Oktober 20 keinenZweifel über den Charakter dieser Beziehungen. Denn hier urkundet Gobelinusde Walde als Amtmann des Grafen von Berg und Richter in Mülheim 3 ). Wiesich aus der Urkunde weiter ergibt, ist er nicht der einzige Richter in Mülheim, ernennt als solchen noch Daniel von Gotelshem 4 ). Er ist also der obere Richter,während Daniel der am Ort ansässige Richter sein muß. Nun können wir in denJahren 1326 bis 1332 einen Wilhelmus de Walde als Schultheiß in Angermundnachweisen 5 ) und für 1327 einen Gobelinus (dictus Stoke) officiatus apud Anghermunt 0 ).Die Namen dieser Persönlichkeiten sprechen jedenfalls deutlich für den Zusammen-hang des Gerichts Mülheim mit dem Amt Angermund.

Die Ausbildung eines Amts Angermund im Anschluß an das Schloß istverhältnismäßig früh erfolgt. Es bildete einen der vier Grundpfeiler des bergischenTerritoriums 7 ). 1303 tritt schon ein officialis in Angermund auf (Zobbo miles 8 ) und1327 ist von dem districtus Angermunt die Rede, als die Gräfin Agnes von Bergmit einer Leibzucht ausgestattet wurde 9 ).

Die Amtleute und Schultheißen des Amts Angermund lassen sich nunbis zum Ausgang des 14. Jahrhunderts, also bis zur Verpfändung an Cleve alsSchultheißen oder Richter in Mülheim, jedenfalls als Vorsitzende des dortigenSchöffengerichts nachweisen. So urkundet 1343 Reyner von Landsberg Amtmannvon Angermund, Schultheiß zu Mülheim über einen Verkauf vor ihm undvor onsegerechte to Molnhem" 10 ). 1363 verkauft Klays Heynemanns Sohn van Busche vorSchultheiß, Richter und Schöffen zu Mülheim sein Gut zu Busche 11 ), und im selbenJahre figuriert in der bekannten Verpfändungsurkunde wegen Blankenberg dasKirchspiel Mülheim alsin officio et terra Angermont" gelegen 1 ' 2 ). 1365 ist Dietrichvon Broich, 1366 Dietrich von Limburg Amtmann in Angermund 18 ); beide haben in

!) Westfäl. Urk. B. VII Nr. 1201.

2 ) Saarn, Pfarrarchiv.

:l ) Kl. Sterkrade. In der Legende des Siegels heißt er Qodefridus.

4 ) Ein Verzeichnis der Mülheimer Richter bietet Beilage Nr. V.

r >) Kellet er, Kaiserswerther Urk. B. S. 215226.

") Lacomblet Urk. B. III Nr. 227. L. liest Schoke.

7 ) Lacomblet Urk. B. II Nr. 312.

8 ) Saarn 1303 Okt. 30.

n ) Lacomblet Urk. B. III Nr. 226. Vergl. auch Lacomblet, Arch. IV S. 379 f.10 ) Sterkrade 1343 Nov. 3.") Herrenstrunden (Nr. 156) 1363 Dez. 18.

12 ) Lacomblet Arch. IV. S. 147.

13 ) Saarn Pf. A. 1365 März 17; Düssern 1366 Juni 1.

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