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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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XI. Kapitel: Verwundungen des Unterschenkels und des Fu

Band III. Spez. Theil.

LaufendeNo.

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

232.

233.

234.

M. B., vom 2. Badischen Grena-dier - Regiment Kaiser WilhelmNo. 110, verwundet am 30. Oktober1870 vor Dijon: Gewehrschussbruchdes rechten Schien- und Wadenbeinsim unteren Drittel.

F. D., Fähnrich vom 8. West-fälischen Infanterie-Regiment No.57,verwundet am 16. August 1870 beiMars la Tour: Bruch des linkenSchien- und Wadenbeins im mitt-leren Drittel durch Mitrailleusen-kugel.

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.

Anfangs befriedigender Verlauf. Am 17. Tage schlechtes Aus-sehen der Wunden, wulstige Granulationen und starke Anschwellungdes Unterschenkels bis zum Knie. Unter Anwendung eines Oel-verbandes bessert sich der Zustand, bis am 27. Tage örtliche undallgemeine Verschlimmerung mit Schüttelfrost wieder auftritt. Am32. Tage zeigten Fuss und Unterschenkel bis zum Knie rose-artige Röthe und starkes Oedem, die Wunden einen schmierigen,pulpösen Belag. Sechs Tage später stellte sich unter FröstenBlasenbildung der Haut ein; der Unterschenkel wurde unter zu-nehmender Jauchung brandig, und unter Verfall starb B. am44. Tage in Folge des Brandes.

Sektion: Schrägbruch des Schien- und Wadenbeins, keine Ver-wachsung, starke Jauchung der Bruchstelle und der umgebendenWeichtheile; Lungen, Leber,Milz frei. (Vergl. v. Beck, S. 733, No. 2.)

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

44 Tage.

Stillung einer aus der verletzten vorderen Schienbeinschlagaderstammenden starken Blutung durch Druck, Lagerung mit Sand-säcken. Am 4. Tage nach ausgiebiger Erweiterung und Reinigungder Wunden Gypskompressen mit Eisenblech. Am nächsten Tagezeigen die Wunden diphtherischen Belag und beginnen einigeTage darauf zu jauchen. Am 12. Tage wird ein einfacher Gyps-verband angelegt, nach 4 Tagen aber wegen Durchjauchung ab-genommen. Trotz Entfernung zahlreicher Knochensplitter lässt dieJauchung nicht nach; das Allgemeinbefinden verschlechtert sichzusehends, das Bein wird brandig, und am 20. Tage erliegt D. derWunddiphtherie und dem Brande.

L. F., vom 2. HannoverschenDragoner - Regiment No. 16, ver-wundet am 28. August 1870: Bruchdes rechten Schien- und Wadenbeinsim mittleren und unteren Dritteldurch Gewehrschuss.

Am 4. Tage wird der nach der Verwundung angelegte Gyps-verband mit Drahthose vertauscht; der Unterschenkel schwillt an,und unter geringem Fieber wird die Eiterung stärker. Am 7. TageAnlegung eines gefensterten Gypsverbandes. Trotz starker Eiterungdes Schusskanals ist das Befinden des F. bis zu Ende der 2. Wochebefriedigend. Am 14. Tage klagt F. über erschwertes Kauen undkann Tags darauf Flüssiges nicht mehr schlucken. Die Kaumuskelnsind gespannt, die Zähne fest aufeinander gepresst, die Pupillenreagiren, sind aber stets eng; starke Schweisse. Bei der sorg-fältigen Erneuerung des Gypsverbandes in Chloroformbetäubungwird festgestellt, dass das Schienbein vorn der Knochenhaut be-raubt ist und viele kleine Knochenbruchstücke vorhanden sind. DieEiterung ist übelriechend. Am 16. Tage stellen sich in kurzenZwischenräumen auftretende Zuckungen der Streckmuskulatur desBeines ein, der Gesichtsausdruck wird ängstlich, der Puls klein,häufig und gespannt. Auf Einspritzungen von Morphium — JlUe4 bis 5 Stunden — verringern sich anfangs die Zuckungen, umdann auch in anderen Muskelgruppen, selbst auch im linken Ober-schenkel aufzutreten. Innerhalb einiger Stunden nimmt die Kiefer-klemme zu, die Wangen werden dunkelblauroth, die Athmung isterschwert, die Haut trocken; der Puls erscheint klein und gespannt,die Pupillen eng; Harnabsonderung und Stuhlentleerung zeigenkeine Störung. Unter stertorösem Athmen und allgemeinen tetani-schen Krämpfen tritt nach kurzer Zeit der Tod ein.

Sektion: Schrägbruch des Schienbeins. Mehrere verschiedengrosse Knochensplitter liegen lose, ein grösserer drückt auf dasuntere Ende des vorderen Schienbeinnerven, welcher mit der gleich-namigen Arterie durchgerissen ist. Das Nervenende taucht in einevöllig zerrissene, mit kleinen Knochenbrucbstücken und Bleitheilendurchsetzte Gewebsmasse ein. Weichtheile sonst normal. Gehirnstark blutreich; Venen strotzend gefüllt. Weiche Hirnhaut aneinzelnen Stellen getrübt, verdickt, schwer abziehbar, besondersan der Konvexität.

20 Tage.

17 Tage.

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