Band III. Spez. Theil.
VI. Abschnitt: Verletzungen des Kniegelenks.
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112. Ij., Unteroffizier vom Bayerischen 12. Infanterie-Regiment (Königin Amalia von Griechenland), verwundet am2. Dezember 1870: Schussverletzung des linken Hüftgelenks.Einschuss links durch den grossen Sitzbeinausschnitt, Aus-schuss vorn 5 cm unterhalb des oberen Darmbeinstachels der-selben Seite.
Heilung der Wunden vollständig am 23. März 1871.Gelenk, noch geschwollen und gegen Berührung sehrempfindlich, zeigt geringe Beweglichkeit. (Vergl. v. Langen-beck, S. 49, No. 5.)
113. M. S., Füsilier vom 3. Westfälischen Infanterie-Regi-ment No. 16, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour:Gewehrschuss in der rechten Hüfte in der Nähe des Gelenk-kopfes; ein gleicher Schuss linkerseits, üb diese Verletzungdurch eine oder zwei Kugeln hervorgebracht, istzweifelhaft; das rechte Hüftgelenk ist eröffnet.Ferner Gewehrschussbruch des linken Unterschenkels mit An-schwellung des Kniegelenks. Am 17. August im Feldlazarethzu Mars la Tour kalte Umschläge. Am 24. August sehr starkeEiterung, Karbolsäureverband. Am 28. August Einschnittwegen Eitersenkung. Am 31. August Schüttelfrost. Am 3. Sep-tember Tod.
114. K. K., Füsilier vom 6. Ostpreussischeu Infanterie-Regiment No. 43, verwundet am 3. September 1870: Gewehr-schuss durch die rechte Hüfte mit Zerschmetterung desGelenks. Im Feldlazareth zu Noisseville war das Bein starkverkürzt. Behandlung: doppelt geneigte Ebene. Es bildete sichunter hohem Fieber .starke Schwellung und schmutzig rothoVerfärbung des Beines aus. K. starb am 9. September.
115. II. Seh., Sekondlieutenant, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss in das linke Hüftgelenk ohneAustrittsöffnung, ausserdem eine Schusswunde dicht über demlinken Fussgelenk und ein Haarseilschuss durch den rechtenOberschenkel. Am 26. August hohes Fieber, starke Eiterung,Durchfall. Am 2. September Septicämie. Am 22. September Tod.
116. W. G., Füsilier vom Grenadier-Regiment Kronprinz(1. üstpreussisches) No. 1, verwundet am 31. August 1870 vorMetz: Gewehrschuss in das rechte Darmbein und Hüft-gelenk. Starb am 2. September an Bauchfellentzündung.
117. F. P., Gefreiter vom 2. üstpreussischen Grenadier-Regiment No. 3, verwundet am 31. August 1870 vor Metz:Gewehrschuss in das rechte Hüftgelenk und Becken.Starb im Feldlazareth zu Noisseville am 2. September in Folgevon Bauchfellentzündung.
Sechster Abschnitt.Verletzungen des Kniegelenks.
I. Arten der Verwundung.
Die Kapsel des Kniegelenks bietet eine so grosseTrefffläche wie die keines anderen Gelenks. Sie ist für\ Geschosse sowohl zwischen dem Kopfe des Schienbeinsund den Knorren des Oberschenkelknochens, als auchi neben und oberhalb der Scheibe erreichbar, von derenoberem Eand sie sich 2*/ä bis 8 cm nach aufwärts er-streckt. Besonders vorn und an den Seitenflächen, wo dasGelenk nur von Fett und Haut bedeckt ist, genügen oftleichte Quetschungen, um Erguss und Entzündung hervor-zurufen. Es ist deshalb anzunehmen, dass Schüsse in dieKapselgegend ohne Beschädigung des Gelenks überhauptkaum vorkommen. So will z. B. H. Schwartz (a. a. 0.,S. 172) alle Streifschüsse am Knie so lange als Gelenk-schüsse behandelt wissen, bis aus dem Verlauf hervorgeht,dass die Kapsel nicht gelitten hat.
Quetschungen des Kniegelenks ohne Durch-dringung der Haut mit nachfolgendem Erguss hat der-selbe Autor (a. a. 0., S. 168) 2 mal beobachtet. Wahr-scheinlich sind dieselben früher häufiger vorgekommen,aber als leichte Verletzungen nicht weiter beachtet worden,
während die im Deutsch-Französischen Kriege gebrauchtenGeschosse wegen ihrer grösseren lebendigen Kraft, dieGewehrkugeln ausserdem durch das geringere Kaliber we-niger geeignet waren, Hautquetschungen hervorzurufen.
In nachstehender Kasuistik finden sich zwei Be-richte über derartige Verletzungen, v. H. (No. 1) erlitteinen Prellschuss an der inneren Seite des Knies, inFolge dessen Anschwellung der getroffenen Weichtheileund P>guss ins Gelenk stattfand, und K. (No. 128) eineQuetschung durch Granate, welche ausgedehnte Gefäss-zerreissungen unter der Haut und bedeutende Gelenk-schwellung hervorrief. Bei der Sektion fand man dieKapsel geöffnet und Knochenstücke des getroffenen Ober-schenkelknorrens abgesplittert. Die letzte Beobachtungerinnert an die Pirogoffsehen „Luftstreifschüsse", nachwelchen zermalmte Knochen und Weichtheile von der un-versehrten Haut, wie von einem Sack umschlossen, vor-gefunden wurden. Im Feldzuge 1870/71 wurden Ver-letzungen der letzteren Art so weit bekannt, nicht beob-achtet, vielmehr setzten die groben Geschosse mit ver-
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