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VIT. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
Band III. Spez. Theil.
gewiesen. 7. September: Jauchung der Wunden, Schüttelfröste.13. September: Irrereden. 16. September: Tod in Folge vonPyämie.
323. A. K., Grenadier vom 2. Garde - Regiment z. F.,verwundet am IS. August 1870 bei Gravelotte: Gewehrschussin das linke Knie, welcher zwischen dem inneren Knorren unddem Schienbein durchging. Lagerung in Drahthose. Anfangsgute Eiterung, dann Bildung von Eiterherden; Einschnitte.Schüttelfröste, Bronchialkatarrh. 26. September: Tod.
324. A. I)., Füsilier vom 3. Hannoverschen Infanterie-Regiment No. 79, verwundet am 6. Januar 1871 bei Vendöme:Gewehrschuss durch das linke Kniegelenk, dicht unterhalb derKniescheibe beginnend. Anwendung von Eis und Schienen-verband. Am 12. nach einer Ueberführung Fieber, starkeEiterung. 15. Januar: Jauchung, Schwellung des Oberschenkels,Schüttelfrost. 17. Januar: Gelbsucht, Eröffnung eines grossenEiterherdes. 19. Januar: Irrereden. 20. Januar: Tod.
325. C. B., Gefreiter vom Niederrheinischen Füsilier-Regiment No. 39, verwundet am 6. August 1870 bei Spicheren:Gewehrschuss durch das rechte Knie. B. kam am 24. August
in das Reservelazareth' zu Düren, wo zuerst trotz Gelenkent-zündung der Verlauf ein günstiger war. Im September machten anallen Seiten entstehende Eitersenkungen mehrfache Einschnittenöthig; Breiumschläge. Im Oktober bildete sich Verrenkung desGelenks nach hinten aus; schlechte Eiterung. Anfang NovemberBrandblasen am Bein und allmäliger Verfall der Kräfte. Todam 12. Dezember nach grossen Schmerzen an Erschöpfung.
326. F. IL, Grenadier vom Königs-Grenadier-Regiment(2. Westpreussisches) No. 7, verwundet am 6. August 1870 beiWörth: Gewehrschuss durch das linke Kniegelenk; Verletzungder grossen Gefässe mit nachfolgender Thrombosirung undBrand. 26. August: Tod. (Vergl. v. Beck, S. 616.)
327. E. St., Füsilier vom 3. Niederschlesischen Infanterie-Regiment No. 50, verwundet am 6. August 1870 bei Wörth:Gewehrschussbruch des Kniegelenks. Nach 4 Wochen Amputationverweigert. Tief gehende Eitersenkungen; Einschnitte. Schüttel-fröste, reichliche Eiterung am Ober- und Unterschenkel. St.wurde durch reichliche Verabfolgung geistiger Getränke nochweitere 4 Wochen erhalten. Am 5. Oktober trat der Tod anEntkräftung ein. (Vergl. v. Beck, S. 616.)
Siebenter Abschnitt.Verletzungen des Fussgelenks.
I. Arten der Verwundung. — Diagnose.
Besser als an der Hand, woselbst die besonderenanatomischen Verhältnisse es nöthig machen, vielfachnicht nur die Verletzungen des Gelenks zwischen Unter-armknochen und Handwurzel, sondern auch die der beidenReihen der Handwurzelgelenke als Handgelenkwunden an-zusehen, ist es am Fusse möglich, die Schusswunden desHauptgelenks zwischen Unterschenkelknochen und Fuss-wurzel von denen der übrigen Theile des Fusses zu trennen.Es sind deshalb im Nachstehenden nur die Verletzungendes Sprunggelenks als Verwundungen des Fussgelenksaufgefasst.')
Die Beschädigung desselben fand statt durch Geschosse,welche die Kapsel, das Schienbein, Wadenbein oder Sprung-bein trafen. Aber auch bei einer Reihe von Brüchen desbenachbarten Fersenbeins war das Gelenk durch die Kugelgeöffnet oder später in Mitleidenschaft gezogen.
Kapselverletzungen ohne Knochenbetheiligungentstanden 1 mal unterhalb des inneren Knöchels durcheinen Granatsplitter (No. 2) und 5 mal an der vorderen Seite
a ) Vergl. Herzu und zu dem Folgenden Grossheim, Ueber dieSchussverletzungen des Fussgelenks während des letzten Krieges unddie Resultate ihrer Behandlung. (Deutsche militärärztliche Zeitschr.,Jahrg. 1876, S. 217 ff.)
durch Gewehrgeschosse, welche zum Theil von der Mitteder Gelenkbeuge zum Knöchel oder umgekehrt (No. 3 bis 5)liefen. Ausserdem war bei dem Amputirten B. 1 ) der äussereUmfang des Fussgelenks durchschossen, ohne dass eineVerletzung der Knochen sich nachweisen liess. Die Opera-tion wurde durch schwere Phlegmone veranlasst.
Ebenso wie an dem engschliessenden Ellenbogengelenkbei Brüchen des einen Gelenkendes A^erletzungen desanderen nicht immer auszuschliessen sind 2 ), ist am Fussgeleukeinerseits bei Brüchen der Unterschenkelknochen häufigdas Sprungbein, andererseits durch Schüsse in das letzteredas Schien- und Wadenbein mitgetroffen worden.
Ueber Rinnenschüsse der Knöchel ohne Kapsel-verletzung liegen in den hier zusammengestellten Kranken-geschichten Aufzeichnungen nicht vor; Mossakowski")fand unter 5 Schussstreifungen des Fussgelenks bei invalidenFranzosen 2 oberflächliche Verletzungen der Knöchel, durchwelche das Gelenk nicht eröffnet war.
!) Siehe im V. Bande dieses Berichtes, S. 327, No. 43.
2 ) Vergl. S. 695.
3 ) Mossakowski. Statist. Bericht von 1415 Invaliden desDeutsch-Französisch. Krieges. Deutsche Zeitschr. f. Chir , 1. S. 236.