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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
1187
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Band III. Spez. Theil.

Kasuistik.

1187

i

LaufendeNo.

1

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

2

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

4

227.

G. W., vom BrandenburgischenFüsilier - Regiment No. 35, ver-wundet am 16. August 1870 beiMars la Tour: Bruch des linkenWadenbeins im unteren Dritteldurch Gewehrschuss. Eingangs-öffnung 9 cm über dem äusserenKnöchel, Ausgangsöffnung 3 cmtiefer, über dem inneren Knöchel.

Entfernung von Splittern des gebrochenen Wadenbeins aus demSehusskanal. Der weitere Heilungsvorgang wurde durch Aus-stossung mehrerer Splitter und Bildung zahlreicher Eiterherde auf-gehalten. Am 12. Januar 1871 gute Heilung.

5 Monate.

228.

F. W., vom 8. PommerschenInfanterie - Regiment No. 61, ver-wundet am 28. Januar 1871: Bruchdes linken Wadenbeins im oberenDrittel durch Gewehrschuss.

Die Kugel wurde nicht gefunden. In der 2. Woche Spaltungeiner Eitersenkung und Entfernung kleinerer Splitter. StarkeEiterung. Anfang der 4. Woche wurde das Geschoss gefühlt undgleichzeitig mit Hosenfetzen entfernt. Bei stets gutem Allgemein-befinden verzögert fistulöse Eiterung die endgiltige Heilung biszum 8. Juli 1871. Tiefe Knochennarben bleiben zurück. DasKnie ist gut beweglich.

5 '/3 Monate.

229.

J. W., vom 3. Garde - Regimentzu Fuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Bruch deslinken Wadenbeins im mittlerenDrittel durch Gewehrschuss.

Eiterherde am Unterschenkel und Fuss, sowie heftige Zellgewebs-entzündung mit Schüttelfrösten stören in der 4. bis 8. Woche denWundverlauf und erheischen ausgedehnte Einschnitte. Entfernungvon Splittern. Dauerbad. In der 16. Woche sind die Wundengeheilt bis auf die Eingangsöffnung, welche noch lange fistulöseEiterung unterhält und erst am 14. April 1871 die Entlassung desW. ermöglicht. Das Fussgelenk ist beweglich, das Gehen erschwert.(Vergl. Lossen, Deutsche Zeitschrift für Chirurgie, 1873, IL Band,S. 146, No. 5.)

8 Monate.

230.

R. W., Wehrmann vom 1. kom-binirten Posenschen Landwehr-Regiment No. 19/59, verwundetam 1. September 1870: Gewehr-schussbruch des rechten Unter-schenkels.

Am 7. Dezember 1872: Am rechten Unterschenkel auf dervorderen und äusseren Seite eine Narbe, eine zweite an der Hinter-seite der Wade. Bei Druck auf die Muskulatur quillt ein Theilderselben in die sich blasenförmig ausdehnende andere Narbe. Mitder Fingerspitze fühlt man deutlich die Oeffnung in der Faszie.Wadenbein aufgetrieben, durch Kallusmassen verdickt. Muskulaturder Waden gleich. Rechts Neuralgie im Hüftnerv, so dass Ver-letzung des N. peroneus angenommen wird. Die Knochenauftreibunghindert die Bewegung der Muskulatur etwas. Dauernd ganzinvalide,zeitig theilweise erwerbsunfähig.

2. Gestorbene.

a. Schien- und Wadenbein.

231.

H. B., vom Hannoverschen Füsi-lier - Regiment No. 73, verwundetam 14. August 1870 bei Colombey—Nouilly: Gewehrschuss durch dierechte Wade und Bruch des linkenSchien- und Wadenbeins im mitt-leren Drittel durch dieselbe Kugel.

Nach der Verwundung ist B. noch im Stande mit geringer Ab-weichung der Bruchstelle den Unterschenkel zu heben. Am 6. Tagewird bei gutem Allgemeinbefinden ein gefensterter Gypsverbandangelegt. Ende der 2. Woche Fieber; ohne sichtbare Verschlimmerungder Wunde wird das Fieber in den nächsten Tagen stärker undzeigt Abends hohe Steigerungen. Am 30. Tage ist das Bewusstseinbenommen; heftige Durchfälle sind vorhanden; die Wunden jauchen,ß. bietet fortan das ausgeprägte Bild des Typhus, verfällt immermehr und stirbt am 34. Tage.

Sektion: Schrägbruch beider Unterschenkelknochen; keineKallusbildung; zwischen den Bruchstücken Jauche. Im DarmSchwellung sämmtlicher Follikel und beginnende Geschwürsbildung.

149*

34 Tage.