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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
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Achtes Kapitel.Verwundungen des Oberarms.

I. Anatomisches und Statistik.

Bei den Wunden des Oberarms, soweit sie hier denGegenstand der Besprechung bilden sollen, sind die-jenigen nicht in Betracht gezogen, welche die Schulter-gegend 1 ) betroffen oder zur Verletzung des Schulter- oderEllenbogengelenks-) geführt haben. Die blossen Weich-theilverletzungen des Oberarms sind im Allgemeinen über-haupt unberücksichtigt geblieben; in der nachfolgendenKasuistik haben nur 11 Krankengeschichten Aufnahme ge-funden, welche Beispiele für die in Spalte 7 der nach-stehenden (S. 831) Tabelle II angeführten Nervenver-letzungen darbieten und Ergänzungen zu den im VII. Bandedieses Berichtes besprochenen nervösen Störungen nachSchussverletzungen bilden. Gegenstand der Darstellung sindsomit fast ausschliesslich die Verletzungen des Oberarm-knochens und zwar nur desjenigen, kurzweg als Schaftbezeichneten Theiles desselben, welcher nach oben durchdie Epiphysenlinie, nach unten durch die obere Linie derüberknorpelten Gelenkflächen begrenzt wird. Letztere Linieliegt etwas tiefer als die von der oberen Grenze der Knorpel-fläche etwa 1 cm entfernte untere Epiphysenlinie. Die Epi-kondylen sowie die vordere und hintere, zur Aufnahme derentsprechenden Fortsätze der Elle bestimmte Grube, obwohlunterhalb der Epiphysenlinie befindlich, inussten doch zumSchaft gerechnet werden, weil sie ausserhalb der Gelenk-kapsel liegen.

Die zur genaueren Bestimmung des Ortes der Ver-letzung seitens der Feldärzte hauptsächlich benutzteEintheilung des Schaftes in Drittel ist in der nach-stehenden Kasuistik beibehalten. Das obere Drittel reichtbis zur Ansatzstelle des Deltamuskels herab, das untereDrittel bis 10 cm nach aufwärts von der oberen Grenzeder Knorpelfläche, der dazwischen liegende Theil bildetdas mittlere Drittel. Diese Eintheilung ist nicht mathe-matisch genau. Beispielsweise betrug an einem, zur Prü-fung dieser Verhältnisse gemessenen, 31 cm langen Ober-arinschaft das obere Drittel im soeben erörterten Sinne12 cm, das mittlere 9 cm, das untere 10 cm.

Die Markhöhle beginnt am oberen Drittel (nachMessungen an mehreren Präparaten der kriegschirurgischenSammlung des Friedrich-Wilhelms-Instituts) durchschnittlich4 cm unterhalb der oberen Epiphysenlinie 3 ); im Bereiche

J ) Vergl. S. 391 dieses Bandes.

2 ) Vergl. VII. Kapitel dieses Bandes, II. und III. Abschnitt.

3 ) Vergl. hierzu IV. Band dieses Berichtes, S. 21 (IntermediärerRaum 1 ').

dieser 4 cm wird die Rindenmasse nach oben zu immerdünner bis zu kaum 1 mm Dicke, während die schwammigeSubstanz entsprechend an Mächtigkeit zunimmt. Am un-teren Gelenkende bestehen die Epikondylen aus schwam-miger Masse und sind mit dünner Rindensubstanz um-kleidet. Der Markraum reicht hier bis an die Scheide-wand zwischen den beiden Gruben heran, enthält auch inseinem untersten Abschnitt nur wenige Knochenbälkchen,so dass von schwammiger Substanz keine Rede sein kann,und ist, ebenso wie im mittleren Drittel, durchweg vonfester, mehrere Millimeter dicker Rinde eingeschlossen.Da die Scheidewand zwischen den beiden Gruben gleichfallsaus fester Knochenmasse besteht, so reicht die letztere bisunmittelbar an die (Gelenkflächen heran, ohne wie am oberenDrittel einen allrnäligen Uebergang in die schwammigeSubstanz der Gelenkenden zu bilden. Es lässt sich dahererwarten, dass am oberen Drittel mehr örtlich beschränkteWirkungen der Geschosse beobachtet werden können, dassdagegen an den beiden unteren Dritteln Sprengwirkungund keilförmige Wirkung in gleichem Maasse Splitterungherbeiführen werden, dass ausserdem gelegentlich eine be-schränkte Absprengung der Epikondylen vorkommen kann.Die Präparate der kriegschirurgisehen Sammlung dienendiesen Verhältnissen zur näheren Erläuterung.')

Allgemeine Statistik der Oberarnwunuen.

Unter den in ärztliche Behandlung gelangten99 566 Verwundungen bei Deutschen befinden sich imGanzen 32 307 Verwundungen der oberen Gliedmaasseneinschliesslich der Schulter (mit 1607 Todesfällen) 2 ); ziehtman davon 3481 Weichtheilwunden der Schultergegend (mit239 Todesfällen) 3 ) und 2033 Verwundungen der oberenGelenke (mit 490 Todesfällen) 4 ) ab, so bleiben 26 793 Wun-den des Oberarms, des Unterarms und der Hand (mit878 Todesfällen) übrig. Durch Zählkarten u. s. w. sindgenauer nachgewiesen:Wunden des Oberarms ... 3 041 mit 490 Todesfällen,

des Unterarms

2 057 197

der Hand und Finger 7 109 186

Summe . 12 207 mit 873 Todesfällen, 5 )

i) Siehe IV. Band dieses Berichtes, S. 22 ff.

2 ) Vergl. Tabelle I auf S. 1 dieses Bandes.

3 ) Vergl. Tabelle I auf S. 392 dieses Bandes.

4 ) Vergl. Tabelle I auf S. 668 dieses Bandes.

5 ) Nachdem die Durchsicht des gesammten Materials (vergl.Vorwort zum II. Band dieses Berichtes) für die Zwecke des II. Bandes