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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
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Siebentes Kapitel.Verwundungen der grossen Gelenke.

Erster Abschnitt.Allgemeines über Grelenkwunden. 1 '

I. Bedeutung der Geleiikwuiideii. Geschichtliches über die Behandlung derselben.

Unter den Verwundungen insbesondere den Schuß-wunden der Gliedinaassen kommt denjenigen der grossenGelenke eine eigenartige Stellung und eine besondere Be-deutung zu, sowohl hinsichtlich der Frage der Lebens-erhaltung als auch mit Rücksicht auf die Brauchbarkeitder geheilten Glieder. Dieser Umstand hat dazu veranlasst,die Besprechung der Gelenkverletzungen soweit es sichum die (> grossen Gelenke handelt von derjenigen dersonstigen Gliedmaassen-Verwundungen zu trennen und ineinem eigenen Kapitel zusammenzufassen.

Die Besonderheit der in Rede stehenden Wunden wirddurch die anatomischen Verhältnisse und die Bedingungender physiologischen Leistung der Gelenke leicht verständlich.Während bei Verletzung des Gliedschaftes die Grösse derWunde im Allgemeinen lediglich dem Umfange des Gewebs-verlustes entspricht, ist bei den Gelenken nicht nur dergetroffene Theil, sondern ausserdem auch die gesammteWandung der eröffneten Gelenkböhle alsWunde" an-zusehen. Die Beschaffenheit der inneren Kapselhaut be-günstigt in hohem Grade die Entstehung von Eiterung, dieZurückhaltung und Zersetzung des Eiters, schliesslich dieInfektion des ganzen Organismus. Daraus ergiebt sich derhöhere Grad von Gefahr, mit welcher Gelenkwunden dasLeben bedrohen. Des Weiteren erlangen zerschosseneLängsknochen durch Zusammenheilen wieder die Fähigkeit,die Weichtheile zu stützen, während mit der Zusammen-heilung knöcherner Gelenkenden die Thätigkeit der Gelenke

J ) Weder mit diesem ersten Abschnitt noch mit dem Text derfolgenden Abschnitte wird eine systematische Darstellung im Sinneeines Lehrbuches beabsichtigt, sondern nur eine Zusammenfassung der-jenigen Punkte, zu deren Erörterung die Kasuistik dieses Kapitelsnäheren Anlass giebt.

SaoitKts-Bexicht über die DeuUcheii Heere 1870/71. 111 Bd. Spez. Theil.

vernichtet ist und die kunstreiche Mechanik dieser Körper-theile auch durch geringere Abweichungen von der gesundenBeschaffenheit erhebliche Einbusse erleidet.

Die erste Aufgabe freilich ist, wie bei allen Ver-wundungen so auch bei solchen der Gelenke, die Erhaltungdes Lebens.

Die grosse wissenschaftliche; That Ambroise Pard's,die Neueinführung der Gefäss-Unterbindung, wurde zunächstfür die Wundbehandlung überhaupt und für die Behandlungder Gelenkschusswunden im Besonderen entscheidend. Nach-dem es auf dem von Pare gezeigten Wege möglich ge-worden war, ohne Gefahr der Verblutung schwere Gelenk-wunden durch Amputation in einfache Schnittwunden zuverwandeln, opferte man allmälig fast nach jeder Gelenk-verwundung das Glied und hielt dieses Verfahren langeZeit hindurch für nahezu unerlässlich zur Erreichung jeneshauptsächlichsten Zieles; gelegentliche Heilungen ohneOperation galten als Glückszufälle.

Bilguer war der Erste, welcher bei Verwundungender Gliedniaassen überhaupt und bei Gelenk wunden imBesonderen neben der Erhaltung des Lebens auch die-jenige des verletzten Körpertheiles mit Bewusstseinvon Neuem anstrebte. Er entfernte die losen Knochen-stücke und Fremdkörper, spaltete die Kapsel, um demEiter freien Abfluss zu verschaffen und verband untersorgsamer Anwendung fäulllisswidrigeL Mittel wie Mastix,Terpentin, Alkohol, Essig u. a. 1 )

In einer wenig bekannten kleinen Schrift hat derGeneralstabsarzt v. Gräfe im Jahre 1827 über ein denk-

] ) Vergl. zu dem Vorangegangenen H. Fischer, Kriegschirurgie,2. Aufl., II. Bd, S. 796.

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