BandHI. Spez. Theil.
Kasuistik.
1189
L-
l-J
LaufendeNo.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
235.
K. Gr., vom Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment No. 2, ver-wundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Bruch des linken Schien-und Wadenheins im unteren Dritteldurch Gewehrschuss. AusserdemBruch des rechten Wadenbeinsdurch Gewehrschuss und Prell-schuss an die rechte Seite.
Nach der Verwundung wird ein Schienenverband angelegt, wegenSchmerzen aber später mit Heister'scher Lade vertauscht. In der2. Woche durchbohrt ein Knochensplitter die Haut. Am 15. Tageverspürt G. in der linken Wange Schmerzen und erhält Chloral-hydrat. Tags darauf sind die Kaumuskeln steif. Die Entfernungeines 10 cm langen Knochensplitters und Gaben von Chloral bessernden Zustand nicht. Am 17. Tage stellen sich Zuckungen derNacken- und Rückenmuskeln ein, das Athmen ist zeitweise er-schwert, Schlucken aber bei bestehender Zusammenziehung derKaumuskeln noch gut möglich. Unter Zunahme der Kieferklemmeund der allgemeinen tetanischen Erscheinungen geht G. 7 Tagenach dem Auftreten der ersten Krankheitserscheinung zu Grunde.
22 Tage.
236.
A. K., vom 3. Garde-Regiment zuFuss, verwundet am 30. Oktober1870 bei Le Bourget: Bruch deslinken Schien- und Wadenbeins imunteren Drittel durch Gewehrschuss.Eingangsöffnung vorn am Schien-bein, Ausgangsöffnung oberhalb desäusseren Knöchels.
Am 2. Tage wird ein gefensterter Gypsverband angelegt, jedochschon 3 Tage später wegen Sehmerzen wieder abgenommen. Am9. Tage tritt eine heftige Blutung auf, welche zwar durch Druckgestillt wird, aber schon am nächsten Tage durch Erschöpfungzum Tode führt.
10 Tage.
237.
M. L., Unteroffizier vom Grena-dier-Regiment Kronprinz (l. Ost-preussisehes No. l), verwundet am31. August 1870 bei Noisseville:Bruch des rechten Schien- undWadenbeins im oberen Drittel durchGewehrschuss. Eingangsöffnung hin-ten 12 cm, Ausgaugsöffnung innen3 cm unter dem Knie.
L. wurde erst am 1.September vom Schlachtfelde getragen; gleichdanach Entfernung zahlreicher Splitter. In den ersten Tagen ver-schlimmert sich das Allgemeinbefinden unter starker Anschwellungdes Kniees dermaassen, dass die Absetzung des Unterschenkels inAussicht genommen werden musste. Da letztere verweigert wurde,kam Kälte und ausgedehnte Karbolbehandlung in Anwendung,welche jedoch Zunahme der Schwellung und das Auftreten vonFrösten am 13. Tage nicht zu verhindern vermochte. Tags daraufwurden Unterschenkel und Fuss brandig und am IG. September1870 erfolgte der Tod.
16 Tage.
238.
i
i
F. R., Lieutenant, verwundet am16. Dezember 1870: Bruch deslinken Schien- und Wadenbeins immittleren Drittel durch Gewehr-schuss. Eingangsöffnung vorn amSchienbein, Ausgangsöffnung hintenaussen 5 cm unter der Eingangs-öffnung.
Das Schienbein ist schräg gebrochen, das obere Bruchstück längsder Kante über das untere verschoben; der Spitze des oberen Bruch-stückes entsprechend findet sich eine 3 cm lange, von Durchbohrungherrührende Hautwunde; Wadenbein ist quer gebrochen. Der Unter-schenkel wird in einem Gitterverband aus Telegraphendraht fest-gestellt und hochgelagert. Bis zum 8. Tage ist die Eiterung gut,einzelne grössere und kleinere Knochensplitter stossen sich aus derEingangsöffnung aus. Von jetzt ab wird die Absonderung trotztäglich mehrmals erneuten Karbolverbandes dünnflüssig, schwarz-grün und übelriechend. Gleichzeitig schwillt das Bein an, die Granu-lationsfläche wird rosaroth, glänzend und flach. Schüttelfröste stellensich rasch ein, trockener Husten, anhaltend hohes Fieber, übel-riechende dünne Stühle, mit blutigen Fetzen untermischt, folgenund schwächen in so hohem Grade die Kräfte des R., dass schonam 15. Tage der Tod an Pyämie eintritt.
Sektion: Die Markhöhle des zerschmetterten Schienbeins istmit schwarzgrüner, stinkender Masse bis zu den Epiphysen hingefüllt. In den Blutadern dünnflüssiger, röthlichgelber, trüberInhalt, die innere Haut ist rauh. In der Vena iliaca externa undVena femoralis finden sich auch einzelne Gerinnsel. In beidenBrustfellhöhlen serös-eitrige Flüssigkeit. Keile in den Lungen,Milz und Leber. Auf der Darmschleimhaut ein grauweisser Belag,darunter starke Gefässfüllung, Schwellung oder Geschwürsbildung.
15 Tage.
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