1186
XT. Kapitel: Verwundungen des Unterschenkels und des Pusses.
Band III. Spez. Theil.
Laufende
No.
222.
223.
224.
225.
226.
,/
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
K. Seh., vom 8. Brandenburgi-schen Infanterie-Regiment No. 64(Prinz Friedrich Carl von Preussen),verwundet am 16. August 1870 beiMars la Tour: Schussbruch desWadenbeins im mittleren Dritteldurch Vollgranate.
Verlauf, spätere Zustände u. s.w.
Die stark zerfetzte "Wunde beginnt 6 cm unter dem Knie undreicht bis 9 cm über dem Knöchel. Der grösste Theil der Wade,die Mm. tibialis anticus, extensor digitorum longus, extensor hallucislongus und die beiden peronei sind weggerissen. Das Wadenbeinist gebrochen und das Schienbein in grosser Ausdehnung freigelegt.Die rasch auftretende, starke und übelriechende Eiterung wirddurch Dauerbäder, sowie Chlorkalkcharpie mit Erfolg bekämpftund nach Abstossung vieler Splitter vom Wadenbein eine reine,gut aussehende Wundfläche erzielt. Anfangs des 3. Monats ist derBruch verwachsen, beide Unterschenkelknochen sind mit gutenGranulationen überdeckt. 6 Wochen später hat sich die Wundebis auf Handtellergrösse verkleinert.
Am 10. Januar 1871 kann Seh. bei gutem Allgemeinbefindenund mit Aussicht auf baldige Vernarbung nach rückwärts transportirtwerden. Ausgedehnte, tiefe Narbe.
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4'/» Monate.
N. Seh., Unteroffizier vom 4. Rhei-nischen Infanterie-Regiment No. 30,verwundet am 22. Oktober 1870:Bruch des rechten Wadenbeins immittleren Drittel durch Gewehr-schuss. Eingangsöffnung an der in-neren Schienbeinkante, Ausgangs-öffnung aussen, 5 cm tiefer alsEingangsöffnung.
K. Seh., Unteroffizier vom 4.Bran-denburgischen Infanterie-RegimentNo. 24 (Grossherzog von Mecklen-burg-Schwerin), verwundet am16. August 1870 bei Mars la Tour:Splitterbruch des rechten Waden-beins im unteren Drittel durch Ge-wehrschuss. Eingangsöffnung innen,Ausgangsöffnung aussen.
In der 3. Woche kommt es unter starker Eiterung und Aufschwellungdes Unterschenkels und des Fusses zur Bildung einer Zellgewebs-entzündung, in Folge derselben zu Einschnitt und Entfernung vonKnochensplittern und Bleistücken. Nachdem hierauf rasch Besse-rung eingetreten war, stört eine Zellgewebsentzündung in der7. Woche nochmals den sonst guten Verlauf, trotzdem aber istSeh. 14 Tage später im Stande, Gehversuche zu machen. Ueberführungin ein rückwärts gelegenes Lazareth am 8. Januar 1871. (Vergl.v. Beck, S, 726, No. 1.)
Im gefensterten Gypsverband kommt in der 7. Woche guteKnochenneubildung zu Stande, doch müssen Eiterherde geöffnetund abgestorbene Splitter entfernt werden. In der 3. bis 6. Wochewaren mehrmals kleinere Splitter entfernt worden. Nach noch-maliger Zellgewebsentzündung in der 9. Woche Heilung am6. Februar 1871. Grosse Empfindlichkeit.
2'/« Monate.
5 2 A Monate.
H. S., vom HannoverschenFüsilier - Regiment No. 73, ver-wundet am 14. August 1870 beiColombey — Nouilly: Bruch deslinken Wadenbeins im unterenDrittel durch Gewehrschuss. Ein-gangsöffnung 3 cm über demäusseren Knöchel, Ausgangsöffnunghinten.
Unter heftigen Schmerzen tritt alsbald starke Eiterung ein,welche erst nachlässt, nachdem am 10. Tage bei Ausspülung derWunden Leder- und Tuchfetzen, sowie Blei- und Knochenstückeentfernt worden sind. In der 5. Woche kommt es zur Entzündungdes Fussgelenks, doch ist der Ausgang günstig. In der 18. Wo^hezerstört Hospitalbrand in ausgedehnter Weise die Mm. gastro-knemius, tibialis posticus und peroneus tertius; durch kräftige An-wendung des Glüheisens wird weiterer Verbreitung Einhalt gethan.Ende März 1871 erfolgt nach langwierigem Verlauf die Entlassungdes S. mit gut granulirenden Wunden.
II. S., vom 4. Thüringischen In-fanterie - Regiment No. 72 , ver-wundet am 16. August 1870 beiMars la Tour: Bruch des linkenWadenbeins im unteren Dritteldurch Gewehrschuss.
In der 2. Woche geht eine unter bedeutenden Schmerzen ent-standene starke Anschwellung der Wade unter Anwendung feuchterWärme zurück, worauf 14 Tage später sich mehrere Knochensplitterabstossen. In der 8. Woche ist zwar der Bruch gut verwachsen,doch fesseln neuralgische Schmerzen den S. noch 4 Wochen langans Bett. Am 12. Dezember 1870 wird S. geheilt entlassen.
7* M fs^te.nate.
3*/5 Monate.