LaufendeHo.
206.
(Fortsetzung.)
207.
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.
A. C, vom 2. Garde-Regiment zuFuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Splitterbruchdes rechten Wadenbeins im oberenDrittel durch Gewehrschuss. Ein-gangsöffnung an der Wade, Aus-gangsöffnung vorn 7 cm unterhalbdes Wadenbeinköpfchens.
zackförmig und wird mit zunehmender Dunkelheit noch unsicherer.B. geht ziemlich breitbeinig, die Kniee stark nach hinten durch-gedrückt. Die Füsse werden beim Gehen ruckweise nach vorngeschleudert und unter Stampfen mit der Ferse auf den Fussbodenaufgesetzt. Sehr erschwert ist das Hinauf- und Hinabsteigen derTreppen, namentlich der geländerlosen; eine Kehrtwendung kannnicht ausgeführt werden. B. geräth heftig ins Schwanken undglaubt hinzufallen, wenn er im Gehen rückwärts sehen will. Erknickt sehr häufig beim Gehen in den Knieen ein. Sitzt er, sowerden die Beine oft ruckweise fortgeschleudert unter starkenSchmerzen im Verlauf der Hüftnerven. Bei geschlossenen Augenvermag er nicht, nachdem man ihm das eine Bein hochgehobenhat, das andere ebenso hoch zu erheben, auch nicht anzugeben,wenn man beide Beine verschieden stark gebeugt hat, welchesstärker gebeugt ist, auch vermag er nicht seine Finger zu finden,wenn man ihn veranlasst, dieselben gegen einander bis zurBerührung zu bewegen. Der Kniescheibensehnenreflex fehlt beider-seits vollständig. Streicht man über die innere Seite beider Ober-schenkel, so wird kein Reflex ausgelöst. Eine Herabsetzung desGefühls besteht an den Bauchdecken vom Nabel abwärts und anbeiden Oberschenkeln vorn und hinten. Das Kitzelgefühl ist anbeiden Fusssohlen erheblich vermindert. Berührung der Fuss-sohlen mit einem Stecknadelknopf wird nur bei starkem Druckgefühlt; sticht man die Fusssohlen mit der Nadelspitze, so merktman, dass die Empfindung hierfür bedeutend verlangsamt ist;Schmerzen werden danach nicht geäussert. Temperatursinn an-scheinend normal. B. giebt an, dass er beim Gehen das Gefühlhabe, als trete er auf Filz. Ganz besonders klagt er, beiWitterungswechsel Schmerzen zu empfinden, die beide Beine, zu-weilen auch beide Arme blitzartig durchschiessen. Ferner klagter über Taubheit in den Fingerspitzen, welche ihm das Fassen vonkleinen Gegenständen erschwert; am meisten wird er dadurch beimZuknöpfen der Kleidungsstücke belästigt. Gürtelgefühl will erjetzt nicht haben. Sehr häufig läuft es ihm eiskalt über den Bücken;er friert sehr leicht, schwitzt aber schon bei geringen Anlässen, sodass er sich tagsüber mehrmals umziehen muss. Die Verdauungsoll gut sein; in der letzten Zeit will er bemerkt haben, dass er oftnicht weiss, ob die Entleerung der Blase beendet ist oder nicht.Er klagt über häufige, langdauernde, schmerzhafte Erektionen,namentlich des Morgens, in der Regel ohne Samenerguss. Druck-punkte an der Wirbelsäule fehlen, Bauch- und Brusteingeweide sindnormal. An den Kopforganen lässt sich nur nachweisen, dass diePupillen ziemlich klein sind und sich träge erweitern. Kopf-schmerzen bestehen nicht. Der Schlaf soll zuweilen durch schmerz-hafte Zuckungen der Glieder gestört sein. — B., welcher niespezifisch erkrankt war, leidet also an grauer Entartung derHinterstränge des Rückenmarks (tabes dorsalis), welche als eineFolgeerscheinung der im Jahre 1870 erlittenen Schussverletzungaufzufassen ist. Einfach verstümmelt.
Das Wadenbein ist in grosser Ausdehnung zersplittert; nach derVerwundung und in der 6. Woche werden mehrere Splitter entfernt.Ruhrartige Durchfälle, sowie eine heftige Zellgewebsentzündungunter dem Muse, gastroknemius stören längere Zeit den sonst gutenWundverlauf. Heilung am 2. April 1871.
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4 V2 Monate.