1180
XI. Kapitel: Verwundungen des Unterschenkels und des Fusses.
Bandlll. Spez. Theil.
Laufende
No.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
201.
E. W., vom Sächsischen 4. Infan-terie-Regiment No. 103, verwundetam 29. August 1870 bei Nouart:Gewehrschussbruch des linkenSchienbeins im unteren Drittel.Eingangsöffnung vorn, Ausgangs-öffnung hinten.
Die Kugel wird beim Entkleiden des Verwundeten in der Aus-gangsöffnung liegend gefunden und entfernt. Am 3. Tage Anlegungeines Gypsverbandes, welcher jedoch nach 12 Tagen wegen Eiter-durchtränkung wieder abgenommen werden muss. Die genaueUntersuchung ergiebt einen Schrägbruch des Schienbeins mit starkvorragenden scharfen Spitzen und zahlreichen kleinen Splittern inder Tiefe. Letztere werden theilweise entfernt. Der erneute Gyps-verband wird in der 4. Woche wegen starker Eiterung abgenommenund der Unterschenkel nach erneuter Herausnahme von Splitternin Heister'sche Lade gelegt. Das obere Bruchstück ist dabeinoch beweglich, der Unterschenkel um 6 cm verkürzt. ZehntägigeStreckung in Heister'scher Lade und darauf folgender gefensterterGypsverband bringen zwar die Verwachsung zu Stande, vermögenaber die Verkürzung nicht zu beseitigen. Nach fistulöser Eiterung,Ausstossung kleiner Knochensplitter tritt am 1. Juni 1871 Heilungein. Fussgelenk wenig beweglich, Schwäche des Beins. Gehvermögenziemlich schlecht.
9 Monate.
202.
A. W., vom l.NiederschlesischenInfanterie - Regiment No. 46, ver-wundet am 6. August 1870 beiWörth: Splitterbruch des linkenSchienbeins im oberen Drittel durchGewehrschuss. Eingangsöffnunginnen 10cm unter dem Knie, Aus-gangsöffnung fehlt.
Die Kugel angeblich nicht entfernt. Gute Verwachsung desBruches tritt ein, doch besteht lange Zeit fistulöse Eiterung. ImMärz 1873 werden aus der Eingangsöffnung 10 Knochensplitterherausgenommen, danach rasche Vernarbung. Nach kurzer Zeitbilden sich wieder Eiterherde, die Narbe bricht wieder auf, bisendlich am 12. August 1873 endgiltig Heilung zu Stande kommt.Schienbein aufgetrieben. Ausgedehnte Narben, darunter eine 12 cmlange mit der Achillessehne verwachsen. Unterschenkelmuskulaturabgemagert. Gang stark hinkend, nur mit Stock möglich.
36 Monate.
203.
A. "W., Unteroffizier vom Hessi-schen Füsilier - Regiment No. 80,verwundet am 6. August 1870 beiWörth: Gewehrschussbruch deslinken Schienbeins im unterenDrittel.
Am 4. Tage wird ein gefensterter Gypsverband angelegt; Ver-binden der Wunden mit Karbol. Am 14. Tage tritt Kiefer -klemme auf, welche mehrere Tage anhält, aber allmälig sich ver-liert. Wegen stärkerer Eiterung muss der Unterschenkel in Draht-schiene gelagert werden, kann aber schon am 25. Tage wiedereingegypst werden. Da durch Herauseitern von Knochensplitternzwei neue Wunden entstehen, wird der Gypsverband mit zweiseitlichen Schienen angelegt, so dass die vier Wunden frei bleiben.Am 12. September wird W. bei gutem Allgemeinbefinden und mitgut granulirenden Wunden rückwärts befördert. (Vergl. v. Beck,S. 339, No. 5 und VII. Bd. dieses Berichtes, IV. B., S. 149.)
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204.
G. W., vom 4. Garde-Regimentzu Fuss, verwundet am 18. Januar1871: Gewehrschussbruch deslinken Schienbeins im oberenDrittel. Eingangsöffnung vorn,Ausgangsöffnung fehlt.
Das Geschoss wird an der Wade herausgeschnitten. WegenSchwellung wird in der 6. Woche der Gypsverband weggelassenund die übelriechende Eiterung mit übermangansaurem Kali be-kämpft. In der 10. bis 12. Woche kommt es zur Entfernung vonvielen kleinen und grossen Splittern und Kugelstücken. Von jetztab nimmt die Absonderung ein gutes Aussehen an; im Juli 1871kommt feste Vernarbung zu Stande.
6 Monate.