Band III. Spez. Theil.
Kasuistik.
1179
Laufende
No.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
197.
C. St., vom 1. Hanseatischen In-fanterie-Regiment No. 7 5, verwundetam 5. September 1870: Gewehr-schussbruch des linken Schienbeinsim mittleren Drittel. Eingangs-öffnung an der Schienbeinkante,Ausgangsöffnung fehlt.
Die Entfernung der einen Hälfte des Geschosses, sowie einigerKnochensplitter nach innen von der vorderen Schienbeinkante rufteine ziemlich starke Blutung hervor. Beträchtliche Eiterabsonde-rung verursacht ausgedehntes Ekzem und zwingt am 16. Tage denGypsverband mit Drahthose zu vertauschen. In der 8. Woche wirddie zweite Hälfte der Kugel entfernt. Der Bruch ist verwachsen. Vonder 10. Woche ab beginnt der grosse Defekt an der Innenflächedes Schienbeins sich zu verkleinern, doch kommt St. erst am15. April 1871 fast geheilt zur Entlassung. Kleine Knochenfistel.Freie Gebrauchsfähigkcit. (Vergl. Koch in v. Langenbeck'sArchiv, Bd. XIII, S. 516, No. 61).
7 7a Monate.
198.
M. T., vom 3. OstpreussischenGrenadier - Regiment No. 4, ver-wundet am 18. Januar 1871 : Ge-wehrschuss-Splitterbruch des rech-ten Schienbeins im unteren Drittel.Eingangsöffnung vorn zwischenSchien- und Wadenbein 6 cm überdem Fussgelenk, Ausgangsöffnunghinter dem Schienbein.
Während der ersten 4 Wochen liegt der Unterschenkel im Gyps-verband, die Eiterung ist massig, Splitter werden öfters entfernt.In den nächsten 14 Tagen stören Eitersenkungen im unteren Dritteldes Unterschenkels das gute Allgemeinbefinden und orfordern aus-gedehnte Einschnitte. In der 7. Woche ist Verwachsung eingetretenmit sehr starkem Kallus, in welchem jedoch zahlreiche Sequestereingebettet liegen und bis zur 11. Woche nochmals heftige Ent-zündungen hervorrufen. Mehrere Sequester von bedeutender Grössewerden im Laufe der kommenden 4 Wochen entfernt. In der16. Woche folgt auf Gehversuche mit Krücken lebhafte Entzündungdes Schienbeins, worauf bis zur 25. Woche fast fortwährend Splittersich abstossen und Fistelgänge hinterlassen. Unter längerem Ge-brauche von Mutterlauge und Bädern bessert sich endlich der Zu-stand von der 34. Woche ab; nach langwierigem Verlaufe kommtEnde Februar 1872 Heilung zu Stande. Fussgelenk frei beweglich.
13'A Monate.
199.
C. T., vom 5. BrandenburgischenInfanterie - Regiment No. 48, ver-wundet am 6. August 1870 beiSpicheren: Gewehrschuss-Splitter-bruch des rechten Schienbeins imoberen Dritte] Eingangsöffnungvorn v Auagangsöffnung hinten.
Die Kugel dringt an der vorderen Seite unmittelbar in das Schien-bein, zerschmettert den Knochen und tritt an der Wade aus. Wäh-rend des Wundverlaufes werden 3 Eiterherde gespalten und un-gefähr 15 Splitter entfernt. Heilung am 12. Dezember 1870. StarkerKallus, bogenförmige Missgestaltung mit der Konvexität nach aussen.Festgewachsene Narben. Kniegelenksbänder erschlafft. Gehen ohneStock unmöglich.
4 V« Monate.
200.
G. IL, vom Grenadier-RegimentPrinz Carl vonPreussen (2.Branden-burgisches) No. 12, verwundet am6. August 1870 bei Spicheren:Doppelschussbruch des rechtenSchienbeins im mittleren und oberenDrittel.
Eine Gewehrkugel zersplittert das rechte Schienbein in der Mitte;während U. am Boden liegt, bricht eine zweite Kugel auch dasrechte Schienbein dicht unter dem Knie, die Splitterung undLängsspaltung ist bedeutend. Nach einigen Tagen fangen dieWunden an, stark zu eitern, mehrere Splitter werden entfernt,aus dem oberen Schusskanal auch ein Kugelstück. Anfangs des5. Monats sind die Brüche verwachsen, die untere Wunde ist vernarbt,während die obere noch mehrere tiefe Fisteln zeigt. 14 Tagespäter verursacht hinzutretender Hospitalbrand bedeutende Zer-störung der Weichtheile in der ganzen Umgegend der Wunde, sodass vollständige Vernarbung, ohne von weiteren Zwischenfällenbeeinträchtigt zu werden, erst am 8. September 1871 eintritt.Schienbein säbelartig gebogen, in seiner ganzen Ausdehnung ver-dickt. In der oberen Hälfte befindet sich eine Knochenrinne. Aus-gedehnte verwachsene Narben. Gehen ist gleichwohl möglich.
13 Monate.
148*