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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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XI. Kapitel: Verwundungen des Unterschenkels und des Fusses.

Bandlll. Spez. Theil.

LaufendeNo.

192.

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.

F. Seh., vom Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment No. 2, ver-wundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Gewehrschuss-Splitter-bruch des Schienbeins im mittlerenDrittel. Eingangsöffnung vorn innen,Ausgangsöffnung fehlt.

193.

Im 1. Monat ist die Eiterung massig. Ende der 5. "Woche hatdie Wunde noch einen Durchmesser von 5 cm, der Bruch ist inFolge Verschiebung der Bruchenden noch nicht verwachsen, in derTiefe von 3'/2 cm liegen Knochensplitter. In der 8. Woche wirdder seit 3 Wochen liegende Wasserglasverband wegen Schmerzenabgenommen, wobei die beiden Bruchstücke stark gegen die Hautdrängend vorgefunden werden. Obgleich die Einrichtung nichtvollständig möglich ist, wird der erneute Verband doch gut ver-tragen. In den nächsten 14 Tagen öftere Entfernung von Kugel-stücken und vielen Splittern. Da in der 11. Woche die Bruchendennoch beweglich sind, werden sie an einander gerieben und durcheinen Gypsverband festgestellt. Tags darauf tritt ein Schüttelfrostein, welcher ein 3 Tage dauerndes hohes Fieber einleitet. DasAllgemeinbefinden verschlechtert sich, die Wunden werden grösser,Hospitalbrand tritt auf. Nach Aetzung mit rauchender Salpeter-säure rasche Besserung. In der 20. Woche wird ein haselnuss-grosses, würfelförmiges abgestorbenes Knochenstück entfernt in der25. Woche das Schienbein gut befestigt befunden. Zwei Fistelnführen noch auf rauhen Knochen. Von jetzt an langsame Besserungund nach Entfernung kleiner Splitter Heilung am 3. Juli 1871.Knochendefekt, kallöse Verdickung in der Mitte des Schienbeins.Trichterförmig eingezogene Narbe. Gehen mit Hilfe von StöckenI möglich.

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

lOVsMonate.

A. Seh., Unteroffizier vom 2. Schle-sischen Grenadier-Regiment No. 11,verwundet am 1. September 1870:Gewehrschuss - Splitterbruch deslinken Schienbeins im unterenDrittel. Eingangsöffnung aussen,Ausgangsöffnung vorn innen.

Starke Splitterung des Schienbeins. Am 2. Tage wird ein Port'-scher Gypsverband angelegt, wegen Jauchung aber vom 5. Ins16. Tage mit Drahthose vertauscht und dann gut vertragen. Inder 5. und 6. Woche tritt starke Eiterung ein; Abszedirung undSplitterentfernung folgen. Im weiteren Verlaufe stossen sich nochhäufig abgestorbene Splitter ab. Langsame Vernarbung der Wunden.Entlassung am 27. April 1871.

194.

W. Seh., Gefreiter vom 5. Bran-denburgischen Infanterie-RegimentNo. 48, verwundet am 16. August1870 bei Mars la Tour: Gewehr-schussbruch des Schienbeins imoberen Drittel. Eingangsöffnung amKnorren des Schienbeins, Ausgangs-öffnung an der Wade.

195.

196.

R. S., Füsilier vom WestfälischenFüsilier-Regiment No. 37: Granat-splitterverletzung des rechtenUnter-schenkels, Zersplitterung des Schien-beins. Eingangsöffnung 5 cm unterdem Kniegelenk, Ausgangsöffnung8 cm über der Ferse.

A. St., vom 4. Posenschen Infan-terie-Regiment No. 59, verwundetam 10. Januar 1871 vor Le Mans:Gewehrschuss - Splitterbruch desrechten Schienbeins im unterenDrittel. Eingangsöffnung vorn amSchienbein, Ausgangsöffnung innen.

Wegen starker Eiterung tritt am 7. Tage an Stelle des Kleister-verbandes die Bonnet'sche Drahthose, in welcher Ende der 8. Wocheder Bruch verwachsen ist. Der anfangs sehr günstige Verlauf wirdvon der 3. Woche an durch häufige Splitterausstossungen beein-trächtigt. In der 10. Woche die ersten Gehversuche; am 24. No-vember 1870 Heilung.

7 3 /4 Monate.

3 'U Monate.

Befund am 25. Januar 1872: 5 cm unter dem rechten Knie-gelenk und 8 cm oberhalb der rechten Ferse mit dem darunter-liegenden Knochen fest verwachsene Narben. Muskelschwund desUnter- und Oberschenkels: Umfang der Wade 19 cm unterhalb desoberen Randes der Kniescheibe rechts 31.5 cm, links 33 cm; Umfangdes Oberschenkels 31 cm unter dem vorderen oberen Darmbeinstacholrechts 42 cm, links 44 cm. Muskulatur rechts schlaff und weichanzufühlen. Gehen durch Schwäche des rechten Beins behindert.Dauernd ganzinvalide, zeitig grösstenteils erwerbsunfähig.

St. verträgt den Gypsverband sehr gut; viele Splitter werdenin der ersten Zeit entfernt; ein subakut auftretender Gelenk-rheumatismus wird ohne Nachtheile überstanden. In der 8. Wocheist die Befestigung noch nicht genügend, doch vermag St. 17 Tagespäter die ersten Gehversuche zu machen. Am 22. April 1871 erfolgtdie Entlassung. Gehvermögen gut.

3 Monate.