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XI. Kapitel: Verwundungen des Unterschenkels und des Fusses.
Band III. Spez. Theil.
LaufendeNo.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
172.
R. H., Sekondlieutenant, ver-wundet am 16. August 1870 beiMars la Tour: Gewehrschussbruchdes rechten Schienbeins. Eingangs-öffnung an der vorderen Schienbein-kante 6 cm oberhalb des Sprung-gelenks, Ausgangsöffnung an derinneren Fläche des rechten Unter-schenkels 1 cm höher. AusserdemFleischschuss durch die Mitte deslinken Oberschenkels und Fleisch-schuss in die linke Hinterbacke.
Befund am 27. Juli 1871: Knochen geheilt, unförmlich verdickt.Eingangswunde, oberhalb welcher sich eine senkrechte, 8 cm lange,mit dem Knochen verwachsene Narbe befindet, eitert noch. Unter-schenkel etwas verkürzt, Fuss angeschwollen, Bein abgemagert undschwach. Gehen nur mit Krücken möglich. Dauernd ganzinvalide;Störung der Bewegungsfähigkeit des rechten Fusses — zunächst fürein Jahr — dem Verlust des Gliedes gleich zu erachten.
173.
J. J., vom 6. BrandenburgischenInfanterie-Regiment No. 52, ver-wundet am 16. August 1870 beiMars la Tour: Gewehrschuss-Splitterbruch des linken Schien-beins im unteren Drittel.
In der 1. "Woche Entfernung kleiner Splitter; Drahthose. Ab-gesehen von leichter Erkrankung an Ruhr bleibt das Allgemein-befinden stets befriedigend. In der 12. Woche wird die Eiterungschlecht, übelriechend; der Schusskanal ist zwischen Schien- undWadenbein mit Knochenmasse ausgefüllt. Nach Ausräumung undAusspritzungen tritt Besserung ein, worauf ein langwieriger, mitFistelbildung verbundener Verlauf endlich am 6. Dezember 1871zur Heilung führt. Gehen nur mit Stöcken möglich.
15-AiMonate.
174.
0. K., vom LauenburgischenJäger-Bataillon No. 9, verwundetam 4. Dezember 1870 bei Orleans:Gewehrschussbruch des rechtenSchienbeins im mittleren Drittel.
Ein englischer Gitterverband vermag bis Mitte März Befestigungnicht herbeizuführen, während letztere nach genauer Vereinigungder Bruchenden und Feststellung derselben in Gypsverband am26. Mai 1871 zu Stande kommt. 3 Tage später zieht sich K. durchFall beim Gehen einen erneuten Bruch des eben verwachsenen Brucheszu, vermag aber schon nach 4 Wochen wieder Gehversuche zumachen und kann am 23. Juli 1871 geheilt entlassen werden.
7 3 /a Monate.
175.
J. K., Unteroffizier vom 1. Thü-ringischen Infanterie - RegimentNo. 31, verwundet am 30. August1870 beiBeaumont: Gewehrschuss-Splitterbruch des rechten Schien-beins im mittleren Drittel.
Auf dem Schlachtfelde wird nach Entfernung von Splittern eingefensterter Gypsverband angelegt, mit welchem K. am 20. Tage inAachen ankommt. Der Verband wird bis zur Verwachsung mehrmalserneuert, Splitter öfters entfernt und bei normalem Wundverlaufam 24. Januar 1871 Heilung erzielt. Grosse Schwache des Beines.Gehen mit einer Krücke möglich; Aussicht auf erhebliche Besserung.
4 2 /s Monate.
176.
A. K., Unteroffizier vom 1. Nieder-schlesischen Infanterie - RegimentNo. 46, verwundet am 6. August1870 bei Wörth: Gewehrschuss-Splitterbruch des rechten Schien-beins im oberen Drittel.
Anfangs wegen starker Schwellung Drahthose; am 12. Tage nachöfterer Splitterentfernung Gypsverband. In der 9. Woche wirdwegen Verschiebung der Schienbeinbruchstücke um l l /s cm dieHeister'sche Lade angewendet, nach 5 Tagen aber wieder mit Gips-verband vertauscht. Letzterer muss innerhalb 4 Wochen wegenSchmerzen 3 mal erneuert werden. Bis zur 12. Woche befriedigtder Verlauf, worauf plötzlich hohes Fieber auftritt, die Wunden sichvergrössern, schlechtes Aussehen bekommen und Druckbrand ander Ferse entsteht. Unter Verbänden mit Alkohol heilt die Druck-wunde, doch schreitet die Besserung nur langsam vorwärts. Endedes 7. Monats Absägung von Schienbeinbruchstücken, in einer Aus-dehnung von 5 cm und Feststellung durch gefensterten Gyps-verband. Die Reaktion auf die Operation ist massig, der Verlaufgünstig. Anfangs des 10. Monats unterbricht Wundrose das guteAllgemeinbefinden, so dass K. erst im 11. Monat mit Gypsverbandseine Gehversuche beginnen kann; am 11. Juli 1871 Heilung.Stärkere Missgestaltung, mehrere mit den Knochen fest verwachsene,ausgedehnte Narben. Beweglichkeit im Fussgelenk durch Zer-reissung der Sehne aufgehoben. Unterschenkel und Fuss schwellenleicht an. Gang stark behindert.
11 VcMonate.