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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
1173
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Bandlll. Spez. Theil.

Kasuistik.

1173

LaufendeNo.

1

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

2

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

4

167.

K. H., vom Ostpreussischen Jäger-Bataillon No. 1 , verwundet am14. August 1870 bei Colombey—Nouilly: Gewehrschussbruch deslinken Schienbeins im unterenDrittel.

Die Kugel bricht das Schienbein mit geringer Splitterung. Trotzsehr starker Eiterung während der ersten 4 Wochen kommt in der7. Woche Verwachsung des Bruches zu Stande. 8 Tage später wirdein grösserer Splitter entfernt, in der 10. Woche mehrere Knochen-splitter und Bleistücke ausgestossen. Heilung am 12. Januar 1871.Gehvermögen gut.

5 Monate.

168.

H. H., vom HannoverschenFüsilier-KegimentNo. 73, verwundetam 14. August 1870 bei Colombey—Nouilly: Bruch des rechten Schien-beins im mittleren Drittel durchGranatsplitter.

Ein Granatsplitter hat das Schienbein schräg gebrochen und einesehr ausgedehnte Weichtheilverletzung verursacht. Das Wadenbeinist unversehrt geblieben. Vom 7. bis 17. Tage besteht bei ziemlichemWohlbefinden und nur geringem Fieber reichliche Eiterung, vom18. bis 32. Tage Lymphgefässentzündung und blutige Durchfälle.Von jetzt ab erfolgt im Schienen verbände langsame aber ungestörteBesserung, so dass H. bei bestem Allgemeinbefinden am 1. November1870 nach Deutschland übergeführt werden kann.

169.

H. H. , vom Holsteinschen In-fanterie-Regiment No.85, verwundetam 18. August 1870 bei Gravelotte:Gewehrschussbruch des rechtenSchienbeins im oberen Drittel.

Der am 2. Tage angelegte Gypsverband wird nach 14 Tagenabgenommen, und aus einem Abszesse durch Einschnitt Jaucheund Splitter entleert. Wegen starker Eiterung wird der Unter-schenkel 10 Tage in Drahthose gelagert und dann wieder ein-gegypst. Anfang des 3. Monats ist der Kallus stark, der Bruchgut verwachsen. Mit gut granulirenden Wunden wird H. am 8. Januar1871 nach Deutschland übergeführt. Das Allgemeinbefinden warstets gut.

4 2 /3 Monate.

170.

C. H., vom Sächsischen Schützen-(Füsilier-) Regiment No. 108, ver-wundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Gewehrschuss-Splitter-bruch des linken Schienbeins imunteren Drittel.

Am 8. Tage nach Entfernung bedeutender Splitter Pappverband.In der 5. Woche tritt geringes Fieber auf. An der Innenseite ent-leert ein Einschnitt dünnen, übelriechenden Eiter. Am 60. Tageist der Bruch geheilt, die Wunde nahezu geschlossen. Am 70. Tageerfolgen Gehversuche im Pappverband. Am 9. Dezember 1870Entlassung.

3 2 A Monate.

171.

L. H., Premierlieutenant, ver-wundet am 16. August 1870 beiMars la Tour: Gewehrschussver-letzung des linken Unterschenkels.Die Kugel drang in der Mitte dervorderen Fläche des Schienbeins ein,zerschmetterte den Knochen undblieb in den benachbarten Weich-th( üen stecken.

Kugel künstlich entfernt. Durch Eitersenkungen und rosenartigeEntzündungen Heilung sehr verzögert. Zurückgebliebene bedeutendeSchwäche im Bein wurde durch den zweimaligen Besuch von Wies-baden gebessert, aber nicht beseitigt.

Befund am 10. März 1873: Schienbein an der Stelle der Ver-letzung etwas aufgetrieben und höckerig. Von dem inneren Randedesselben verläuft wagerecht nach hinten eine 10 cm lange, ver-tiefte, ziemlich breite Narbe, von einem Einschnitt herrührend.Die Umgebung der Schnittnarbe wird von einer mehr oberfläch-lichen Hautnarbe gebildet, die in ihrem grössten Querdurchmesser18 cm, im grössten Längsdurchmesser 12 cm misst. Bei ausgiebigenBewegungen wird dieselbe schmerzhaft gespannt. H. hat für ge-wöhnlich keinen hinkenden Gang, fühlt jedoch bei längerem GehenSchwäche und Ermüdung im linken Bein. Zeitweise rheumatischeSchmerzen und damit verbunden Schwerbeweglichkeit des linkenFussgelenks. Dauernd halbinvalide.

Befund am 24. Juni 1873: Die tiefe Hautnarbe ist bei Berührungsehr, die oberflächliche massig empfindlich. Linker Unterschenkel,in der Mitte der Wade gemessen, hat einen um 1'/ä cm kleineren,im unteren Drittel gemessen einen um '/g cm grösseren Umfang alsder rechte. Fussgelenk leicht geschwollen und in seinen Bewegungengehindert, ebenso Knie- und Hüftgelenk durch häufige rheumatischeSchmerzen weniger beweglich. Gehen von 10 bis 15 Minuten Dauererregt Schmerzen in der Narbe, die sich bis in den Oberschenkelerstrecken. Auch längeres Sitzen kann nicht ohne Schmerzen er-tragen werden. Ganzinvalide.

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