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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
1175
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ßandlll. Spez. Theil.

Kasuistik.

1175

Laufende

No.

1

Bezeichnung dos Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

2

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

4

177.

J. K., vom 3. Garde-Regiment zuFuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss-Splitterbruch des rechten Schien-beins im mittleren Drittel.

Am 10. Tage stellt sich .starke Eiterung ein. Der Eiter wirdübelriechend und pulsirt in der Wunde; kleine Splitter werdenentfernt, ausgedehnte Splitterung festgestellt. Trotz Ruhigstellungdes Bruches und Anwendung von Karbol tritt keine Besserung ein,8 Tage später erfordert Knochenhautentzündung am SchienbeinEinschnitte; die noch immer starke und übelriechende Eiterungmacht die Abnahme des heftig schmerzenden Gypsverbandes noth-wendig. Auch in Heister'scher Lade nehmen die Schmerzen nichtab, bis Ende der 4. Woche Splitter und Kleiderfetzen aus dem Schien-bein entfernt werden und dann der Zustand sich bessert. In der6. Woche entsteht nochmals eine ausgebreitete Zellgewebsentzündungam Unterschenkel, verursacht mehrere Schüttelfröste und giebt inder 8. Woche zu ausgedehntem Einschnitt mit reichlicher Eiter-entleerung Veranlassung. Der weitere Verlauf wird langwierig undwird im 5. Monat durch akuten Gelenkrheumatismus unterbrochen,so dass K. erst Ende April 1871 entlassen werden kann. Gehenohne Stock nicht möglich.

8 2 / 5 Monate.

178.

0. L., Sekondlieutenant der Re-serve, verwundet am 16. August1870 bei Mars la Tour: Gewehr-schussbruch des linken Schienbeinsetwas oberhalb der Mitte desselben.

Befund am 17. September 1871: Ausser den beiden von demDurchtritt der Kugel herrührenden, fast unschädlichen Narben ander vorderen und äusseren Seite des Unterschenkels findet sichüber dem Schienbein eine 6'/2cm lange, senkrecht verlaufendeNarbe, deren oberer Theil tief eingezogen und mit dem unter-liegenden Knochen fest verwachsen ist. Hochgradiger Muskel-schwund am ganzen Bein, besonders am Unterschenkel. Derselbeist um 2 cm verkürzt und leicht nach aussen gekrümmt. Dauerndganzinvalide.

179.

H. L., vom Ostfriesischen Infan-terie-Regiment No. 78, verwundetam 16. August 1870 bei Mars laTour: Gewehrschussbruch des linkenSchienbeins im oberen Drittel.

L. geräth nach der Verwundung in Gefangenschaft und bleibtbis zur Auswechselung am 8. Tage ohne jede ärztliche Hilfe. Am9. Tage Splitterentfernung und Gypsverband. Anfang der 4. Wocheerfordert Schwellung die Abnahme des Verbandes und EitersenkungEinschnitte. Unter Anwendung von übermangansaurem Kali gehtdie starke Eiterung zurück und bleibt im weiteren Verlaufe inmassigen Grenzen. Bis zur 25. Woche werden öfters Splitter ent-fernt. Ende April 1871 geheilt entlassen.

SVs Monate.

180.

E. L., vom Sächsischen 4. Infan-terie-Regiment No. 103, verwundetam 29. August 1870 bei Nouart:Gewehrschussbruch des linkenSchienbeins im mittleren Drittel.

L. erhält auf dem Verbandplatz einen Nothverband, mit welchemer am 30. August 1870 zu Villiers ankommt. Der Unterschenkel,stark geschwollen und winklig nach innen und oben geknickt,verursacht heftige Schmerzen. Letztere schwinden aber bald nachEinrichtung und Eingypsung. 8 Tage später, nach Abnahme derSchwellung, wird der Gypsverband erneuert und bleibt nun bis zurVernarbung der Wunden und festen Verwachsung des Schienbeins,6 Wochen nach der Verwundung, liegen. Heilung Ende November.Gehen ohne Stock gut möglich.

3 Monate.

181.

W. L., vom 1. Garde-Regimentzu Fuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss-bruch des rechten Schienbeins imoberen Drittel.

In der 4. Woche Entfernung von Splittern, Tuchfetzen undBleistückchen. Ende der 8. Woche Entzündung der Vena saphenamagna, der 3 Wochen später grosse Eiterherde an der Wade folgen.Letztere unterhalten fast 4 Wochen lang Eitersenkungen und hohesFieber. Mehrere Einschnitte am Knie; Verstauchung des Schien-beins. Im 5. Monat bessert sich der Zustand und ist bis zur Ent-lassung befriedigend.