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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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XI. Kapitel: Verwundungen des Unterschenkels und des Fusses.

Band III. Spez. Theil.

LaufendeNo.

1

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

2

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

4

161.

W. G., vom Sächsischen Leib-Grenadier-Regiment No. 100, ver-wundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Splitterbruch des linkenSchienbeins im mittleren Dritteldurch Gewehrschuss.

Der Entfernung von erheblich langen Splittern in der 1. Wochefolgt heftige Wundrose mit reichlicher Eiterung. Am 12. Tagewerden einige Abszesse an der Innenseite des Unterschenkels ge-spalten und in der Markhöhle des Schienbeins, deren vordere Wandin Ausdehnung mehrerer Centimeter fehlt, eine grosse Eiterhöhleausgeräumt. 5 Tage später kommt es zu einer Zellgewebsent-zündung am Oberschenkel und Entleerung einer grossen MengeEiters. Ende der 4. Woche tritt Besserung ein. Die Knochen-wunde füllt sich mit Granulationen, und ein ungestörter, aber lang-samer weiterer Verlauf führt am 7. August 1871 zur Heilung.

lP/iMonate.

162.

S. G., vom 3. OstpreussischenGrenadier - Regiment No. 4 , ver-wundet am 14. August 1870 beiColombey—Nouilly: Gewehrschuss-bruch des linken Schienbeins imoberen Drittel.

In den ersten Wochen günstiger Verlauf. In der 9. Woche Er-öffnung eines Eiterherdes an der Eingangsöfinung und Entfernungmehrerer Splitter. Durch langwierige, reichliche Eiterung sowiedurch Ausstossung und Entfernung von Splittern wird die Heilungbis zum 15. März 1871 verzögert. Das Schienbein bleibt im Knie-gelenk nach hinten verrenkt. Gehvermögen sehr beschränkt.

7 Monate.

163.

A. G., vom 3. BrandenburgischenInfanterie-Regiment No. 20, ver-wundet am 6. Januar 1871: Gewehr-schussbruch des linken Schienbeinsim unteren Drittel.

Im Gypsverband kommt in der 7. Woche Verwachsung zu Stande;Ende März erfolgt die Entlassung. Gehvermögen gut.

2 4 /s Monate.

164.

E. H., vom 3. Rheinischen In-fanterie-Regiment No.29, verwundetam 19. November 1870: Gewehr-schussbruch des rechten Schienbeinsim unteren Drittel.

Drei Tage nach der Verwundung wird ein gefensterter Gyps-verband angelegt; der Verlauf ist ein guter. Am 12. Mai 1871kann H. geheilt entlassen werden. Gehvermögen gut.

3 3 , 4 Monate.

165.

G. IL, vom 7. Rheinischen In-fanterie-Regiment No. 69, verwundetam 17. Januar 1871: Splitterbruchdes rechten Schienbeins im oberenDrittel durch Gewehrschuss.

In der 9. Woche werden zahlreiche Splitter entfernt, in derfolgenden Woche zeigen die Wunden brandiges Aussehen und jauchen.Erst nach längerer Zeit gelingt es, durch Karbolsäure und über-mangansaures Kali der Jauchung Einhalt ku thun, womit sich derdurch hohes Fieber geschwächte Allgemeinzustand bessert. Inder 20. Woche stösst sich ein Sequester ab. Achillessehne um)Wadenmuskulatur sind stark zusammengezogen. Bis 8. August1871 vernarben die Wunden. Bruch gut befestigt, eingezogene,spannende Knochennarbe. Verzerrung der Wadenmuskeln; Fuss inSpitzfusstellung, massige Steifheit im Knie- und Fussgelenk; be-trächtlicher Muskelschwund. Gehen nur mit Krücken möglich.

6*/a Monate.

166.

W. H., Gefreiter vom 2. Garde-Regiment zu Fuss, verwundet am18. August 1870 bei Gravelotte:Gewehrschussbruch des linkenSchienbeins im oberen Drittel.

H. liegt 2 Tage auf dem Verbandplatze und kommt am 8. Tagenach der Verwundung in Breslau an. Die Eingangsöffnung hateinen Durchmesser von 3 cm und zeigt bläuliche Ränder, derUnterschenkel an der Aussenseite grünliche Färbung. Der EHerist jauchig, das Allgemeinbefinden schlecht. Durch ListerschenVerband, anregende Mittel und tägliche Bäder bessert sich derZustand allmälig. In der 6. Woche wird die tief in das Schien-bein eingedrungene Kugel nebst mehreren Knochensplittern entfernt.Im ferneren befriedigenden Verlauf kommt es fast wöchentlich zurAusstossung von Knochenstückchen, bis H. am 26. Mai 1871 ge-heilt entlassen werden kann. Schmerzen im Kallus und unterhalbdesselben beim Auftreten. Starkes Hinken.

9'A Monate.