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XI. Kapitel: Verwundungen des Unterschenkels und des Fusses.
Band III. Spez. Theil.
Laufende
No.
154.
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
F. B., vom Sächsischen 6. Infan-terie-Regiment No. 105, verwundetam 19. August 1870: Gewehrschuss-bruch des linken Schienbeins immittleren Drittel.
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.
Die Kugel drang in der Mitte des Unterschenkels in dasSchienbein ein, zersplitterte dasselbe bis handbreit oberhalb desinneren Knöchels und drang an der Wade wieder heraus. Ein10 cm langer festsitzender Splitter ist durch die Haut hindurch zufühlen. In der 3. Woche wird wegen starker Eiterung statt desGypsverbandes eine durchbohrte Heister'sche Lade angewandt, welcheden Eiterabfluss sehr begünstigt. Acht Tage später durchbohrtunter heftigen Schmerzen der grosse Splitter die Haut an der Innen-seite des unteren Drittels und wird nebst mehreren kleineren ent-fernt. In der 7. Woche ist noch keine genügende Befestigung ein-getreten; wiederholte Eitersenkungen und Fistelbildung mit nach-folgender Splitterentfernung verzögern die Heilung bis zum Mai 1871.Der Fuss steht in Plattfussstellung. Ausgedehnte festgewachseneNarben. Gehvermögen beschränkt.
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
872 Monate.
155.
156.
A.B., vom 6. BrandenburgischenInfanterie-Regiment No. 52, ver-wundet am 16. August 1870 beiMars la Tour: Gewehrschussbruchdes rechten Schienbeins im oberenDrittel.
A. v. B., Offizier, verwundet am18. August 1870 bei Gravelotte:Gewehrschussverletzung des rechtenUnterschenkels. Eingangsöffnung inder Mitte der Innenseite desselben;vollständige Zertrümmerung desSchienbeins an dieser Stelle, Strei-fung des Wadenbeinköpfchens. Aus-gangsöffnung in der Höhe desletzteren.
In der 4. Woche besteht nach Entfernung des Gypsverbandesgeringe Missgestaltung der verdickten Bruchstelle und ein Eiterherdin der Kniekehle. Das Kniegelenk ist frei. Einschnitt. Blech-schiene. Ende der 6. Woche geht eine grosse Flüssigkeitsansamm-lung im Knie nach Anwendung von Eis erheblich zurück und ver-schwindet nach Entfernung eines Knochensplitters vollständig. Im4. Monat verursacht Wunddiphtherie die Losstossung einesfaustgrossen Fleischfetzens. Im 6. Monat Entfernung von mehrerenKnochensplittern. Heilung am 31. Mai 1871.
Der Kranke konnte erst im Juli 1872 nach langem, durch öftereund gefahrdrohende Entzündungserscheinungen am verwundetenBein unterbrochenem Heilungsverlaufe das Krankenlager verlassen.Im August 1872: Bäder von Nauheim und Dürkheim. 1873: Moor-bäder zu Brückenau, wodurch günstige Wirkung erzielt wurde.Doch brachen alljährlich noch die alten Narben wieder auf, eitertenwochenlang und schlössen sich erst allmälig.
Befund am 5. Mai 1875: In der Mitte der Innenseite des rechtenUnterschenkels Narbe der Eingangsöffnung, in Höhe des Wadeu-beinköpfchens an der Aussenseite die der Ausgangsöffnung; mittenauf dem sehr verdickten und missgestalteten Schienbein eine un-gefähr 5 cm lange, 2 cm breite, etwas eingezogene, mit dem KnocrieEfest verwachsene, blauroth-gefärbte Narbe, herrührend von den zurEntfernung der Knochensplitter nöthig gewordenen operativen Ein-griffen. Weichtheile des rechten Unterschenkels straff gespannt undstark ödematös. Im Kniegelenk vollkommene Streckung, Beugungnur in geringem Maasse möglich. Aktive Bewegungen im Fuss-gelenk ganz aufgehoben, passive nur wenig möglich. Diese Be-wegungsstörungen sind nicht sowohl durch die Unthätigkeit desBeins während des Krankenlagers, sondern vor Allem durch die inFolge der Verwundung stattgehabte Zerreissung des vorderenSchienbeinmuskels, sowie des oberflächlichen und des tiefen Waden-nerven bedingt. Aus letzterem Grunde auch mangelhafte Bewegungs-fähigkeit der Zehen, auffallende Spitzfussstellung mit Drehung desFusses um seine Längsaxe, so dass der äussere Fussrand tiefersteht als der innere (pes varo-equinus), Verlust des Hautgefühlsauf der Vorder- und Aussenseite des rechten Unterschenkels bis indie Zehen hinab. Beim Gehen berührt der äussere Fussrand fastallein den Boden, daher Gehen und Stehen, besonders auf unebenemBoden, sehr ermüdend und schmerzhaft. Unterschenkel rechtsetwa 4 cm kürzer als der linke und stark nach aussen gekrümmt.Dauernd ganzinvalide, dauernd einfach verstümmelt.
9 1 /-' Monate.