Band III. Spez. Theil.
Kasuistik.
1167
LaufendeNö.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauerder
Lazareth-behandlung.
4
143.
T. T., Hauptmann, verwundet am16. August 1870 bei Mars laTour:Gewehrschusssplitterbruch im obe-ren Drittel des linken Schien- undWadenbeins.
Ende des 2. Monats entsteht ausgedehnter Hautbrand an derVorderseite des Unterschenkels und starke Eiterung, gegen welcheKarbolverband und Pott'sches Fussbrett in Anwendung kommen.Bis zur 16. Woche bilden sich zeitweise Abszesse und Eiterverhal-tungen, grösstentheils durch lose Knochensplitter bedingt, vonwelchen letzteren über 66 kleinere und grössere ausgestossenwerden., Die Besserung schreitet in erfreulicher Weise fort, bis siein der 22. Woche durch Wundrose, welche von einer Fistel aminneren Knöchel bis zur Hüfte wandert und wässerigen Ergussdes Kniegelenks erzeugt, in bedrohlicher Weise gestört wird.Langsam erholt sich T. wieder, die Wunden sind in der 28. Wochesehr verkleinert, der Bruch ist verwachsen. Als Genesender entziehtsich T. der weiteren Beobachtung. Unterschenkel nicht miss-gestaltet. Günstige Aussicht für spätere Brauchbarkeit desGliedes.
144.
W. T., vom Oldenburgischen In-fanterie-Regiment No. 91: Splitter-bruch des linken Schien-und Waden-beins im mittleren Drittel durchGewehrschuss.
Anfangs Lagerung in Bonnet'scher Hose; am 15. Tage Ent-fernung mehrerer loser Splitter, sodann Heister'sche Lade. Bis zur13. Woche werden mehrere Einschnitte nöthig theils zur Entleerungdes Eiters, theils zur Entfernung von Splittern. Die wegen Ab-sterbens der Bruchenden vorgenommene theilweise Wegnahme der-selben führt zu einem zwar langwierigen, aber günstigen Verlauf.Entlassungstag unbestimmt. Unterschenkel nach aussen gekrümmt,Fussgelenk steif, Muskulatur abgemagert. Gehen behindert. (Vergl.Berthold, Militärarzt!. Zeitschrift 1872, S. 569, No. 12).
145.
G. W., vom 5. OstpreussischenInfanterie-Regiment No. 41: Gewehr-schussbruch des Schien- und Waden-beins im mittleren Drittel.
In den ersten 6 Wochen werden mehrmals kleine Knochensplitterentfernt. Nach 2 Monaten ist trotz Feststellung durch Gypsverbandnoch keine Verwachsung der Bruchenden unter einander erfolgt. Inder 10. Woche wird der Verband wegen Schmerzen abgenommen.Eine Zellgewebsentzündung wird durch Einschnitte beseitigt undder Unterschenkel in Heister'sche Lade gelegt. 14 Tage späterwird wieder ein Gypsverband angelegt. Im 5. Monat erfolgtVerwachsung. Ende April Heilung.
8 Monate.
14G.
G. W., Gefreiter vom Sächsischen8. Infanterie-Regiment No. 107, ver-wundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Splitterbruch des linkenSchien- und Wadenbeins im unterenDrittel durch Gewehrschuss.
Entfernung mehrerer 1 bis 4 cm langer Knochensplitter. Schienen-verband. Heilung durch fistulöse Eiterung bis März 1871 verzögert.Bei der Entlassung ragt das obere Bruchstück nach innen hervor.Die Muskulatur des Ober- und Unterschenkels stark geschwunden.
7 Monate.
147.
F. W., vom 2. Garde-Regimentzu Fuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Gewehr-schussbruch des linken Schien- undWadenbeins im unteren Drittel.
In den ersten Tagen werden Kugelstücke entfernt und ein Gyps-verband angelegt. Nach mehreren späteren Entfernungsversuchenwerden in der 6. Woche die scharfen Bruchenden abgesägt undweitere Splitter entfernt. W. übersteht den Eingriff gut. Dievorher zu reichliche Eiterung lässt nach, es erfolgt gute Knochen-neubildung. Die Vernarbung dagegen dauert lange. In der 32. Wochewerden auf die etwa hühnereigrosse Wundfläche vergeblich Haut-stücke übergepflanzt, und selbst am Tage der Entlassung, 24. Juni1871, sind die Wunden noch nicht vollständig vernarbt. Der auf-getriebene Knochen ist von einer dünnen granulirenden Weichtheil-schicht bedeckt. Das Gehen ist behindert. W. bedarf zum Geheneines Stockes.
10'AMonate.