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XI. Kapitel: Verwundungen des Unterschenkels und des Fusses.
Band III. Spez. Tlieil.
LaufendeNo.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
139.
H. Seh., vom Schleswig-Holstein-schen Feld- Artillerie-Regiment No. 9,verwundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Gewehrschussbruch deslinken Schien- und Wadenbeins immittleren Drittel. Eingangsöffnungander Aussenseite; Ausgangsöffnungfehlt. Zersplitterung des Waden-beins und Schrägbruch des Schien-beins.
Die Kugel wird an der Innenseite des Unterschenkels heraus-geschnitten. In den ersten 4 Wochen werden wegen Zellgewebs-entzündung wiederholt grosse Einschnitte nöthig. In der 6. und7. Woche Entfernung grösserer und kleinerer Splitter. Nach langerfistulöser Eiterung und Entfernung eines grösseren Sequesters am7. März 1871 Heilung und Entlassung.
6 2 /3 Monate.
140.
R. Seh., vom 4, Garde-Regimentzu Fuss, verwundet am 21. August1870: Splitterbruch des rechtenSchien- und Wadenbeins im unterenDrittel durch Gewehrschuss. Ein-gangsöffnung innen 10 cm überdem Fussgelenk, Ausgangsöffnungaussen; in letzterer sind die zer-rissenen Sehnen der Streckmuskelndes Fusses zu sehen.
Lagerung in Drahtkorb. Eiterung, die in der 2. Woche einenüblen Charakter annimmt und sich nur langsam bessert. In der5. Woche tritt nach Ueberführung nach Schwetzingen Verschlechte-rung ein, indem der Unterschenkel unförmlich anschwillt. Dauer-bäder verringern die Schwellung rasch um die Hälfte und besserndas Allgemeinbefinden. Anfang der 6. Woche werden aus einerneugebildeten Knochenlade zwei grosse Sequester herausgemeisselt,später noch viele kleinere entfernt. Im Februar zur Badekur nachBaden entlassen. (Vergl. Schinzinger, S. 85.)
5 Monate.
141.
K. S., vom 2. Westfälischen In-fanterie-Regiment No. 15 (PrinzFriedrich der Niederlande), ver-wundet am 14. August 1870 beiColombey—Nouilly: Gewehrschuss-bruch des linken Schien- und Waden-beins im mittleren Drittel.
An den in ziemlicher Ausdehnung von der Knochenhaut ent-blössten Bruchenden werden bewegliche Splitter gefühlt, welche inder 5. Woche sich abstossen. Die anfangs starke, fieberhafteJauchung wird durch Feststellung der Bruchenden im Gypsverbandsowie Karbolbehandlung nach 14 Tagen beseitigt. Trotz zurück-gebliebener reichlicher Eiterung waren in der 11. Woche die Bruch-enden verwachsen und die Wunden bis auf eine Fistel am Schienbeingeheilt. Die in der 28. Woche vorgenommene Entfernung vonSequestern besserte die langwierige fistulöse Eiterung und brachteVernarbung zu Stande, so dass S. am 15. Mai 1871 als geheilt ent-lassen werden konnte. Später bildeten sich wieder Fisteln. (Vergl.Koch in v. Langenbeck's Archiv, Bd. XIII, S. 518, No. 63).
9 Monate.
142.
R. T., vom Sächsischen 8. Infan-terie-Regiment No. 107, verwundetam 1. September 1870 bei Sedan:Mitrailleusenschussbruch im unterenDrittel des rechten Schien- undWadenbeins.
Die auf dem Schlachtfelde angelegten Holzschienen werden 6 Tagelang gut vertragen und dann durch einen Gypsverband ersetzt.Nach 4 Tagen muss letzterer wegen Druck und Eiterdurchtränkungabgenommen werden, worauf die stark absondernden, schlecht aus-sehenden Wunden unter Karbolverband auf doppeltgeneigter Ebenesich allmälig bessern. In der 7., 8. und 16. Woche werden wieder-holt Abszesse eröffnet und grössere Splitter entfernt, desgleichen inder 19. und 25. Woche. 14 Tage nach dem letzten derartigenEingriff werden zwei 8 cm lange und 3 cm breite Sequester nacbAblösung der Knochenhaut mittels Meisseis aus den Knochenladenentfernt. Im weiteren Verlaufe stossen sich noch mehrmals kleineKnochenstückchen aus, der Eiter macht 9 Tage lang pulsatorischeBewegung, bis allmälig die Knochenhöhle sich ausfüllt, die Wundenvernarben und T. am 16. Mai 1871 zum Badegebrauch nach Teplitzentlassen werden kann. Starker Kallus. Vollständige Steifigkeit desFussgelenks. Gehen ohne Stock nicht möglich.
9 '/2 Monaten