Bandlll. Spez. Theil.
Kasuistik.
Laufende
No.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
134.
F. K., vom 2. Thüringischen In-fanterie-Regiment No. 32, verwundetam 6. August bei Wörth: Gewehr-schussbruch des rechten Schien- undWadenbeins im mittleren Drittel.
Der zuerst angelegte Schienenverband wird am 6. Tage mitGypsverband vertauscht, in welchem die Befestigung erfolgt. Am10. Tage Herausnahme des Geschosses. Im weiteren, ziemlich lang-wierigen Verlauf werden mehrere Splitter theils entfernt, theilsohne Kunsthilfe ausgestossen. Heilung am 2. März 1871 mit geringerSpitzfussstellung. Geh vermögen behindert. (Vergl. v. Beck, S. 727,No. 1.)
6 5 /e Monate.
135.
F. R., vom 6. OstpreussischenInfanterie-Regiment No. 43, ver-wundet am 6. August 1870 bei Spi-cheren: Gewehrschussbruch beiderSchien- und Wadenbeine im mittlerenDrittel.
In den ersten 4 Wochen ist die Eiterung sehr stark, vieleSplitter werden entfernt; der Gypsverband muss wegen Durch-tränkung zwar oft erneuert werden, wird aber sonst gut vertragen.Von der 5. bis 6. Woche leidet der Verwundete an Ruhr, gleich-zeitig wird die Eiterung schlecht, rechts bilden sich Abszesse, diegeöffnet werden müssen. Nach kurz dauernder Besserung entstehenin der 10. Woche unter hohem Fieber und Verschlechterung desAllgemeinbefindens Abszesse und Eitersenkungen am linken Unter-schenkel, aus welchen reichlich Eiter entleert wird. Während einefeste Vereinigung der Bruchenden schon in der 9. Woche fest-gestellt werden konnte, verzögert sich die völlige Vernarbungdurch mehrfache Ausstossung von Sequestern am rechten Unter-schenkel bis Januar, am linken bis Mai 1871.
9 Monate.
136.
K. Seh., vom 2. Garde-Regimentzu Fuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss-bruch des linken Schien- und Waden-beins im unteren Drittel (zweiWunden).
Die ursprünglich angelegten Holzschienen werden am 7. Tagewegen starker Schmerzen mit Drahtschienen vertauscht. Am Endeder 3. Woche Anlegung eines Gypsverbandes. Da in der 7. Wochefast völlige Befestigung des Bruches eingetreten ist, wird der Ver-wundete einige Tage darauf mit gefenstertem Gypsverband verlegt.Während des Eisenbahntransports aufgetretene Schmerzen nöthigenzur Abnahme des Gypsverbandes und Entfernung eines 4 cm langenSplitters aus der vorderen Wunde. Drahthose, Eisblase. Tagsdarauf ist der Unterschenkel stark geschwollen. Durch den Stossbeim Anfahren des Zuges entsteht eine Schlagaderblutung,welche anfangs durch Fingerdruck, dann durch Tamponadegestillt wird. Feststellung des Bruches durch Sandsäcke. Am13. Oktober wird eine erneute Blutung durch Eis und Eisenchloridgestillt und am 17. Oktober ein grosser abgestorbener Splitter ent-fernt. In den nächsten 4 Tagen Herausnahme noch mehrererSplitter. Ohne weitere Zwischenfälle Heilung am 4. Februar 1871.
5'/j Monate.
137.
J. Seh., vom 3. Hessischen Infan-\uäft-Regiment No. 83, verwundetam 2. Dezember 1870 bei Loigny:Splitterbruch des rechten Schien-und Wadenbeins im mittleren Dritteldurch Granatschuss.
Nach Entfernung von Splittern und langwieriger, zeitweise sehrstarker Eiterung werden im 8. Monat mehrere Fisteln gespaltenund vier grössere Sequester entfernt, worauf rasche Heilung erfolgt.Am Schienbein bleiben tiefe angewachsene Narben zurück. DieBewegung des Fussgelenks ist fast frei, Gehen jedoch nur mitStock möglich.
9 Monate.
138.
A. Seh., vom 4. MagdeburgischenInfanterie - Regiment No. 67, ver-wundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Splitterbruch des linkenSchien- und Wadenbeins im unterenDrittel durch Granatschuss.
Ein Granatsplitter brach, nach Durchbohrung des Stiefelschaftes,das Schienbein; erst beim Niederfallen des Verwundeten entstandder Bruch des Wadenbeins und die durch die Bruchenden bedingteDurchbohrung der Weichtheile. Seh. liegt 20 Stunden ohne Hilfeauf dem Schlachtfeld. Am 3. Tage wird ein Gypsverband angelegtund Seh. in ein anderes Lazareth übergeführt. Nach 6 weiterenTagen beginnt unter Fieber heftige Eiterung, welche Abnahmedes Verbandes erfordert und lange Zeit vergeblich mit Karbol be-kämpft wird. In der 4. Woche stellt sich Wunddiphtherie ein;weiterhin normaler Verlauf.