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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
1163
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Band III. Spez. Theil.

Kasuistik.

1163

Laufende

No.

1

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

2

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

4

125.

A. L., vom 3. HannoversehenInfanterie - Regiment No. 79, ver-wundet am 28. November 1870 beiBeaune la Rolande: Gewehrschuss-Splitterbruch des rechten Schien-und Wadenbeins im mittleren Drittel.

Nach Entfernung mehrerer Stücke haben sich die stark ge-splitterten Knochen in der Unterschenkellade bis zur 7. Wochederart befestigt, dass ein einfacher Verband genügt. In der9. Woche macht L. Gehversuche; die Wunden sind bis auf eineFistel vernarbt, welche durch sich loslösende Knochensplitter offengehalten wird und selbst am Tage der Entlassung, 28. Juni 1871,noch besteht. Allgemeinbefinden stets gut.

7 Monate.

126.

F. M., vom 4. BrandenburgischenInfanterie-Regiment No. 24 (Gross-herzog von Mecklenburg-Schwerin),verwundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Gewehrschussbruch deslinken Schien- und Wadenbeins imunteren Drittel.

Anfangs Pappschienenverband. Nach 13 Tagen Gypsverband.Am 22. Tage Entfernung vieler Splitter. Sehr reichliche Kallus-bildung. In der 10. Woche bilden sich Eiterherde. Trotz derselbengünstiger Verlauf und am 28. Januar 1871 Heilung.

5'/» Monate.

127.

K. M., vom 7. ThüringischenInfanterie-Regiment No. 96, ver-wundet am 30. August 1870 beiBeaumont: Splitterbruch des rech-ten Schien- und Wadenbeins imunteren Drittel durch Gewehrschuss.Eingangsöffnung 3 cm über demäusseren Knöchel, 2 cm im Durch-messer.

Ein hervorstehendes Stück des zersplitterten Schienbeins wirdabgesägt, und das Bein in Bonnet'sche Drahthose gelegt. Karbol-verband. In der 4. Woche entsteht durch die seit 14 Tagen an-gewandte Derby'sche Schiene (aus Holz) Druckbrand an der Ferse.Die Lagerung in Sanitter'scher Schwebe bringt hier nach 6 Wochenzwar Vernarbung zu Stande, verursacht aber Druckbrand über derSchienbeinkante, welcher zur Entfernung eines 8 cm langen, 2 cmdicken Splitters führt. In Folge einer ungemein starken Schwellungwird die Frage erwogen, ob das Bein abzunehmen sei, aber bei demsonstigen guten Allgemeinbefinden beschlossen, das Glied wennmöglich zu erhalten. Die von Bruns umgeänderte Sanitter'scheSchwebe, der Szymanowsky'sche Gypsverband, Lagerung zwischenSandsäcken werden der Reihe nach mit wechselndem Erfolg versucht.In der 13. Woche tritt von selbst üurchbruch eines Abszesses ander Schienbeinkante ein, gleichzeitig wird ein langer Eiterganggespalten und aus einer an der Innenfläche des Schienbeins befind-lichen mächtigen Höhle zahlreiche brandige Splitter entfernt. Inden nächsten 14 Tagen durchbrechen verschiedene festhaftendeSequester, sowie das obere Bruchstück des Wadenbeins und dasuntere des Schienbeins die Haut, worauf Entfernung der Splitterund Zurechtschiebung der Bruchenden erfolgt. Der jetzt guteVerlauf wird in der 22. Woche noch einmal vorübergehend durchWunddiphtherie gestört. Im April 1871 Heilung, doch bleibenzahlreiche am Knochen festgewachsene Narben zurück. Die Beweg-lichkeit im Fussgelenk ist sehr beschränkt, das Gehvermögen starkbehindert.

8 Monate.

128.

F. M., vom 1. Garde-Regimentzu Fuss, verwundet am 18. August1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss-bruch des linken Schien- und Waden-beins im unteren Drittel. Eingangs-öffnung an der inneren Fläche desSchienbeins, Ausgangsöffnung hin-ten neben der Achillessehne. Ausser-dem Bruch der linken Hand.

Während des langsamen Verlaufes müssen öfters Splitter ent-fernt und Abszesse gespalten werden. Erst in der 43. Wocheschliessen sich die Wunden, die Narben brechen aber wieder auf,bis M. endlich am 1. Juli 1871 geheilt entlassen werden kann.Die Bruchstelle bleibt verdickt. Das Gefühlsvermögen am linkenFuss ist herabgesetzt. Das linke Fussgelenk wenig beweglich, dieZehen steif. Die Hand bleibt ebenfalls unbeweglich, die Fingerwelk, Vor- und Rückwärtsrollen sehr beschränkt. Gehen sehr be-hindert.

10'AMonate.

146*