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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
1159
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Bandlll. Spez. Theil.

Kasuistik.

1159

Laufende

No.

1

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

2

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

4

109.

(Fortsetzung.)

Krücken fortbewegen. Später brachen die Wunden wiederholt auf;erst von 1874 an blieben sie geschlossen. Nun wurde auch dieLeistungsfähigkeit des Beines etwas besser, der Kranke fing ankürzere Wege ohne Stütze zurückzulegen.

Befund 1876: Verkürzung des rechten Beines, starke Krümmungdesselben nach aussen, Schwäche, Abmagerung und Welksein derganzen Muskulatur desselben; rechtes Kniegelenk kann nicht biszum rechten Winkel gebeugt werden.

Im Herbst 1874 begann sich ein chronischer Katarrh der linkenLungenspitze zu entwickeln. Frühjahr 1875: Stärkere Brust-beschwerden und nachweisbare Verdichtung der Lungenspitze.Sommer 1875: Kur in Reichenbach, danach Besserung des Kräfte-zustandes und Abnahme der Brustbeschwerden. November 1875:Verschlimmerung unter Zunahme des Hustens und Auswurfs. Be-ginnender chronischer Katarrh der rechten Lungenspitze. DeshalbMitte Dezember 1875 nach San Remo.

110.

J. G., vom Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment No. 2, ver-wundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Granatschussbruch deslinken Schien- und Wadenbeins immittleren Drittel.

Ein Granatsplitter brach den Unterschenkel und knickte dasuntere Bruchstück winklig zum oberen nach aussen ein. Einrichtendes Bruches und Gypsverband. Am 17. Tage wird derselbe wegenSchmerzen abgenommen. Splitter haben die Haut durchbohrt, dieHaut ist an der Bruchstelle brandig. Nach Anlegung eines Papp-verbandes normaler Verlauf, bis in der 14. Woche unter hohemFieber eine Eiteransammlung entsteht. In der 27. Woche bildensich mehrere Abszesse, welche zur Entfernung von 14 losen SplitternVeranlassung geben. Die Operation wird an dem betäubten Krankenvorgenommen. Nach Entfernung der Splitter entsteht im Schienbeineine grosse Höhle, welche sich langsam mit Knochensubstanz fülltund den Verlauf nicht wesentlich stört.

111.

A. G., vom Ostpreussischen Füsi-lier-Kegiment No. 33, verwundet am16. August 1870 bei Gravelotte:Gewehrschussbruch des unterenDrittels des linken Schien- undWadenbeins dicht über den Knöcheln.

Die Kugel drang an der Innenseite des Schienbeins ein, verliefschräg nach hinten und aussen und trat an der Wade aus. Nebender Ausgangsöffnung bestand noch eine zweite Oeffnung, durchherausgedrängte Knochensplitter entstanden. Der Bruch befestigtesich langsam; ungefähr 40 Splitter wurden entfernt, der letzte inder 15. Woche. Anfang Januar' 1871 vernarbten die Wunden.Das Gehvermögen blieb behindert.

4 3 /ö Monate.

112.

E. G., vom Hannoverschen Jäger-Bataillon No. 10, verwundet am6. Januar 1871: Bruch des linkenSchien- und Wadenbeins im oberenDrittel durch Gewehrschuss. Ausser-dem Fleischschuss in den rechtenUnterschenkel. Eingangsöffnung aminneren Knöchel, Ausgangsöffnungam oberen Drittel der Schienbein-kante. Wundkanal 20 cm lang.Ausgangsöffnung handtellergross.

Erst drei Tage nach der Verwundung werden in Chloroform-betäubung die stark verschobenen Bruchenden eingerichtet und imgefensterten Gypsverband festgestellt. Das Schienbein liegt in grosserAusdehnung bloss, reichliche Eiterung. Die freiliegende Schienbein-fläche bedeckt sich langsam mit Granulationen; in der 8. Wochewird ein grosser Sequester des Schienbeins mit der Zange entfernt.Allgemeinbefinden befriedigend. Eiterung massig. In Meiningen,wohin der Verwundete in der 10. Woche verlegt worden war, befälltden linken Unterschenkel der rechte war schon geheiltheftige Wunddiphtherie. Jauchung, Abszessbildung und Ausstossungvon Knochensplittern schwächen die Kräfte des Verwundeten inhohem Grade. In der 24. Woche tritt während des Badens einestarke Schlagaderblutung auf, welche durch Eisenchlorid undDruckverband gestillt wird, aber 8 Tage später in Folge einer un-vorsichtigen Bewegung sich wiederholt. Nachdem der Kranke noch-malige Wunddiphtherie ohne erhebliche Nachtheile überstanden

(Fortsetzung umstehend.)

12 3 / ä Monate.