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XI. Kapitel: Verwundungen des Unterschenkels und des Fusses.
Band III. Spez. Theil.
Laufende
No.
1
Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.
2
Verlauf, spätere Zustände u. s. w.3
Dauer
der
Lazareth-
behandlung.
4
105.
(Fortsetzung.)
Im 4. Monat ist der Bruch gut befestigt, doch besteht Spitzfuss-stellung. Von jetzt ab langwieriger Verlauf. Es bilden sich Fisteln,und noch in der 57. Woche werden abgestorbene Knochensplitteraus einer tiefen Fistel entfernt. Am 28. September 1871 als invalideentlassen. An dem Bein befinden sich grosse, am Knochen fest-gewachsene Narben, darunter eine von 18 cm Länge. Ueber deminneren Knöchel befindet sich eine erbsengrosse trichterförmigeFistel. Das linke Bein ist atrophisch. Spitzfussstellung. Das Fuss-gelenk vollständig unbeweglich, die linke grosse Zehe steif. Gehenist nur mit zwei Krücken möglich.
106.
Ph. D., vom Hessischen Füsilier-Regiment No. 80, verwundet am6. August 1870 bei Wörth:Splitterbruch des linken Schien-und Wadenbeins im unteren Dritteldurch Gewehrschuss. Eingangs-öffnung 10 cm über dem äusserenKnöchel, Ausgangsöffnung 8 cm überdem inneren Knöchel.
In der 4. Woche wird der am 9. Tage nach der Verwundungangelegte Gypsverband erneuert. Die Kallusbildung ist massig,das Schienbein etwas nach aussen gekrümmt. Nach Verbesserungder fehlerhaften Stellung erfolgt unter einem neuen GypsverbandBefestigung des Bruches, Am 25. Juni 1871 sind die Wundenvernarbt. Eine zurückgebliebene Lähmung des Unterschenkels wirddurch eine zweimonatliche Badekur wenig gebessert; der Unter-schenkel bleibt atrophisch. Das Bein ist zum Gehen unbrauchbar.(Vergl. v. Beck, S. 728, No. 3.)
9 3 A Monate.
107.
H. D., vom Sächsischen 8. Infan-terie-Regiment No. 107, verwundetam 18. August 1870 bei Grave-lotte: Gewehrschussbruch des linkenSchien- und Wadenbeins im oberenDrittel. Eingangsöffnung 10 cmunter dem Schienbeinknorren, Aus-gangsöffnung in gleicher Höhe ander Aussenseite des Beins.
Nach Anlegung eines Gypsverbandes anfangs normaler Verlauf.Nach Abnahme des Gypsverbandes in der 8. Woche zeigt es sich,dass das obere Bruchende vorn noch beweglich ist und mit einerSpitze hervorragt, eine Neubildung von Knochensubstanz ist hierkaum wahrzunehmen; um dieselbe zu befördern, werden dreiAkupunkturnadeln eingestossen und das Bein behufs besserer Beob-achtung mit einem Pappverband versehen. Schon nach 12 Tagenwaren nunmehr die Bruchenden unbeweglich durch Kallus miteinander vereinigt. In der 10. Woche Vernarbung der Wunde, inder 13. Gehversuche, in der 16. Woche Heilung und Entlassung.Das Schienbein blieb verkrümmt und verkürzt. Das Bein war ab-gemagert und nur mangelhaft zum Gehen zu gebrauchen.
4 Monate.
108.
J. F., vom 4. Posenschen Infan-terie-Regiment No. 59, verwundetam 6. August 1870 bei Wörth:Gewehrschussbruch des linkenSchien- und Wadenbeins im un-teren Drittel.
Der dicht über den Knöcheln gebrochene Unterschenkel lag7 Tage in Drahthose, dann im Gypsverband, welcher indess baldwegen starker Eiterung entfernt und durch einen halben Gypsgussersetzt werden musste; mit letzterem wurde der Verwundete in der7. Woche nach rückwärts befördert. Am Ende des 2. Monats sinddie Bruchenden noch beweglich, viele zum Theil lose Splitter sindzu fühlen und werden bis zur 11. Woche allmälig entfernt. In der12. Woche entsteht durch Fall ein neuer Bruch, welcher nun mitHeister'scher Lade und Lister'schem Verband behandelt wird. EinigeTage später Entfernung eines grossen abgestorbenen Knochenstückes,worauf dann Anfang Februar 1871 Heilung erfolgt.
6 Monate.
109.
J. G., Premierlieutenant, ver-wundet am 16. August 1870 beiMars laTour: Gewehrschuss in dasrechte Bein unterhalb des Knies mitVerletzung des oberen Drittels desWaden- und Schienbeins.
Heilung der Wunde nach reichlicher Eiterung und Ausstossimgvieler Knochensplitter, in Folge deren der vorher sehr kräftigeKranke stark abmagerte, erst fast nach Jahresfrist.
Befund nach der Heilung: Rechtes Kniegelenk durch Auswärts-drängen des Unterschenkels in seiner Gelenkverbindung mit demOberschenkel stark nach aussen gekrümmt. Köpfchen des Waden-beins steht unter dem Kniegelenk weit hervor. Rechtes Bein 2 cmkürzer als das linke. Der Kranke kann sich nur mühsam mit zwei
(Fortsetzung umstehend.)
1 Jahr.