Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
1157
Einzelbild herunterladen
 

Band III. Spez. Theil.

Kasuistik.

1157

LaufendeNo.

104.

Bezeichnung des Verwundeten.Tag und Art der Verwundung.

H. B., Lieutenant, verwundet am16. August 1870 bei Mars la Tour:Gewehrschuss in das untere Dritteldes linken Unterschenkels.

Verlauf, spätere Zustände u. s. w.

Dauer

der

Lazareth-

behandlung.

Am 24. Januar 1872: Der linke Unterschenkel abgemagert undum etwa 2 cm verkürzt. Beide Knochen desselben stark auf-getrieben. Durch enge Fistelöffnungen gelangt die Sonde auf ab-gestorbene Knochenstücke. Fussgelenk steif und unbeweglich.Gehen nur mittels zweier Krücken möglich. Dauernd ganzinvalide,zeitig (auf 1 Jahr) einfach verstümmelt.

Am 10. Juli 1873: Im Sommer 1872 und 1873 Gebrauch derBäder in Oeynhausen. Aus den Fistelöffnungen entleert sich nochreichlich Eiter. Ein geringer Grad von aktiver und passiver Be-weglichkeit des linken Fussgelenks vorhanden. Sonst Befund wiefrüher. Dauernd ganzinvalide, zeitig (auf 3 Jahre) einfach ver-stümmelt.

Am 20. Mai 1876: Untere Enden der beiden Knochen des linkenUnterschenkels stark aufgetrieben. Umfang über den Knöchelnrechts 25.5 cm, links 27 cm; Umfang 5 cm oberhalb des äusserenKnöchels rechts 22 cm, links 23 cm; schräger Durchmesser desFussgelenks rechts 32 cm, links 33 cm. Nur noch eine Fistelöffnungetwas oberhalb des linken äusseren Knöchels, durch welche dieSonde auf rauhes Knochengewebe beider Unterschenkelknochendringt. In der Fistel etwas übelriechender Eiter. Oberhalb deslinken inneren Knöchels eingezogene Narbe einer geheilten Fistel-öifnung. Beweglichkeit im linken Fussgelenk aktiv und passivsehr gering. Die Verkürzung des linken Unterschenkels hat derUntersuchte durch eine 2 cm hohe Korkeinlage in der linken Fuss-bekleidung ausgeglichen. Gehen nur mit Hilfe zweier Stöckemöglich und nur auf kurze Zeit, bei längerem Gebrauch des Beinsstets stärkere Schwellung und Schmerzen im Fussgelenk. Dauerndganzinvalide, zeitig (auf 3 Jahre) einfach verstümmelt.

Am 16. Mai 1878: Umfang über den Knöcheln links 27 cm,rechts 25..-)Cm; Umfang 5 cm oberhalb derselben links 23 cm, rechts21cm; Umfang der Wade an ihrer stärksten Stelle links 30.5 cm,rechts 33.5 cm. Etwas oberhalb des äusseren Knöchels eine vonder früheren Fistelöffnung herrührende Vertiefung, 1 cm tief gegendas Wadenbein eindringend und auf diesem endigend. Dieselbe hateine Weite von 4 mm, ist durchweg mit Epidermis ausgekleidet,auch der auf dem Knochen liegende Grund derselben. Der Knochennirgends rauh zu fühlen. Keine Absonderung mehr. Oberhalbdes inneren Knöchels die etwas eingezogene, etwa zehnpfennig-stückgrosse Narbe der anderen Fistelöffnung. Die Haut in derUmgebung der Narben und in der ganzen Fussgelenksgegendzeigt zahlreiche Netze erweiterter Hautvenen. Verkürzung deslinken Unterschenkels wie früher (um 2 cm). Beweglichkeitaktive und passive des linken Fussgelenks nach jeder Richtunghin beschränkt, aber nicht aufgehoben. Um längere Strecken zugehen, Benutzung eines Stocks. Die Störung der aktiven Be-wegungsfähigkeit ist nicht mehr dem Verlust des Gliedes gleichzu erachten.

105.

A. v. D., vom OstpreussischenJäger-Bataillon No. 1, verwundetam 14. August 1870 bei ColombeyNouilly: Splitterbruch des linkenSchien- und Wadenbeins im unterenDrittel durch Gewehrschuss.

Die Eingangsöffnung befindet sich an der Aussenseite 8 cm überdem Knöchel, die Ausgangsöffnung innen am Schienbein. Letztereswar in grosser Ausdehnung zersplittert. Gypsverband. In denersten 4 Wochen wurden häufig ohne bedeutende KeizerscheinungenSplitter entfernt. In der 7. Woche hat sich ein fester Kallus ge-bildet. Die Bruchenden sind nicht mehr gegen einander beweglich.Von der 8. bis 12. Woche verschlimmert eine Knochenhaut-Ent-zündung am Schienbein das Allgemeinbefinden in hohem Grade.

(Fortsetzung umstehend.)

13'AMonate.